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Analyse

Dramatischer Absturz der Weizenpreise

von , am
04.09.2015

Die Weizenpreise sind Anfang September stürzten am Donnerstag (03.09) am europäischen Terminmarkt für den auslaufenden Septemberkontrakt auf den tiefsten Stand seit dem Juni 2010 also seit gut 5 Jahren

© landpixel
 
Die Weizenpreise sind Anfang September sowohl am Terminmarkt als auch Kassamarkt sehr kräftig gefallen und stürzten am Donnerstag (03.09) am europäischen Terminmarkt für den auslaufenden Septemberkontrakt auf den tiefsten Stand seit dem Juni 2010 also seit gut 5 Jahren. Am Ende des Handelstages fielen die Preise am Terminmarkt bis knapp unter 147 Euro und lagen damit auch sehr deutlich unter dem vorigen Tiefpunkt der Preise vom September 2014 als der Weizen für 152 Euro gehandelt wurde. Noch niedrigere Weizenpreise gab es am europäischen Terminmarkt zuletzt im Juni 2010 (137 Euro).
 
Hoffnung auf den Export
Angesichts dieses Preissturzes kommt auch der physische Handel am deutschen und europäischen Kassamarkt zum Erliegen, zumal der Preisabstand zwischen dem auslaufenden Septembertermin und dem nachfolgenden Dezember-Weizen, trotz der insgesamt fallender Preise, immer größer wurde und für die nächsten Wochen deutlich höhere Preise erwarteten lässt. Unterstützung könnte dabei vor allem vom Export kommen, der bisher für die Europäer relativ gut gelaufen ist, wenn auch nicht ganz so gut wie im letzten Jahr. Vor allem dürften die Prämien für Qualitätsweizen an den Exportmärkten niedriger ausfallen als 2014. Im vorigen Jahr sind die europäischen Weizenpreise nach dem Tiefpunkt im September (152 Euro) allerdings kontinuierlich gestiegen und erreichten zunächst zum Jahresende und dann noch einmal im Juli 2015 die Marke von 200 Euro.
 
Massiver Preisdruck vom Schwarzen Meer
Allerdings ist der Preis- und Angebotsdruck vom Schwarzen Meer in diesem Jahr größer als 2014 und die Weizenernten in Russland und die Ukraine wurden zuletzt immer weiter nach oben korrigiert. Die russische Ernte könnte sogar zum dritten Mal überhaupt die 60-Mio.–t-Marke knacken. Gleichzeitig haben die Währungen beider Länder zuletzt weiter deutlich an Wert gegenüber Dollar und Euro verloren, so dass russischer und ukrainischer Weizen an den Exportmärkten noch billiger angeboten werden kann und damit auch die Preise in Europa und den USA, aber auch in Kanada und Australien nach unten gezogen werden.
 
Russland bestimmt die Weltmarktpreise
Die letzten zum Monatswechsel notierten fob-Preise für russischen Exportweizen mit 12,5 % Protein lagen bei 180,5 USD/t (160,6 Euro). Zum gleichen Termin kostete der ukrainische Weizen fob-Exporthafen nur 177,9 USD/t (158,2 Euro) und damit noch etwas weniger. Der billigste Weizen aus Frankreich wurde zum gleichen Termin fob-Exporthafen für 185,9 USD (165,4 Euro) verladen und rumänischen Weizen konnte man ab 188,1 USD (167,3 Euro) und damit noch etwas teurer kaufen. Am gestrigen Donnerstag wurden 170.000 t für knapp 179 USD (158,5 USD) fob-Exporthafen bzw. 188 USD (166,5 USD) einschließlich Frachtkosten nach Ägypten verkauft. Die Preise für französischen Weizen waren zwar bis auf 174,7 USD/t (154,4 Euro) gefallen und lagen damit erstmals niedriger als für russischen Weizen, jedoch waren die Transportkosten höher so das Frankreich erneut leer ausging.
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Europäische Weizenexporte jetzt niedriger als 2014
Trotz der straken Konkurrenz vom Schwarzen Meer laufen die europäischen Weizenexporte bislang gut, fallen jedoch immer weiter hinter die Vorjahreswerte zurück. In den ersten neun Wochen des neuen Wirtschaftsjahres 2015/16 (Woche bis zum 01.September), wurden nach den Angaben der EU-Kommission etwa 3,73 Mio. t Weichweizen der neuen Ernte ins Ausland verkauft. Das ist eine knapp 8 % kleinere Exportmenge als im bisherigen Rekordjahr 2014/15 zu diesem Termin (4,03 Mio. t). Größter Einzelexporteur ist Frankreich, mit einer Verkaufsmenge von insgesamt 1,45 t Weizen. Die zweitgrößte Exportmenge kam mit 804.801 t Weizen aus Deutschland und 450.428 t wurden aus Rumänien verkauft, 124.420 t aus Litauen, 87.450 t aus Schweden und 75.405 t aus Polen
 
Terminmarkpreise fallen auf 5Jahrestief
Die Weizenpreise sind am europäischen Terminmarkt für den vorderen Termin kräftig eingebrochen und haben für die hinteren Termine nicht ganz so kräftig nachgegeben. Der Septembertermin (neue Ernte) beendete den Handel am Donnerstag nur noch bei 146,75 Euro/t und damit 6,25 Euro bzw. 4,1 % niedriger als am Vortag (153,0 Euro).
 
Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Donnerstag mit 166,90 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (169,0 Euro) haben die Dezemberpreise damit um 2,50 Euro nachgegeben. Gleichzeitig ist der Preisabstand zwischen Dezember und Septemberweizen weiter gewachsen und beträgt ungewöhnlicherweise 19,75 Euro bzw. 13,5 %. Das Preisniveau vom Vorjahr (183,50 Euro) verfehlten die Weizenpreise (September) am Mittwoch um 36,75 Euro bzw. 20,0 %. Seit Anfang Juli (205 Euro) sind die europäischen Weizenpreise damit um 28 % bzw. 58,25 Euro gefallen.
 
Damit sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt für den auslaufenden Septembertermin auf dem tiefsten Stand seit 5 Jahren ( Juni 2010) abgestürzt. Der vorige Tiefpunkt der Weizenpreise vom 22. September 2014, als die Weizenpreise nur noch bei 152 Euro lagen, wurde deutlich um gut 3,5 % unterschritten. Noch niedrigere Weizenpreise gab es am europäischen Terminmarkt zuletzt im Juni 2010 (137 Euro).
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Kassapreise jetzt deutlich niedriger als 2014
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise seit Mitte August kontinuierlich gefallen und haben auch diese Woche weiter deutlich nachgegeben. Allerdings bleibt der physische Handel vor dem Hintergrund der fallenden Preise sowie der deutlich besseren Preis-Aussichten für die späteren Termine, sehr gering. Angesichts der stark gefallen Terminmarkpreis dürften die Weizenpreise auch den Kassamärkten am heutigen Freitag (04.09) noch einmal 2 bis 3 Euro nachgeben.
 
Am Donnerstag (03.08) handelte man den Brotweizen der neuen Ernte mit 12 % Protein am deutschen Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 170 Euro/t. Das waren nochmals 6 Euro weniger als eine Woche zuvor (176 Euro) und sogar 40 Euro weniger als zur letzten Preisspitze (210 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (September 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg zu diesem Termin bei etwa 184 Euro und waren damit rund 14 Euro höher. Bis Ende September 2014 sind die Weizenpreise jedoch bis auf 161 Euro gefallen, um dann wieder kontinuierlich zu steigen.
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am Donnerstag (03.09) durchschnittlich 175 Euro/t geboten und damit 6 Euro niedrigere Preise als vor einer Woche (181 Euro) und 45 Euro weniger als zur letzten Preisspitze (220 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (September 2014) handelte man A-Weizen in Hamburg zu diesem Termin mit 190 Euro und damit zu 9 Euro höheren Preisen als in diesem Jahr. Bis Ende September 2014 sind die A-Weizenpreise dann jedoch bis auf 166 Euro gefallen, um dann wieder kontinuierlich zu steigen.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise in Hamburg am Donnerstag (03.09) bei 185 Euro und damit 6 Euro niedriger als eine Woche zuvor (191 Euro) und sogar 65 Euro niedriger als zur letzten Preisspitze (250 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (September 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei knapp 200 Euro und waren damit 15 Euro höher als die aktuellen Preise. Bis Ende September 2014 sind die E-Weizenpreise dann jedoch bis auf 176 Euro gefallen, um dann wieder kontinuierlich zu steigen.
 
Weiterer Preisrutsch in Frankreich
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde für Brotweizen der neuen Ernte ( mit 11 % Protein), am wichtigsten Handelsplatz in Rouen, am Donnerstag (03.09) noch 151 Euro je Tonne geboten und damit 7 Euro weniger als vor einer Woche (158 Euro). Am Freitag Vormittag lagen die Preisangebote in französischen Rouen nur noch bei 149 Euro und damit nochmals 2 Euro niedriger als am Donnerstag.
 
Dr. Olaf Zinke
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