Login
Analyse

Export stützt europäische Weizenpreise

von , am
24.11.2014

Für den europäischen Weizenmarkt sind die rekordhohen Exportverkäufe derzeit die wichtigste Stütze der Weizenpreise.

© landpixel

Für den europäischen Weizenmarkt sind die rekordhohen Exportverkäufe derzeit die wichtigste Stütze der Weizenpreise. Demgegenüber blieben die Weizenexporte der USA auch in der letzten Woche unter den Erwartungen. Im Verlauf der letzten Woche haben die Weizenpreise in Europa deshalb leicht zugelegt, während die Preise für US-Weizen zurückgingen. Trotz des moderaten Preisanstiegs bleiben die Europäer jedoch (auch wegen des sehr schwachen Euros) wettbewerbsfähig, wie der jüngste Tender des größten Weizenimporteurs Ägypten zeigt. Dort kam das billigste Angebot erneut aus Frankreich und die Franzosen verkauften am Ende 60.000 t Weizen zum Preis von 243,74 USD/t (fob) zuzüglich 16 USD/t Frachtkosten. Der bei der Auktion ebenfalls angebotene Weizen aus Russland und der Ukraine sowie aus Rumänien war trotz der niedrigeren Transportkosten im Vergleich zu teuer.
 
Französischer (Futter)-Weizen für die USA?
Händler berichten zudem, dass derzeit sehr günstiger (und reichlich verfügbarer) Futterweizen aus Frankreich in die USA verkauft wurde und dies am US-Markt für erhebliche Unruhe sorgt. Aus Deutschland fließt indessen vor allem hochwertiger Brotweizen sowie proteinreicher Qualitätsweizen auf den Weltmarkt und erzielt vergleichsweise hohe Prämien. Am heutigen Montag (24.11) berichteten Händler zudem über den Einkauf von 345.000 t Hartweizen durch die staatliche Importagentur Saudi-Arabiens, zur Lieferung von Februar bis März, zu Preisen (cif) zwischen 276 USD/t und 292 USD/t.
 
Europäischer Export fast 1 Mio. t über Vorjahr
Bis zum 19. November haben die Europäer im laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 nach den Daten der EU-Kommission 11,5 Mio. t Weichweizen (Lizenzen) ins Ausland verkauft. Das ist eine gut 8 Prozent bzw. knapp 0,9 Mio. t größere Exportmenge als im bisherigen Rekordjahr 2013/14. Aus Deutschland wurde bisher  rund 3,0 Mio. t  Weizen in Drittländer verkauft, aus Frankreich 3,33 Mio. t, aus Rumänien 1,3 Mio. t und aus Litauen 1,1 Mio. t. Aus den USA wurden letzte Woche Netto (abzüglich der Stornierungen) 361.700 t Weizen verkauft. Das war eine 13 Prozent kleinere Verkaufsmenge als in der relativ schwachen Vorwoche (418.000 t). Die bislang ins Ausland verkaufte Weizenmenge der USA liegt bei 16,18 Mio. t und liegt 24 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahreswert von 21,81 Mio. t. Erwartet werden vom USDA dieses Wirtschaftsjahr bislang Ausfuhren von 25,2 Mio. t. {BILD:604339:jpg}
 
Weizenpreise am Terminmarkt weiter fest
Die Weizenpreise haben am europäischen Terminmarkt im Verlauf der letzten Woche leicht zugelegt und beendeten den Handel am Freitag (21.11) bei 177,75 Euro/t. Am Freitag davor (14.11) hatte der Weizen am europäischen Terminmarkt 176,50 Euro gekostet und damit 1 Euro weniger. Im Vergleich zu den Preisen vor einem Jahr (24. November 2013) kostet der Weizen am europäischen Terminmarkt derzeit rund 17 Euro bzw. 9 Prozent weniger (195 Euro). Auch für die hinteren Termine sind die Preise im Verlauf der letzten Woche leicht gestiegen. Der Märzkontrakt notierte am letzten Freitag bei 180,0 Euro und damit 0,5 Euro höher als in der Vorwoche (Vw.: 179,50) und der Maitermin ging mit 182,0 Euro aus dem Handel (Vw.: 181,75).
 
Weizenpreise am Kassamarkt etwas höher
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise letzte Woche ebenfalls leicht gestiegen. Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für November am letzten Freitag (24.11) mit 182 Euro/t und damit 2 Euro teurer als am Freitag zuvor (180 Euro). Die Preisangebote für Brotweizen zur Anlieferung im Januar lagen in Hamburg am Freitag bei 187 Euro/t (Vw: 185 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg für den November 190 Euro/t (Vw: 188) geboten und für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise bei 212 Euro (Vw: 210 Euro). Gleichzeitig wurde der Futterweizen mit 167 Euro notiert (Vw. 165 Euro). Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Freitag 175 Euro/t.
{BILD:141098:jpg} 
Preise für US-Weizen gibt etwas nach
In den USA haben die Weizenpreise in der letzten Woche nachgegeben. Am vorigen Freitag (24.11.) beendete der Dezembertermin des Chicago-Weizens (SRW) den Handel bei 162 Euro/t (547,4 Ct/bu) und damit in US-Währung 2,4 % billiger wie in der Vorwoche (560,4 Ct). Der Märzkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag umgerechnet 164 Euro/t (553,4 Ct/bu ) und damit 1,5 Euro weniger als eine Woche zuvor (165,4 Euro). Gleichzeitig kostete der in Chicago gehandelte Weizen (SRW) rund 17 % bzw. umgerechnet etwa 40 Euro weniger am 24. November 2013 (202 Euro/t). Der US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (Dezemberkontrakt) ging am Freitag (24.11) mit 179 Euro/t (604 Ct/bu) hingegen unverändert (Auswinterungsgefahr) aus dem Handel (Vw. 178 Euro).  Am heutigen Montag (10.11) bewegen sich die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel am Montag in Chicago ganz leicht im Plus.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant