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Analyse

EU/USA: Weizenpreise finden einfach keinen Boden

von , am
02.06.2014

Der Druck auf die Weizenpreise lässt nicht nach.

© landpixel
Der Druck auf die Weizenpreise lässt nicht nach. In Europa sind die Preise seit Mitte April um 15 % oder 30 Euro gefallen. In den USA fielen die Kurse seit der letzten Preisspitze im Mai ebenfalls um knapp 15 % und am letzten Freitag ging die Talfahrt an den Märkten weiter. Auch am heutigen Montag Vormittag (MEZ) liegend die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in den USA sehr deutlich rund 1,5 % im Minus und sind zudem unter die wichtige technische Unterstützungslinie von 620 Ct/bu (167,5 Euro/t) gerutscht. Vor diesem Hintergrund könnten die Weizenpreise zum Wochenbeginn auch am europäischen Terminmarkt unter die 190-Euro-Marke fallen. Grund für den anhaltenden Preisrutsch sein sind die massiven Signale von den Märkten die auf eine sehr gute Marktversorgung am Weltmarkt und auch in Europa hindeuten.
 
Europäische Ernte wird immer größer
Zuletzt hat das gute Wetter in Europa dazu geführt, dass die Prognosen für die neue Ernte weiter nach oben korrigiert wurden. So setzten die Anlysten von Töpfer International die neue europäische Weichweizenernte unmittelbar in die Nähe der bisherigen Rekordmarke aus dem Jahr 2008. Andere europäische und internationale Analysten könnten dieser Prognose folgen und ihre Erwartungen ebenfalls weiter nach oben schrauben.  In den USA wird die neue Ernte zwar deutlich kleiner ausfallen als im letzten Jahr, die Versorgung am Weltmarkt bleibt jedoch trotzdem sehr gut und auch die Amerikaner haben (auch wegend der guten Maisernte) noch ausreichend Weizen für den Export.
 
Erntebeginn in den USA, Aussaat in Kanada sehr gut
Zudem steht die Weizenernte in den südlichen Anbaugebieten der USA (Texas, Oklahoma) Anfang Juni unmittelbar bevor oder hat bereits begonnen, so dass am Kassamarkt in den USA zusätzlicher Druck auf die Preise entsteht. Gleichzeitig sind die Aussaat- und Wachstumsbedingungen für den dominierenden Sommerweizen in den drei kanadischen Prärieprovinzen ganz hervorragend und lassen ebenfalls eine gute Ernte erwarteten. Ähnlich günstig war zuletzt die Entwicklung beim Sommerweizen in den wichtigsten Anbaustaaten im Norden der USA. Zusätzlicher Druck auf die Weizenpreise ging zudem von den fallenden Maispreisen aus. Die weitgehend zeitgerechte Mais-Aussaat in den USA und eine mögliche Rekordernte drücken die Preise für Futtergetreide (Mais und Futterweizen) an den internationalen Märkten kräftig nach unten.
 
US-Weizenpreise finden (noch) keinen Boden
Am heutigen Montag Vormittag (MEZ) liegend die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in den USA rund 1,5 % im Minus und sind zudem unter die wichtige technische Unterstützungslinie von 620 Ct/bu (167,5 Euro/t) gerutscht. In der letzten Maiwoche haben die Weizenpreise in den USA um rund 4 % nachgegeben. Der Julikontrakt beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag (30.05) mit umgerechnet 169,37 Euro/t (627,2 Ct/Bu). Die neue Ernte (Dezember) kostete 178,24 Euro/t (660,4 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für die alte und die neue Ernte rund 6 Euro weniger und der Preisabstand zwischen beiden Terminen beträgt derzeit rund 9 Euro. Seit dem 6. Mai haben die US-Weizenpreise rund 16 % oder umgerechnet 34 Euro verloren.
 
EU-Weizen könnte unter 190 Euro fallen
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise im Verlauf der letzten Woche ebenfalls gefallen. Am Freitag (30.05) kostete der Weizen für den Novembertermin (neue Ernte) an der MATIF nur noch 191,50 Euro/t und damit 3,50 Euro bzw. 2 % weniger als vor einer Woche. Am heutigen Montag (02.06) stehen die europäischen Weizenpreise wegen der bärischen Vorgaben und Signale vom US-Markt  ebenfalls unter Druck und könnten erstmals seit Januar 2014 wieder unter 190 Euro fallen. Am Kassamarkt haben die Weizenpreise letzte Woche ebenfalls weiter nachgegeben und dürften wohl auch heute weiter fallen. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Freitag (30. Mai) mit 193 Euro/t und damit 5 Euro billiger als eine Woche zuvor. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg ebenfalls mit 193 Euro/t notiert und damit sogar 7 Euro billiger als vor einer Woche.
 
Europäische Exporte ziehen wieder an
In der Abrechnungswoche bis zum 27. Mai verkauften die Europäer 530.000 t Weizen (Lizenzen) in Drittländer. Das war die größte Ausfuhrmenge seit 8 Wochen. In der Woche zuvor wurden 249.000 t verkauft und vor drei Wochen waren es 424.000 t. Deutschland verkaufte in der letzten Abrechnungswoche mit 191.000 Weizen  ebenso viel Weizen wie Frankreich. Deutschland bleibt damit ganz knapp hinter Frankreich der zweitgrößte Weizenexporteuer der EU. Im gesamten Wirtschaftsjahr kommt Frankreich jetzt auf Drittlandsverkäufe von 8,55 Mio. t und Deutschland auf 8,51 Mio. t. Für die EU 28 erreichen die Verkäufe von Weizen in Drittländer bis zum 27. Mai einen Umfang von 26,44 Mio. t. Das sind 8,58 Mio. t oder 48 % mehr als im letzten Jahr (17,86 Mio. t) und zudem ein Ausfuhrrekord der Europäer.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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