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Analyse

Frankreich exportiert mehr Weizen, Deutschland weniger

von , am
16.10.2015

Die Weizenexporte (Lizenzen) aus der Europäischen Union in Drittländer sind bis Mitte Oktober weiterhin deutlich kleiner als im vorigen Wirtschaftsjahr.

© landpixel
 
Die Weizenexporte (Lizenzen) aus der Europäischen Union in Drittländer sind bis Mitte Oktober weiterhin deutlich kleiner als im vorigen Wirtschaftsjahr. Allerdings gilt dies nicht für alle Länder der Europäischen Union gleichermaßen. Während Frankreich und die baltischen Länder mehr Weizen auf den Weltmarkt verkaufen als im vorigen Jahr, haben Deutschland und Rumänien bisher deutlich weniger Weizen in Drittländer verkauft als 2014.
 
Das dürfte vor allem auch an der im Vergleich zum vorigen Jahr schwächeren globalen Nachfrage nach Qualitätsweizen liegen. Das lassen jedenfalls die im Vergleich deutlich niedrigeren Prämien für Spitzenqualitäten an den deutschen Exporthäfen schließen. Hinzu kommt die riesige und qualitativ gute Weichweizenernte in Frankreich, die für scharfe Konkurrenz auch unter den europäischen Exporteuren sorgt.
 
In den ersten 15 Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres 2015/16 bis zum 13. Oktober wurden nach den Angaben der EU-Kommission etwa 6,2 Mio. t Weichweizen ins Ausland verkauft. Das ist eine rund 17 % bzw. 1,3 Mio. t kleinere Exportmenge als im bisherigen Rekordjahr 2014/15 als zum gleichen Termin bereits knapp 7,5 Mio. t Weizen in Drittländer verkauft waren.
 
Frankreichs Exporte sind höher als 2014
Größter Einzelexporteur der europäischen Union im aktuellen Wirtschaftsjahr ist Frankreich, mit einer Ausfuhrmenge (Lizenzen) von insgesamt 2,13 Mio. t. Das ist weiterhin eine etwas größere Exportmenge wie zum gleichen Termin im vorigen Jahr als 1,99 t Weizen über die französischen Exporthäfen in Drittländer verkauft worden waren.
 
Die französische Agrarbehörde FranceAgrimer hat die Erwartungen an Frankreich Weizenausfuhren im aktuellen Wirtschaftsjahr 2015/16 diese Woche noch weiter nach oben gesetzt. Die Franzosen gehen jetzt von Weichweizenexporten von 19,2 Mio. t aus, nachdem man von vier Wochen noch 18,8 Mio. t erwartet hatte und es im Rekordjahr 2014/15 knapp 19,4 Mio. t waren. Von den 19,2 Mio. t sollen 7,6 Mio. t (38 %) am europäischen Binnenmarkt abgesetzt werden und 11,6 Mio. t in Drittländer verkauft werden.
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Deutsche Exporte rund 50 % kleiner als 2014
Deutlich weniger Weizen als 2014 konnten deutsche Exporteure bislang in Drittländer verkaufen. Dabei ist der Abstand der deutschen Exportverkäufe zum Vorjahr in den letzten Wochen nicht kleiner geworden. Trotz der im Vergleich zum Vorjahr deutlich kleineren Exportmenge kommt Deutschland mit Ausfuhren von 1,25 t Weichweizen dennoch auf die zweitgrößte europäische Exportmenge in diesem Wirtschaftsjahr. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 hatte man (bei einem sehr knappen globalen Angebot an Qualitätsweizen) zum gleichen Termin die Rekordmenge von 1,88 Mio. t Weizen in Drittländer verkauft und damit 636.000 t bzw. 51 % mehr als in diesem Jahr.
 
Rumänische Exporte halbiert
Deutlich kleinere Exportmengen als im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 meldet man in diesem Wirtschaftsjahr auch aus Rumänien. Trotz des Rückgangs der Exporte liegt der Schwarzmeer-Anrainer Rumänien (Export-Hafen Constanta) auf Position drei der größten europäischen Exporteure mit Ausfuhren von 517.754 t Weizen. Im vorigen Jahr war die rumänische Ausfuhrmenge zu diesem Zeitpunkt mit 1,09 t etwa doppelt so hoch.
 
Weniger Exporte aus Polen, Ungarn und Bulgarien
Über die großen niederländischen Exporthäfen wurden bislang 417.726 t Weizen in Drittländer verkauft (Vj: 545.907) und damit 24 % weniger als 2014. Aus Bulgarien gingen bis Mitte Oktober nur 85.2921 t Weizen auf den Weltmarkt (Vj: 299.480 t) und damit rund 70 % weniger als 2014, aus Polen wurden im gleichen Zeitraum 203.061 t Weizen verkauft (Vj. 319.082) und damit 26 % bzw. 116.021 t weniger. Kleiner als im vorigen Jahr sind mit 74.225 t (V: 103.001 t) bislang die Exporte aus Ungarn und auch Österreich exportiere mit 15.861 t (Vj: 57.059) deutlich weniger Weizen als 2014.
 
Deutlich mehr Exporte aus dem Baltikum
Rund 25 % mehr Weizen als 2014 wurden in diesem Wirtschaftsjahr hingegen aus Litauen mit 951.165 t (Vj: 758.621) in Drittländer vermarktet. Damit ist Litauen zum drittgrößten Exporteur nach Deutschland aufgestiegen. Lettland verkaufte mit 336.812 t (Vj: 153.882) ebenfalls deutlich mehr Weizen auf den Weltmarkt als im Wirtschaftsjahr 2014/15. Aus Schweden wurden mit 152.930 (Vj. 160.89 t) eine ähnlich große Menge Weizen exportiert.
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Weizenpreise höher als im September und höher als 2014
Am Kassamarkt haben die Weizenpreise zum Ende der Woche wieder etwas nachgegeben. In den letzten vier Wochen sind die Preise jedoch gestiegen und zudem sind die Preise derzeit deutlich höher als im vorigen Jahr.
 
Am Donnerstag (15.10) handelte man Brotweizen mit 12 % Protein am deutschen Exporthafen in Hamburg mit 177 Euro/t. Das waren 10 Euro mehr als vor vier Wochen Mitte Septmeber (167 Euro). Vor einem Jahr (Oktober 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg zu diesem Termin etwa bei etwa 165 Euro und waren damit rund 12 Euro niedriger als im Oktober 2015.
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am Donnerstag (15.10) 183 Euro/t geboten und damit 10 Euro mehr als vor vier Wochen Mitte September (173 Euro). Vor einem Jahr (Oktober 2014) handelte man A-Weizen in Hamburg zu diesem Termin etwa mit 171 Euro und damit zu 12 Euro niedrigeren Preisen als im Oktober 2015.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise in Hamburg am Donnerstag (15.10) bei 192 Euro und damit ebenfalls rund 10 Euro höher als vor vier Wochen Mitte September (182 Euro). Vor einem Jahr (Oktober 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei etwa 201 Euro und waren damit (anders als bei Brot- und A-Weizen) 9 Euro höher als die aktuellen Preise.
 
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde der Brotweizen mit 11 % Protein, am wichtigsten Handelsplatz in Rouen, am vorigen Donnerstag (15.10) mit 166 Euro je t gehandelt und damit 16 Euro höher als höher als vor vier Wochen Mitte September (150 Euro). Vor einem Jahr (Oktober 2014) lagen die Preise Brotweizen in Rouen bei etwa 160 Euro und waren damit 6 Euro niedriger als die aktuellen Preise.
 
Dr. Olaf Zinke
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