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Analyse

Ernteprognosen setzen Weizenpreise unter Druck

von , am
06.03.2015

Innerhalb einer Woche sind die Weizenpreise in den USA um 6 % gefallen. In Europa war die Korrektur wegen der sehr guten Exportdaten und dem schwachen Euro deutlich moderater.

© landpixel
 
Innerhalb einer Woche sind die Weizenpreise in den USA um 6 % gefallen. Allein am Donnerstag betrug der Preisabschlag 3 %. In Europa war die Korrektur wegen der sehr guten Exportdaten und dem schwachen Euro deutlich moderater, dennoch verloren die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt im Wochenverlauf ebenfalls knapp 2 %. Am deutschen Kassamarkte konnten sich die Preise hingegen knapp behaupten, während die Weizenpreise in Frankreich diese Woche etwas stärker nachgaben.
 
Export stützt die Weizenpreise in Europa
Die Gründe für den massiven Preisruck beim US-Weizen und die im Vergleich robusten europäischen Weizenpreise liegen zunächst in der sehr unterschiedlichen Exportdynamik beider Regionen. Eng damit verbunden ist die aktuelle Entwicklung der Wechselkurse Euro/ Dollar, die den Europäern ebenso deutliche Wettbewerbsvorteile verschafft, wie die deutlich niedrigeren Frachtkosten der Europäer zu den Absatzmärkten in Nordafrika und im Nahen und Mittleren Osten. Bis zum 03. März haben die Europäer die Rekordmenge von 21,3 Mio. t Weizen in Drittländer verkauft (Vj 20,8). Davon kamen 5,4 Mio. t aus Deutschland, 6,5 Mio. t aus Frankreich, 2,0 Mio. t aus Rumänien, 1,5 Mio. t aus Litauen und 1,34 Mio. t aus Polen. Dabei verkauft Deutschland in diesem Wirtschaftsjahr vor allem proteinreichen Brot- und Qualitätsweizen wie die sehr hohen Prämien für die entsprechenden Qualitäten zeigen, während aus Frankreich vor allem "normaler" Brotweizen (11 % Protein) auf den Weltmarkt fließt.
 
Gute Ernteprognosen bringen weiteren Preisdruck
Verantwortlich für den kräftigen Preisrückgang in den USA war jedoch nicht nur die Wettbewerbssituation im Export (und der weiter steigende Dollar). Auch die aktuellen Ernteprognosen für 2015 bieten für die Weizenpreise in den USA keine große Unterstützung. So hat das russische Landwirtschaftsministerium diese Woche (trotz des relativ schwachen Zustandes des Winterweizens) eine Ernteprognose abgegeben, die Märkte überrascht hat. Danach  soll die gesamte russische Getreideernte auch 2015 rund 100 Mio. t erreichen und damit nur geringfügig kleiner sein als im aktuellen Jahr mit 104 Mio. t. Ähnlich optimistisch äußerte sich zuletzt auch die FAO in ihre ersten Ernteprognose für 2015 sowie die Analysten von Informa Economics sowie vom Internationalen Getreiderat (IGC). So schätzte die FAO die nächste globale Weizenernte auf 720 Mio. t und damit nur geringfügig kleiner als die Rekordernte aus dem letzten Jahr (727 Mio. t). Kleinere Erntemengen erwartet man für die EU mit 147 Mio. t (Vj. 155,6), für Russland mit 55 Mio. t (Vj. 59 Mio.t) und für die Ukraine mit 22,0 Mio. t (Vj. 24) Dagegen sind die erwarteten Weizenernten in den USA, in Kanada, Australien und der Türkei größer als im aktuellen Wirtschaftsjahr. Die Ernteschätzung der Analysten von Informa Economics lag ebenfalls bei 720,5 Mio. t und der Internationale Getreiderat ging immerhin von 705 Mio. t aus. Damit würde die Versorgungslage am Weizenmarkt auch im nächsten Wirtschaftsjahr sehr komfortabel, auch wenn Europäer und Russen wohl weniger Weizen ernten und exportieren werden wie im aktuellen Wirtschaftsjahr.
 
Weizenpreise am Terminmarkt unter Druck
Die Weizenpreise sind am europäischen Terminmarkt am Donnerstag (04.03) erneut zurückgegangen. Der Maikontrakt für den MATIF-Weizen notierte bei 185,0 Euro und damit 1,25 Euro bzw. 0,7 % niedriger als am Vortag (186,25 Euro). Die neue Ernte (September) kostete am Ende Handelstages 183,75 Euro und damit ebenfalls 1,25 Euro weniger als am Vortag (184,75 Euro). Damit sind die Preise für die neue Weizenernte (September) derzeit 1,25 Euro niedriger als die Preise für den aktuellen Mai-Kontrakt. Im Vergleich zum Vorjahr (195,50 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 10,50 Euro niedriger.. Am Freitag Mittag wird der Weizen (Maikontrakt) am europäischen Terminmarkt mit einem leichten Preisabschlag von 0,50 Euro bei 184,50 Euro/t gehandelt, während die hinteren Termine leicht im Plus liegen. Am Terminmarkt in Chicago sind die Weizenpreise am Donnerstag (05.02) für den Maikontrakt um 3,1 % auf 480,4 Ct je Buschel (160,1 Euro/t) gefallen und die Preise für den in Kansas gehandelten Weizen Hard-Red-Winter gaben um 1,9 % auf 517 USD/t (172 Euro) nach. Am Freitag Mittag (MEZ) liegen die Weizenpreise in Chicago im elektronischen Handel 0,1 % im Minus bei 480 Ct je Buschel (160 Euro).
 
Weizenpreise am Kassamarkt knapp behauptet
Im Wochenverlauf haben die Weizenpreise am deutschen Kassamarkt nur leicht nachgegeben bzw. sich behauptet. Angesicht des Preisdrucks am Terminmarkt könnten die Kurse jedoch durchaus noch etwas nachgegeben. Am Donnerstag (05.03) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg mit 190 Euro/t und damit 1 Euro niedriger wie eine Woche zuvor (191 Euro). A-Weizen mit 13 % Protein kostete in Hamburg 205 Euro/t und damit ebenfalls 1 Euro weniger als eine Woche (206 Euro) zuvor. Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 235 Euro und damit 1 Euro niedriger wie vor einer Woche (236 Euro). Gleichzeitig wurde der Futterweizen in Hamburg mit 182 Euro gehandelt und damit 1 Euro niedriger als letzte Woche (183 Euro). Im Großhandel des größten europäischen Exporteurs Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Freitag (06. März) 175 Euro und damit 3 Euro weniger als vor einer Woche (177 Euro/t).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
 
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