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Analyse

Deutscher Weizenexport 50 % kleiner als 2014

von , am
22.09.2015

Deutlich weniger Weizen als 2014 haben bislang deutsche Exporteure in Drittländer verkauft.

© landpixel
 
Die Weizenexporte (Lizenzen) aus der Europäischen Union sind bis Mitte September deutlich kleiner als im vorigen Wirtschaftsjahr. In den ersten elf Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres 2015/16 bis zum 15. September wurden nach den Angaben der EU-Kommission etwa 4,2 Mio. t Weichweizen ins Ausland verkauft. Das eine rund 20 % bzw. 1,1 Mio. t kleinere Exportmenge als im bisherigen Rekordjahr 2014/15 als zum gleichen Termin 5,3 Mio. t Weizen exportiert wurden.
 
Ein Grund für den Rückgang der Exporte dürften die deutlich größeren Ernten am Schwarzem Meer, die niedrigen russischen und ukrainischen Exportpreise und die im Vergleich zum Vorjahr bessern Qualitäten der globalen Weizenernte sein. Allerdings haben nicht alle europäischen Länder weniger Weizen exportiert als 2014. So ist die bislang aus Frankreich verkaufte Weizenmenge ähnlich groß wie die Rekordmenge aus dem Vorjahr, während Deutschland und Rumänien bislang deutlich weniger Weizen in Drittländer verkauften als 2014.
 
Frankreichs Exporte ähnlich hoch wie 2014
Größter Einzelexporteur der europäischen Union im aktuellen Wirtschaftsjahr ist bisher Frankreich, mit einer Ausfuhrmenge (Lizenzen) von insgesamt 1,64 Mio. t. Das ist sogar eine geringfügig größere Menge wie zum gleichen Termin im vorigen Jahr als 1,59 t Weizen über die französischen Exporthäfen in Drittländer verkauft wurden.
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Deutsche Exporte 50 % kleiner als 2014
Deutlich weniger Weizen als 2014 haben bislang deutsche Exporteure in Drittländer verkauft. Dabei kommt aus Deutschland mit 923.507 t dennoch die bislang zweitgrößte europäische Exportmenge. Im vorigen Jahr hatte man (bei einem sehr knappen globalen Angebot an Qualitätsweinen) jedoch zum gleichen Termin bereits 1,4 Mio. t Weizen aus Deutschland in Drittländer verkauft und damit 486.000 t bzw. 52 % mehr als 2014.
 
Rumänische Exporte halbiert
Einen besonders drastischen Einbruch seiner Ausfuhren verzeichnet 2015 Rumänien. Trotz des Rückgangs liegt der Schwarzmeer-Anrainer Rumänien (mit dem Export-Hafen Constanta) auf Position drei der größten europäischen Exporteure mit Ausfuhren von 471.888 t Weizen. Im vorigen Jahr war die rumänische Ausfuhrmenge mit 955.150 t allerdings doppelt so hoch.
 
Weniger Exporte aus Polen und Bulgarien
Über die niederländischen Exporthäfen wurden bislang 266.021 t Weizen in Drittländer verkauft (Vj: 423.267) und damit 39 % weniger als 2014. Aus Bulgarien gingen bis Mitte September 58.520 t auf den Weltmarkt (Vj: 262.130 t) und damit fast 80 % weniger als 2014, aus Polen wurden im gleichen Zeitraum 125.921 t Weizen verkauft (Vj. 178.500).
 
Zuwachs im Baltikum und in Schweden
Mehr Weizen als 2014 wurden hingegen aus Litauen mit 375.190 t (Vj: 187.282) in Drittländer vermarktet und auch Schweden mit 111.650 (Vj. 98.300 t) sowie Lettland mit 169.232 t (Vj: 76.032) verkauften mehr Weizen auf den Weltmarkt als 2014. Ähnlich groß wie im vorigen Jahr sind mit 58.772 t bislang die Exporte aus Ungarn.
 
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Deutsche Weizenpreise jetzt niedriger als 2014
Am deutschen Kassamarkt standen die Weizenpreise wegen der sehr niedrigen Exportpreise und auch wegen der niedrigen Preise in Frankreich unter Druck. Am vorigen Freitag (18.09) handelte man Brotweizen mit 12 % Protein am deutschen Exporthafen in Hamburg mit 167 Euro/t. Das waren 5,0 Euro weniger als in der Vorwoche (172 Euro). Vor einem Jahr (September 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg zu diesem Termin etwa bei etwa 170 Euro und waren damit rund 3 Euro höher.
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am Freitag (18.09) 173 Euro/t geboten und damit 4 Euro weniger Preise als zum Beginn der Vorwoche (177 Euro). Vor einem Jahr (September 2014) handelte man A-Weizen in Hamburg zu diesem Termin etwa mit 175 Euro und damit zu 2,0 Euro höheren Preisen als in diesem Jahr.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise in Hamburg am Freitags (18.09) bei 182 Euro und damit ebenfalls rund 5 Euro niedriger als zum Beginn der Vorwoche (187 Euro). Vor einem Jahr (September 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei etwa 185 Euro und waren damit 3 Euro höher als die aktuellen Preise.
 
Frankreich mit sehr niedrigen Preisen
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde der Brotweizen mit 11 % Protein, am wichtigsten Handelsplatz in Rouen, am vorigen Freitag (18.09) nur noch mit 150 Euro je t gehandelt und damit 2 Euro niedriger als zum Beginn der vorigen Woche (152 Euro) und auch niedriger als die vergleichbaren Qualitäten in Deutschland.
 
Dr. Olaf Zinke
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