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Analyse

Frankreich: Trotz Rekordernte weniger Weizenexporte

von , am
11.09.2015

Trotz einer Rekordernte könnten die französischen Weizenexporte zurückgehen.

© Stefan Rampfel/landpixel
 
Trotz einer Rekordernte könnten die französischen Weizenexporte zurückgehen, erwartet das französische Landwirtschaftsamt FranceAgrimer in seinem aktuellen Marktbericht. Dabei wurde sowohl die erwartete Ausfuhrmenge in Drittländer als auch der Export in andere EU-Staaten nach unten korrigiert. Zudem ist der durchschnittliche Eiweißgehalt der neuen Weizenernte noch etwas schwächer als im bereits sehr schwachen vorigen Jahr.
 
Fallzahlen und spezifische Gewichte sind im Unterschied zu 2014 jedoch sehr hoch (gut). Die Weizenpreise sind am wichtigsten französischen Handelsplatz in Rouen zuletzt sehr kräftig gefallen und waren auch niedriger als die Preise in Deutschland. Frankreichs Weizenernte wird von France Agrimer auf 40,7 Mio. t veranschlagt und damit noch etwas größer als zuletzt erwartet wurde und wäre die erste französische Weizenernte über 40,0 Mio. t. Im Vergleich zur bereits großen Vorjahresernte von 37,5 Mio. t, wäre die aktuelle Ernte 8,6 % größer.
 
Trotz größerer Ernte weniger Exporte
France Agrimer veranschlagt die möglichen Gesamtexporte (EU und Drittländer) von Weichweizen im Wirtschaftsjahr 2015/16 auf 18,79 Mio. t. Im vorigen Wirtschaftsjahr hatten die Franzosen allerdings die bisherige Rekordmenge von 19,4 Mio. t exportiert. Für das neue Wirtschaftsjahr wäre dass ein Rückgang um 3,3 % bzw. 0,6 Mio. t. Die französische Ausfuhr in Drittländer sollen (trotz der harten Konkurrenz der Schwarzmeerländer) nur relativ moderat von 11,4 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr auf 11,0 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2015/16 zurückgehen. Das wäre lediglich ein Rückgang um 3,2 % oder 0,4 Mio. t.
 
Gleichzeitig sollen die Ausfuhren in andere EU-Länder von 7,94 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr auf 7,68 Mio. t schrumpfen. Frankreich ist der größte Weizenexporteur der EU und war mit seiner Gesamtausfuhrmenge von 19,4 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr, nach Kanada (24,8 Mio. t) und den USA (22,7 Mio. t) und Russland (22,7 Mio. T) und noch vor und Australien (16,6 Mio. T) , die Nummer vier unter den größten globalen Weizen-Exporteuren.
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Niedrigester Eiweißgehalt seit 14 Jahren
France Agrimer gibt den durchschnittlichen Eiweißgehalt der französischen Ernte mit 11,0 % an und nach 11,1 % im Jahr 2014 und 11,2 % im Jahr 2013. Das wäre der niedrigste Protein-Wert seit dem Jahr 2001 als der durchschnittliche Eiweißgehalt nur bei 10,8 % lag. Nach der aktuellen Auswertung von FranceAgrimer erreicht nur 4 % der französischen Weizenernte einen Eiweißgehalt von 12 % und mehr. Bezogen auf die Erntemenge von 40,7 Mio. t wären das etwa 1,6 Mio. t. Rund 8 % des Weizens (3,3 Mio. t) erreichen Eiweißgehalte zwischen 11,5 und 12 % und 37 % der Weizenernte (15 Mio. t) erreichen Werte von 11,0 bis 11,5 %.
 
Mit Eiweißwerten zwischen 10,5 % und 11,0 % wurde etwa 35,0 % des Weizens (14,2 Mio. t) geerntet und 16 % des Weizens hat Eiweißgehalte von weniger als 10,5 %. Damit erfüllt ein beträchtlicher Teil der neuen Ernte hinsichtlich des Eiweißgehalts nicht die Anforderungen der großen Importeure. Ägypten fordert beispielsweise für seine Weizenimporte Eiweißgehalte von 11,0 % bis 11,5 %. Algerien verlangt einen Mindest-Proteingehalt von 11,0 %.
 
Hohe Fallzahlen und Spezifische Gewichte
Allerdings erreichen 95 % der französischen Ernte eine Fallzahl (Hagenberg) von mehr als 240 Sekunden und 3 % von 220 bis 240 Sekunden und damit Backqualität. Im letzten Jahr erreichte nur 46 % der französischen Weizenernte eine Fallzahl von über 220 (Backqualität). Das durchschnittliche spezifische Gewicht der neuen Weizenernte wird von FranceAgrimer wird 79,3 kg pro Hektoliter angegeben, nach 76,3 kg im vorigen Jahr (2014) und 77,6 kg vor zwei Jahren (2013). Das wäre für 2015 der beste Hekoliterwert seit 19 Jahren.
 
Algerien fordert für seine Weizenimporte Fallzahlen zwischen 230 und 240 sowie ein spezifisches Gewicht von 77 kg berichtet FranceAgrimer. Der Verbrauch von Futterweizen steigt nach der aktuellen Bilanz auf 5,1 Mio. t von 4,4 Mio. t im vorigen Jahr und damit auf den höchsten Wert seit dem Jahr 2009. Die Endbestände werden wegen des höheren Inlandverbrauchs zwischen 2,4 Mio. t und 2,5 erwartet nach 2,5 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr
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Weizenpreise deutlich niedriger als 2014
Der aktuelle Weizenpreis am wichtigsten französischen Umschlagplatz in Rouen lag am Donnerstag (10.09.) für Weizen mit 11 % Protein, einer Fallzahl von 220 und einem Hektolitergewicht von 76 kg, bei 151 Euro und damit 13 Euro niedriger als vor einem Jahr (164 Euro). (Vorige Woche waren die Preise in Rouen sogar bis auf 149 Euro gefallen). Gleichzeitig wurde der Weizen am europäischen Terminmarkt in Paris am Donnerstag für den auslaufenden Septemberkontrakt mit 150 Euro gehandelt und damit etwa 15 Euro niedriger als vor einem Jahr (165 Euro). Der nachfolgende Dezembertermin kostete allerdings rund 169 Euro und damit 19 Euro mehr als der Septemberkontrakt und der März wurde sogar bei 176,0 Euro notiert.
 
Am deutschen Kassamarkt haben die Weizenpreise nach kurzer Zwischenerholung diese Woche ebenfalls wieder nachgegeben. Am Donnerstag (10.09) handelte man Brotweizen mit 12 % Protein am deutschen Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 169 Euro/t. Das war eben so viel wie zum Beginn der Woche (169 Euro). Vor einem Jahr (September 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg zu diesem Termin bei etwa 180 Euro und waren damit rund 11 Euro höher. Bis Ende September 2014 sind die Weizenpreise im vorigen Jahr jedoch bis auf etwa 160 Euro gefallen und dann jedoch bis zum Jahresende auf rund 210 Euro gestiegen.
 
Dr. Olaf Zinke
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