Login
Analyse

Europäische Weizenernte 2015 wird 5 Prozent kleiner

von , am
27.01.2015

Mitte Januar haben die Experten des europäischen Analystenhauses Strategie Grains eine erste Schätzung zur europäischen Weichweizen-Ernte 2015 vorgenommen.

© agrar-press
Aus fast allen europäischen Ländern liegen Daten zu den Aussaatflächen bei Winterweizen vor. Mitte Januar haben die Experten des europäischen Analystenhauses Strategie Grains eine erste Schätzung zur europäischen Weichweizen-Ernte 2015 vorgenommen. Danach wir die neue Ernte bei Weichweizen (ohne Durum) bei etwa 140,4 Mio. t liegen und damit 7,9 Mio. t oder 5,3 % kleiner sein als die von Strategie Grains ausgewiesene Rekordernte aus dem Jahr 2014 von 148,3 Mio. t Weichweizen. Dennoch wäre dies immer noch die drittgrößte bislang in der EU eingebrachte Weichweizenernte nach 2014 und 2008. Die derzeit zweitgrößte Ernte aus dem Jahr 2008 lag bei 141,4 Mio. t, auf einer Fläche von 23,6 Mio. ha. In den Jahren danach (2009 bis 2013) lagen die Erntemengen nach den Daten der EU-Kommission jeweils zwischen 125,9 Mio. t und 136,1 Mio. t und die Anbaufläche bewegte sich in diesem Zeitraum zwischen 22,9 und 23,4 Mio. ha.
 
Witterungsbedingter Anbaurückgang in Osteuropa
Die europäische Anbaufläche für das Jahr 2015 gibt Strategie Grains etwas überraschend mit nur 24,0 Mio. ha an nach 24,3 Mio. ha im Jahr 2014. Dabei wurde der Weizenanbau in den großen westlichen und zentraleuropäischen Produzentenländern wie Frankreich, Deutschland und auch in Polen ausgeweitet. Grund für den Flächenrückgang ist offenbar dies sehr späte Ernte und der sehr nasse Herbst in Ost- und Südosteuropa. Dieses Wetter hat in den betroffenen Ländern offenbar zu einem deutlichen Rückgang der Aussaatfläche von Winterweizen geführt. Trotz dieses Rückgangs wäre dies nach den Daten der EU-Kommission die zweitgrößte bislang mit Weichweizen bestellte Fläche in der EU und größer als die Anbaufläche zur bislang zweitgrößten Ernte aus dem Jahr 2008 (23,6 Mio. ha).
 
Anbauexpansion in Frankreich und Deutschland
Für Frankreich ermittelten die Analysten von Strategie Grains für die Ernte 2015 eine Anbaufläche bei Weichweizen von 5,1 Mio. t und damit gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 0,1 Mio. ha. Wegen der etwas niedriger erwarteten Erträge liegt die Ernteprognose bei 37,2 Mio. t und damit 0,3 Mio. t niedriger als im Jahr 2014 mit 37,2 Mio. t. Das wäre nach 2004 (37,6 Mio. t) und 2014 die bislang drittgrößte Weich-Weizenernte Frankreichs. Für Deutschland weist Strategie Grains eine Ausweitung der Anbaufläche auf 3,3 Mio. ha von zuvor 3,2 Mio. ha aus. Nach den Statistiken der EU wäre dies eine ähnlich große Anbaufläche wie im bisherigen Rekordjahr 2010 (3,28 Mio. ha): Die Erntemenge für Deutschland erwarten die Analysten bei 25,7 Mio. t du damit rund 1,9 Mio. t kleiner als die Rekordernte aus dem Vorjahr (27,9 Mio. t). Nach dem Jahr 2014 und 2008 (25,95 Mio. t) wäre dies jedoch die bislang drittgrößte deutsche Weizenernte.
 
Kleinere Ernten in UK und Polen erwartet
Beim drittgrößten europäischen Weizenproduzenten, dem Vereinigten Königreich, bleibt die Weizenfläche nach der Einschätzung von Strategie Grains auch 2015 relativ stabil bei 1,9 Mio. ha. Im Vereinigten Königreich hatte die Anbaufläche schon mehrfach über 2,0 Mio. ha gelegen, im Jahr 2013 (sehr nasser Herbst) auch nur bei 1,6 Mio. ha. Die Erntemenge für das Vereinigte Königreich sehen die Analysten derzeit bei 15,1 Mio. t und damit 1,5 Mio. t oder 9 % kleiner als die bislang zweitgrößte aus dem letzten Jahr von 16,6 Mio. t. Mehr als 15 Mio. t haben die Landwirte auf der Insel in den letzten 25 Jahre bisher allerdings nur sechsmal geerntet. (davon dreimal mehr als 16 Mio. und einmal sogar mehr als 17 Mio. t 2008). Für Polen weist Strategie Grains ebenfalls eine Ausweitung der Anbaufläche auf 2,4 Mio. ha von zuvor 2,3 Mio. ha aus. Das wäre die größte polnische Weizenfläche seit 2009. Die Erntemenge wird für 2015 auf 10,7 Mio. t geschätzt, nach 11,6 Mio. t im Jahr 2014. Trotz des Rückgangs um 0,9 Mio. t oder knapp 8 % wäre diese Ernte die bislang zweitgrößte polnische Ernte und zweite polnische Weizenernte über 10 Mio. t
 
Rumänien mit kleinerer Fläche und Produktion
Für Rumänien hat Strategie Grains die Aussaatfläche 2015 (witterungsbedingt) gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Mio. ha auf 2,0 Mio. zurückgenommen. Die Produktion erwarten die Analysten bei 6,8 Mio. t und damit 0,8 Mio. t oder 11 % kleiner als 2014 (7,6 Mio. t). In den letzten 25 Jahren wurden in Rumänien immerhin 7mal Weizenernten von mehr als 7 Mio. t eingebracht. Die beiden bisher größten Weizenernten stammen aus dem Jahr 2004 (7,8 Mio. t) und aus dem Jahr 2001 (7,7 Mio. t). Auch in einer Reihe weiterer südosteuropäischer Länder ist die Aussaatfläche 2015 witterungsbedingt kleiner als 2014.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
Auch interessant