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Analyse

Extreme Preissprünge beim Weizen

von , am
22.12.2014

Die Weizenpreise haben den Markt in der letzten vollen Handelswoche des Jahres 2014 durch sehr große Preissprünge verunsichert.

© landpixel
 
Die Weizenpreise haben den Markt in der letzten vollen Handelswoche des Jahres 2014 durch sehr große Preissprünge verunsichert. Zeitweise waren die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt bis auf 206 Euro gestiegen. Am Ende der Woche stand nach einer fulminanten Preisrallye und einer anschließenden Preiskorrektur immer noch ein sattes Preisplus in den Büchern der Händler. Dabei haben die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt im Wochenverlauf um 18 Euro bzw. rund 10 Prozent geschwankt und auch am Kassamarkt waren die Preissprünge relativ groß.
 
Die Hauptursache für die Preissprünge waren die geplanten bzw. kurzfristig verkündeten Exportbeschränkungen Russlands. Zusätzlich muss der Markt jedoch noch eine ganze Reihe anderer Neuigkeiten verdauen und einpreisen. Am heutigen Montag (22.12) starten die Weizenpreise am Terminmarkt in Paris erneut mit einem deutlichen Plus von rund 3,0 Euro bei 199,0 Euro und damit nur knapp unter 200 Euro.
 
Russland beschäftigt den Markt weiter
Nach derzeitigem Kenntnisstand will Russland seine Weizenexporte auf einige ausgewählte Länder beschränken. Zu diesen Ländern gehören allerdings die beiden mit Abstand wichtigsten Abnehmer von russischem Weizen Ägypten und die Türkei. Zeitgleich hatte die russische Staatseisenbahn den Transport von Weizen/Getreide zu den Exporthäfen bis auf weiteres ausgesetzt. Eine Gruppe größerer russischer und internationaler Getreidehändler (Exporteure) hatten sich zudem verständigt, keinen Weizen mehr zu exportieren, bis die Preise am russischen Binnenmarkt wieder fallen. Diese waren zuletzt immer weiter gestiegen und hatte die Inflation (Brotpreise) kräftig angeheizt.
 
Die russischen Landwirte hatte im Ergebnis der dramatischen Rubelabwertung zuletzt jedoch gar keinen Weizen mehr verkauft sondern diesen lieber eingelagert. Das bekamen sowohl die staatliche Interventionsagentur als auch die Getreidehändler am Binnenmarkt zu spüren. Insbesondere die Europäer(aber auch die Ukraine) dürften an den internationalen Exportmärkten von den russischen Lieferproblemen profitieren.
 
Ägypten kauft viel Weizen in Frankreich
Darüber hinaus wird wohl auch der Weizen der nächsten russischen Ernte 2015 den Markt wohl bald wieder beschäftigen, den der Winterweizen befindet sich nach Berichten von russischen Analysten in ausgesprochen schlechten Zustand und ist zudem starken Frösten ausgesetzt. Dieses Szenario dürfte die Preise zusätzlich stützen. Anderseits hat das USDA letzte Woche die Weizenfläche für die US-Ernte 2015 in einer ersten Prognose leicht nach unten geschätzt, allerdings sehen die US-Experten die US-Erntemenge größer als 2014 und erwarten zudem für 2015 (in den USA) rund 15 Prozent niedrigere Weizenpreise als 2014.
 
Aus Deutschland meldete das Statistische Bundesamt in der letzten Woche hingegen eine Ausweitung des Winterweizenanbaus für die Ernte 2015 von 2,8 Prozent (bärisch). Unterstützung erhielten die Preise in Europa hingegen durch den anhaltend starken Export der Europäer, der bislang weiter über den Rekordwerten aus dem Vorjahr liegt. Am Ende der letzten Woche meldeten Händler das Ägypten 300.000 t Weizen im Rahmen einer Exportausschreibung gekauft hat. Davon kamen immerhin 240.000 Weizen aus Frankreich und 60.000 t aus Russland. Mitgeboten hatten außerdem auch Rumänien und die USA die allerdings leer ausgingen.
 
Weizenpreise schwanken kräftig, neue Woche wieder fester
Die Weizenpreise haben am europäischen Terminmarkt im Verlauf der letzten Woche um 18 Euro oder 10 % geschwankt und sind zeitweise bis auf 206 Euro gestiegen. Am Ende der letzten Woche (19.12) ging der Weizen am europäischen Terminmarkt dann jedoch mit 196 Euro aus dem Handel und damit 7 Euro oder knapp 4 % teurer als in der Woche zuvor (12.12) mit 188,75 Euro/t. Im Vergleich zu den Preisen vor einem Jahr (23. Dezember 2013) kostet der Weizen am europäischen Terminmarkt derzeit noch rund 2 Euro mehr (194 Euro).
 
Für die hinteren Termine sind die Preise letzte Woche ebenfalls gestiegen. Der Märzkontrakt notierte am letzten Freitag (19.12) bei knapp 197,25 Euro und damit 7 Euro höher als in der Vorwoche (Vw.: 189,75) und der Maitermin ging mit knapp 195,75 Euro rund 6,0 Euro höher als vor einer Woche aus dem Handel (Vw.: 190,75). Am heutigen Montag (22.12) starten die Weizenpreise am Terminmarkt in Paris erneut mit einem deutlichen Plus von rund 3,0 Euro bei 199,0 Euro.
 
Kassapreise jetzt höher als 2013
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise letzte Woche kräftig gestiegen (haben dann am Ende der Woche jedoch etwas von den Gewinnen abgegeben. Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für Januar am letzten Freitag (19.12) mit 205 Euro/t und damit 7 Euro teurer als am Freitag zuvor (198 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg für den Januar 215 Euro/t (Vw: 208) und damit 7 Euro mehr geboten. Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise bei 227 Euro (Vw: 220 Euro) und damit 7 Euro höher als vor einer Woche.
 
Gleichzeitig wurde der Futterweizen unverändert mit 185 Euro notiert (Vw. 185 Euro). Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Freitag 190 Euro/t (Vw: 185). Die Preise für A- und E-Weizen liegen an den deutschen Exporthäfen derzeit 5 bis 10 Euro höher als im letzten Jahr und Brotweizen eben so teuer wie 2013. Futterweizen wird derzeit 20 Euro billiger gehandelt als im Dezember 2013.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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