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Analyse

Europäische Weizenernte 2015 wird kleiner

von , am
19.12.2014

Die europäische Weizenernte 2015 wird kleiner ausfallen als in diesem Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt das europäische Analystenhaus Strategie Grains.

An der Matif notierte der Weizen gestern wieder bei über 170 Euro je Tonne. © hapo/landpixel
Die europäische Weizenernte 2015 wird wohl deutlich kleiner ausfallen als in diesem Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt das europäische Analystenhaus Strategie Grains diese Woche in seiner zweiten Ernteschätzung für die neue Weizenernte 2015. Dabei wird die Produktion von Weichweizen in der europäischen Union 7,6 Mio. t auf 140,2 Mio. t (Vj. 147,8 Mio. t) zurückgehen. Gleichzeitig soll die Erntemenge bei Hartweizen um 0,6 Mio. t auf 7,9 Mio. t wachsen. Insgesamt (Weich und Hartweizen) würde die europäische Weizenernte nach Einschätzung von Strategie Grains auf 148,1 Mio. t schrumpfen und die aktuelle Rekordernte 2014 um 7,0 Mio. t oder knapp 5 Prozent verfehlen.
 
Ernte-Prognose über dem langjährigen Mittel
Die von Strategie Grains für 2015 erwartete Gesamternte von 148,1 Mio. t würde jedoch (trotz des Rückgangs) immer noch rund 5 Mio. t über dem langjährigen Mittelwert von 143 Mio. t liegen. Auch die Schätzung der europäischen Bauernverbände (Cop-Cogeca) von 147,3 Mio. t wird von Strategie Grains übertroffen. Die auf Satelliten-Analysen gestützte Prognose der US-Analystenfirma Lanworth von 149 Mio. t wird allerdings knapp verfehlt.
 
Kleinere Fläche und schwächere Erträge
Die Gründe für den Produktionsrückgang sieht Strategie Grains zum einen in den niedrigeren Erträgen und zum anderen auch in einem Rückgang der Anbaufläche bei Weichweizen auf 24 Mio. ha. (Die EU-Kommission hatte für 2014 eine Anbaufläche von 24,4 Mio. ha ausgewiesen und Strategie Grains von 24,2 Mio. ha) Die Anbaueinschränkungen resultieren vor allem aus den massiven Problemen bei der Herbstaussaat in einigen osteuropäischen Ländern. Insbesondere in einigen Regionen Bulgariens, Ungarns und Kroatiens hatten massive Regenfälle die Aussaat behindert oder unmöglich gemacht. Produktionseinbußen von zusammen 2 Mio. t wegen niedrigerer Erträge, erwartet Stragie Grains zudem nach den sehr guten Ernten in Deutschland und im Vereinigten Königreich.
 
Ernte 2014 und Exporte weiter nach oben gesetzt
Die aktuelle Rekordernte von Weichweizen 2014 hatte Strategie Grains im Dezember ebenfalls noch einmal von 147,7 Mio. t auf 147,8 Mio. t nach oben gesetzt. Im letzten Jahr (2013) ernteten die Europäer 135,6 Mio. t Weichweizen und damit 12,2 Mio. t oder 8 % weniger. Für Deutschland wird die Weichweizen-Ernte auf 27,6 Mio.t (Vj. 25,0 Mio. ) veranschlagt, für Frankreich auf 37,5 Mio. t ( Vj. 36,9 Mio. t), für das Vereinigte Königreich auf 16,6 Mio. t (Vj. 11,9 Mio. t), für Polen auf 11,1 Mio. t (Vj. 9,5 Mio. t) sowie für Rumänien auf 7,6 Mio. t (Vj. 7,3 Mio. t). Den erwarteten Export in Drittländer korrigierten die Analysten nochmals um 0,3 Mio. t auf 27,1 Mio. t nach oben und blieben damit weiterhin etwas unter dem Rekord aus dem Vorjahr von 29,3 Mio. t. Die Endbestände wachsen (+ 76 %)  noch stärker als zuvor erwartet von 10,6 Mio. t auf 18,7 Mio. t.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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