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Analyse

EU/Weizen: Export auf Rekordstand, Preise über 200 Euro

von , am
28.02.2014

Die Weizenausfuhren der Europäer kletterten kurz vor dem Monatswechsel auf den höchsten Stand des laufenden Wirtschaftsjahres

Der Internationale Getreiderat setzte sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben. © Mühlhausen/landpixel

 
Die Weizenausfuhren der Europäer kletterten kurz vor dem Monatswechsel auf den höchsten Stand des laufenden Wirtschaftsjahres. Im Gesamtexport wurde zudem die 20-Mio.-t-Marke geknackt. Kein Wunder also, dass die europäischen Weizenpreise am Terminmarkt die 200-Marke übersprungen haben. Mit Abstand größter EU-Exporteur war diese Woche Deutschland, mit einer doppelt so hohen Ausfuhrmenge wie Frankreich. Dagegen haben die Amerikaner zunehmend Probleme beim Export und ihre Exportmenge ging weiter zurück. Offenbar ist der US-Weizen nach dem jüngsten Preisanstieg zu teuer. Diese Woche hatte Ägypten eine vereinbarte Lieferung von 110.000 t Weizen aus den USA storniert.
 
Europäischer Export auf Rekordstand
In der Abrechnungswoche bis zum 25. Februar verkauften die EU-Länder insgesamt 932.000 t (Lizenzen) Weizen in Drittländer. Das sind nochmals 176.000 t oder 23 % mehr als in der letzten ebenfalls schon sehr guten Woche (756.000 t) und zudem die größte Ausfuhrmengen in diesem Wirtschaftsjahr. Insgesamt wurden in den ersten 35 Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres damit außerdem 20,2 Mio. t Weichweizen (Lizenzen) in Drittländer verkauft. Das sind rund 55 Prozent bzw. 7,1 Mio. t Weizen mehr als im bereits guten Exportjahr 2012/13 zu diesem Zeitpunkt (13,07 Mio. t).
 
Deutschland mit der größten Ausfuhrmenge
Der größte Einzelexporteur in der Woche bis zum 25. Februar war Deutschland, mit einer Ausfuhrmenge von 402.000 t (Vw.: 197.000 t). Diese Ausfuhrmenge ist doppelt so groß wie die der Franzosen. Frankreich kam mit 204.000 t (Vw.: 344.000 t) auf die zweitgrößte Ausfuhrmenge dieser Woche. Auf Position drei der größten Exporteure lag diesmal Polen mit 59.000 t (Vw: 38.000), gefolgt von Rumänien mit 27.000 t Weizen (Vw: 0) sowie Litauen mit 18.000 t (Vw.: 3.000). Über die niederländischen Exporthäfen wurden 202.000 t Weizen t (Vw: 0 t) vermarketet. Kleinere Mengen wurden diese Woche zudem aus Ungarn, Finnland, dem Vereinigten Königreich und Österreich verkauft.
 
Deutschland hat mehr als 6 Mio. t exportiert
In den ersten 35 Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres hat Frankreich bislang die größte Menge Weizen exportiert, ganz knapp vor Deutschland. Der französische Weizen-Verkauf in Drittländer erreichte bis zum 25. Februar einen Umfang von 6,2 Mio. t. Die deutschen Exporte erhöhten sich auf 6,15 Mio. t. Damit hat Deutschland den Abstand zu Frankreich weiter verkürzt. Rumänien liegt mit einer Gesamtausfuhr von bislang 1,92 Mio. t unverändert auf Position drei. Rund 2,0 Mio. t Weizen wurden zudem über die niederländischen Exporthäfen vermarktet. Etwa 1,26 Mio. t Weizen verkaufte Litauen in Drittländer, 741.000 Lettland, 536.000 t Bulgarien, 544.000 t Polen, 289.000 Ungarn und 115.000 t Österreich.
 
Europäische Exportpreise gestiegen
Die Weizenpreise haben am Binnenmarkt und an den europäischen Exporthäfen diese Woche zugelegt. Hauptgrund dürfte die anhaltend rege Nachfrage nach europäischem Weizen an Exportmärkten sein. An den norddeutschen Exporthäfen lagen die Großhandelspreise für Brotweizen am Donnerstag (27.02.) bei 202,5 Euro/t. Zum gleichen Zeitpunkt lagen die Exportpreise für Brotweizen an den deutschen Ostseehäfen (fob) zwischen 206,5 und 212,5 Euro/t. Die Exportpreise für deutschen A-Weizen (fob Ostseehafen) wurden zwischen 208,5 bis 214,5 Euro notiert. In Frankreich kostete der Weizen im Großhandel (Rouen) am Donnerstag 192 Euro/t (Vw: 190 Euro/t).
 
US-Weizen-Exporte gehen stetig zurück
In den USA sind die Weizen-Exporte weiter zurückgegangen. Vom USDA wurden in der letzten Abrechnungswoche Export-Verkäufe von nur noch 365.000 t Weizen gemeldet. Erwartet wurden von den Analysten im Vorfeld Verkäufe von 150.000 t bis 750.000 t. Damit ist die Exportmenge 13 % niedriger als in der letzten Woche (425.000 t) und noch deutlich niedriger als  vor zwei Wochen (597.000 t) Hauptabnehmer waren diese Woche die Philippinen, Thailand, Brasilien und Uruguay. Insgesamt wurden in diesem Wirtschaftsjahr 28,1 Mio. t Weizen ins Ausland verkauft und damit 5,4 Mio. t bzw. 23 % mehr wie im letzten Jahr zu diesem Zeitpunkt (22,7 Mio. t).
 
US-Weizenpreise unter Druck
Die Weizenpreise  haben in Chicago diese Woche nachgegeben und sind am Donnerstag Abend sogar wieder unter 600-Ct/Buschel-Marke (161 Euro/t) gerutscht. Zuvor waren die Preise seit Ende Januar um etwa 12 % gestiegen. Am Terminmarkt in Chicago kostete der Märzkontrakt am Mittwoch (26.02) umgerechnet knapp 161 Euro (600 Ct/bu). Der in Kansas gehandelte US-Brotweizen (HRW) beendete den Handel am Mittwoch (26.02) für den Märzkontrakt mit umgerechnet 182 Euro/t (679 Ct/bu). An den US-Exporthäfen kostete der in Chicago gehandelte Weizen der Sorte Soft Red Winter am gleichen Tag etwa 282 USD/t bzw. 206 Euro und der in Kansas gehandelte Brotweizen der Sorte Hard Red Winter kostetet rund 309 USD/t bzw. 225 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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