Login
Analyse

Deutschland exportiert Qualitätsweizen

von , am
16.01.2015

Aus Deutschland ist die Verkaufsmenge in Drittländer in diesem Wirtschaftsjahr 15 % kleiner als die Rekordmenge aus dem Vorjahr. Gefragt ist am Weltmarkt vor allem deutscher Qualitätsweizen.

© landpixel
 
Der europäische Weizenexport nimmt in der zweiten Januarwoche wieder Fahrt auf, nachdem die Ausfuhren über den Jahreswechsel spürbar zurückgegangen waren. Rund 553.000 t Weizen wurden in der Woche bis 13. Januar in Drittländer verkauft, nachdem es in den beiden Woche zuvor nur jeweils rund 200.000 t waren. Aus Deutschland ist die Verkaufsmenge in Drittländer in diesem Wirtschaftsjahr 15 % kleiner als die Rekordmenge aus dem Vorjahr. Gefragt ist am Weltmarkt vor allem deutscher Qualitätsweizen, für den weiterhin hohe Prämien gezahlt werden. Insgesamt war die aus Europa in Drittländer verkaufte Weizenmenge bis zum 11. Januar 2015 mit 15,33 Mio. t rund 3,6 % kleiner als die Rekordausfuhrmenge aus dem vorigen Jahr.
 
Frankreich und Rumänien auf Vorjahresniveau
Mitte Januar zeigen die vorläufigen Ausfuhrdaten-Daten der EU-Kommission, dass einige osteuropäische und skandinavische Länder (z: B. Litauen, Polen, Ungarn und Schweden) sowie das Vereinigte Königreich mehr Weizen in Drittländer verkauft haben als im letzten Jahr zu diesem Termin. Dagegen ist die deutsche Ausfuhrmenge derzeit 15 % kleiner als im letzten Jahr. Die Verkaufsmenge Frankreichs liegt nur 4 % niedriger als vor 12 Monaten auch die rumänischen Exporte sind ähnlich groß wie im letzten Jahr. Im vorigen Jahr hatte Deutschland bis Mitte Januar fast eben so viel Weizen am Weltmarkt verkauft wie Frankreich. Allerdings ist in diesem Jahr vor allem deutscher Qualitätsweizen am Weltmarkt gefragt und erzielt deutlich höhere Prämien als vor einem Jahr. Dagegen verkauft sich der französische Weizen offenbar vor allem über den (niedrigen) Preis wie die letzten beiden Exportauktionen Ägyptens unterstreichen, auf denen Ägypten insgesamt 420.000 t Weizen aus Frankreich gekauft hat.
 
Europäischer Export läuft gut, USA verliert Marktanteile
Bis zum 13. Januar wurden nach den Daten der EU-Kommission aus der Europäischen Union 15,3 Mio. t Weichweizen (Lizenzen) in Drittländer verkauft. Das ist eine knapp 4 Prozent kleinere Exportmenge als im bisherigen Rekordjahr 2013/14. Damals wurden bis zu diesem Termin 16,7 Mio. t Weizen exportiert. Im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2012/13 (10,4 Mio. t) sind die Exporte derzeit allerdings 47 Prozent höher. Bis Dezember verzeichneten auch die beiden Schwarzmeerländer sehr gute Weizenausfuhren. Allerdings hat sich das Exporttempo der Schwarzmeerländer zuletzt abgeschwächt und Russland hat ab Februar Exportzölle eingeführt. Die Ukraine exportierte vom 01. Juli bis 24. Dezember rund 7,9 Mio. t Weizen in Drittländer, Russland exportierte im gleichen Zeitraum 15,59 Mio. t Weizen ins Ausland. In den USA laufen die Weizenverkäufe (Netto) weiterhin schlechter als im Vorjahr. Bis zum 08. Januar haben die USA rund 18,9 Mio. t Weizen in Drittländer verkauft und damit ein Viertel weniger als im letzten Jahr zu diesem Termin (24,9 Mio. t).
 
Deutschland exportiert weniger, Frankreich ähnlich viel
In den ersten 29 Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres (bis 13 Januar) kommt Frankreich auf die größte Menge in Drittländer verkauften Weizen mit insgesamt 4,64 Mio. t. Das sind nur knapp 5 % oder 0,2 Mio. t weniger als im letzten Jahr. Damals die Franzosen zu diesem Termin 4,85 Mio. t Weizen exportiert. Die zweitgrößte Liefermenge kommt bislang mit 3,98 Mio. t Weizen aus Deutschland. Im vorigen Jahr lag die deutsche Ausfuhrmenge zu diesem Termin allerdings bei 4,71 Mio. t und war damit rund 18 % höher und nur geringfügig kleiner als die Ausfuhr Frankreichs. Auf Position drei der größten Exporteure liegt im aktuellen Wirtschaftsjahr Rumänien mit 1,74 Mio. t in Drittländer verkauften Weizen. Vor einem Jahr hatten die Rumänien mit 1,79 Mio. t Weizen eine ähnlich große Menge verkauft.
 
Mehr Exporte aus Osteuropa und Skandinavien
Deutlich gesteigert haben im Vergleich zum Vorjahr auch einige osteuropäische und skandinavische Länder ihre Ausfuhrmengen. So verkaufte Litauen bislang 1,34 Mio. t Weizen in Drittländer, während es im letzten Jahr zu diesem Termin nur 1,0 Mio. t waren. Polen kommt bisher auf Ausfuhren von 0,76 Mio. t im Vergleich zu 0,38 Mio. t im letzten Jahr. Auch aus Schweden gingen 0,32 Mio. t auf den internationalen Markt (Vj: 0,03). Aus Bulgarien wurden 0,38 Mio. t in Drittländer verkauft damit etwas weniger wie vor einem Jahr (0,48) und aus Lettland exportierte man 0,4 Mio. t gegenüber 0,53 Mio. t im Vorjahr . Mehr Weizen als im Vorjahr wurde außerdem aus dem Vereinigten Königreich und aus Ungarn exportiert. Über die niederländischen Exporthäfen wurden 1,05 t Weizen vermarktet und damit deutlich weniger als im letzten Jahr (1,6 Mio. t).
 
Hohe Prämien für deutschen Qualitätsweizen
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise seit Anfang Januar kräftig gefallen haben sich zuletzt jedoch wieder etwas erholt. Am Freitag (15.01) kostete der Weizen (Märzkontrakt) am Terminmarkt in Paris 195 Euro/t und damit rund 8 Euro weniger als zum Beginn des Monats (203 Euro). Am Exporthafen in Hamburg sind die Preise ebenfalls zurückgegangen. Dort handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Februartermin am Freitag (15.01) mit 202 Euro/t und damit 6 Euro niedriger als Anfang Januar (208 Euro).
 
A-Weizen mit 13 % Protein kostete in Hamburg für die Anlieferung im Februar 216 Euro/t und damit nur 2 Euro weniger als Anfang Januar (218 Euro). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise bei 232 Euro und damit 4 Euro niedriger als vor einer Woche (236 Euro). Gleichzeitig wurde der Futterweizen in Hamburg mit 190 Euro gehandelt und damit 5 Euro niedriger (195 Euro). Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Freitag 188 Euro/t und damit 7 Euro weniger als Anfang des Monats (195 Euro). Die Preise für A-Weizen lagen an den deutschen Exporthäfen zuletzt etwa 15 Euro und für E-Weizen sogar 30 Euro höher als im Januar 2014. Brotweizen war etwa so teuer wie im Januar 2014. Futterweizen ist etwa 8 Euro billiger als vor 12 Monaten.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt / agrarmanager
Auch interessant