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Analyse

Einkaufswelle und US-Kälteeinbruch stützen Weizenpreise

von , am
24.01.2014

Eine regelrechte Einkaufs-Welle am internationalen Weizenmarkt und ein neuer Kälteeinbruch in den USA geben den zuletzt unter Druck stehenden Weizenpreisen deutlichen Auftrieb.

© landpixel
 
Eine regelrechte Einkaufs-Welle am internationalen Weizenmarkt gibt den zuletzt unter Druck stehenden Weizenpreisen in Europa, in den USA, in Kanada sowie in Australien am Donnerstag (23.01) kräftigen Auftrieb. Der Auslöser für den ungewöhnlich starken Nachfrageschub dürfte der Preisrutsch der letzten Tage gewesen sein. Am Terminmarkt in Paris legten die Weizenpreise am Donnerstag Nachmittag um fast 3 Euro auf knapp 196 Euro zu. In Chicago betrug der Preisaufschlag zu diesem Zeitpunkt (16:00 Uhr MEZ) sogar 2,4 % und der dortige Preis stieg auf umgerechnet 154,50 Euro (574,4 Ct/bu). Der US-Brotweizen in Kansas kletterte ebenfalls um gut 2 % auf umgerechnet 168 Euro (624,6 Ct/Bu).
 
Starke Importe und neue Kältewelle in den USA
Auslöser für diese Rallye waren unter anderem Meldungen über die bereits erfolgten oder noch anstehende Einkäufe Saudi-Arabiens, Algeriens und des Iraks. Hinzu kommen wachsende Befürchtungen über Frostschäden in den nordöstlichen Weizenanbaugebieten der USA (SRW), wo eine neue extreme Kältewelle mit Temperaturen unter Minus 18 Grad Celsius auf eine relativ geringe Schneebedeckung des Weizens trifft. Nächste Woche soll die Kältewelle anhalten und  dann  etwa 25 % des Mittelwestens erreichen und etwa 10 % der südlichen Plains (HRW), meldete der US-Wetterdienst MDA.
 
Saudi-Arabien kauft 660.000 t
Am heutigen Donnerstag (23.01) meldeten Händler den Einkauf von 660.000 t Weizen durch Saudi-Arabiens staatliche Getreideagentur GFSMO. Gekauft werden von der GFSMO 550.000 t Weizen der Sorte Hard Wheat, mit mindestens 12,5 % Protein sowie 110.000 t Weizen der Sorte Soft Wheat, mit 11,0 % Protein. Zuletzt hatte Saudi-Arabien Anfang November (2013) 720.000 t Weizen der Sorte Hard Wheat gekauft. Der Gesamtimport des Landes wird für das laufende Wirtschaftsjahr auf 2,7 Mio. t geschätzt, nach 1,9 Mio. t im letzten Jahr.
 
Algerien kaufte 500.000 t / Irak ordert 200.000 t
Bereits am Mittwoch kaufte zudem Algerien 500.000 t Weizen und auch der Irak orderte zeitgleich 350.000 t Weizen der Sorte Hard Wheat. Lieferzeitraum für den algerischen Einkauf ist April bis Mai. Wichtigster Lieferant für Algerien ist traditionell Frankreich. Analysten nannten am Dienstag für den algerischen Einkauf Preise von 285 USD bis 288 USD/t. Der Irak kaufte 200.000 t Weizen in Australien, 100.000 t Weizen in Kanada sowie 50.000 Weizen in den USA, meldet die verantwortliche Getreideagentur OAIC. Der  Gesamtimport Algeriens wird für dieses Wirtschaftsjahr auf 6,5 Mio. t geschätzt und damit ähnlich groß wie im letzten Jahr. Den Importbedarf des Iraks veranschlagten Analysten zuletzt auf 3,2 Mio.t .
 
Ägypten hat im Januar schon 0,9 Mio. t gekauft
Ägypten hat im Januar  mit den fallenden Preisen bereits 900.000 t Weizen am Weltmarkt (im Rahmen von Auktionen) gekauft. Händler berichteten Anfang dieser Woche außerdem auch über den Einkauf von 99.000 t Weizen durch Japan (vor allem in den USA) und von 73.400 t durch Taiwan  - ebenfalls in den USA. Gemeldet wurde zudem der Einkauf von 70.000 t Weizen durch Äthiopien. Nach Einschätzung von Händlern gibt es derzeit außerdem auch Gerüchte über bevorstehende neue Einkäufe Chinas. Die Gesamtimporte Ägyptens schätzten Analysten für dieses Jahr auf 10,5 Mio. t nach 8,3 Mio. t im letzten Jahr. China importiert etwa 7,2 Mio. t und Japan kommt auf Einfuhren von insgesamt 6,2 Mio. t.
 
Exportpreise steigen wieder
Die Exportpreise für deutschen Brotweizen (fob) lagen am heutigen Donnerstag (23.01) an den Exporthäfen der Ostsee zwischen 201 Euro und 206 Euro/t. Im norddeutschen Großhandel kostete der Brotweizen (12 % P.) 196 Euro/t. Deutscher A-Weizen wurde am Donnerstag an den Ostseehäfen zu fob-Preisen von 203 Euro bis 208 Euro/t verladen. Der Großhandelspreis für A-Weizen (13 % P.) lag bei 198 Euro/t. In Frankreich kostete Weizen im Großhandel (fob-Rouen) am Donnerstag 190 Euro/t. Die Exportpreise für US-Weizen der Sorte Soft Red Winter (Chicago) lagen an Exporthäfen am US-Golf bei knapp 264 USD/t (193 Euro). US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter kostete an den Verladehäfen am Golf (fob) 290 USD/t (212 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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