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Analyse

Globaler Weizenmarkt ist reichlich versorgt

von , am
15.05.2015

Die erste Schätzung des USDA zur Weizenernte 2015 und zur Situation am Weizenmarkt im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 war noch deutlich bärischer als viele Analysten zuvor erwartet hatten.

© Mafied/aboutpixel.de
 
Die erste Schätzung des USDA zur Weizenernte 2015 und zur Situation am Weizenmarkt im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 war noch deutlich bärischer als viele Analysten zuvor erwartet hatten. Natürlich kann sich an dieser Einschätzung bis zur Ernte noch einiges ändern, wie die jüngste Preisrallye am Weizenmarkt zeigt. Dennoch markieren die Markteinschätzungen des USDA bis zur nächsten Einschätzung im Juni zunächst einmal die wichtigsten fundamentalen Eckdaten am Weizenmarkt du sind sozusagen die Grundlage für die weitere Markt und Preisentwicklung. Für die Europäer wird zudem neben der erneut sehr große eingeschätzten Ernte vor allem auch die weitere Entwicklung des Euros zum Dollar und damit der Wettbewerbsfähigkeit an den Exportmärkten entscheidend für die Entwicklung der Weizenpreise sein. Insgesamt erwartet das USDA für 2015/16 nicht nur die zweitgrößte globale Weizenernte überhaupt sondern die Produktion übersteigt erneut den Verbrauch und die Endbestände wachsen auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2001.
 
Produktion deckt den Verbrauch, große Bestände
Die erste Schätzung des USDA in diesem Jahr zur neuen Weizenernte 2015/16 liegt bei 719 Mio. t Im Vergleich zur Rekordernte von 726 Mio. t aus dem Vorjahr ist dies zwar ein Rückgang der Produktion um rund 12 Mio. t, jedoch wäre dies immer noch die zweitgrößte jemals überhaupt eingebracht Weizenernte und die dritte Ernte hintereinander über 700 Mio. t. Gleichzeitig soll der globale Verbrauch ganz leicht von 715,5 Mio. t auf 716,5 Mio. t zunehmen und kann damit durch die neue Ernte gedeckt werden (Der globale Verbrauch von Futterweizen soll um knapp 5 Mio. t auf 136 Mio. t zurückgehen.). Die Bestände nehmen deshalb von 201 Mio. t auf 203 Mio. t zu, anstelle zu schrumpfen, wie die meisten Analysten zuvor erwartet hatten. Die globale Handelsmenge geht von 161,5 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr auf 156,8 Mio. t in der nächsten Saison zurück. Insgesamt wäre die Marktversorgung im kommenden Wirtschaftsjahr jedoch noch etwas besser als bislang erwartet.
 
US-Ernte etwas größer als 2014
Die neue Weizenernte für die USA liegt nach der Prognose des USDA bei 56,8 Mio. t. (Analysten hatten zuvor 57,1 Mio. t erwartet) nach 55,1 Mio. t im letzten Jahr (2014) und 58,1 Mio. t vor zwei Jahren (2013). Die Exporte der USA wachsen vor diesem Hintergrund von 23,2 Mio. t 25,5 Mio. t . Dennoch bleiben die Europäer nach Einschätzung des USDA im neuen Wirtschaftsjahr erneut der größte globale Weizenexporteur. Allerdings wird hier vieles von der Wertentwicklung des Euro zum Dollar und der Wettbewerbsfähigkeit an den Exportmärkten abhängen.
 
Europäer bleiben größter Exporteur
Die neue  Weizenernte (Weichweizen und Durum) der Europäischen Union erwartet das USDA bei 150,3 Mio. t und damit rund 6,2 Mio. t kleiner als die Rekordernte aus dem letzten Jahr (156,4). Gleichzeitig wäre dies jedoch bislang zweitgrößte europäische Weizenernte. Der europäische Export soll im nächsten Wirtschaftsjahr von der aktuellen Rekordausfuhr von 34,5 Mio. t (!!) auf 32,5 Mio. t zurückgehen und damit etwas so hoch sein wie 2013/14 (32,0 Mio. t). Trotzdem würden die Europäer mit dieser Ausfuhrmenge deutlich vor den USA (25,5), Kanada (21,0), Russland (20,0) und Australien (18,0) liegen.
 
Russland mit ausreichend Exportweizen
Eine kleinere Ernte als im letzten Jahr (59,0 Mio. t) erwartet das USDA für 2015 mit rund 53,5 Mio. t in Russland. Die Erntefläche bei Weizen (Sommer- und Winterweizen) schätzt das USDA Mit 25,0 Mio. ha jedoch deutlich größer ein als im letzten Jahr mit nur 23,64 Mio. t und 23,4 Mio. ha vor zwei Jahren. Das Exportpotential der Russen erwarteten die USDA Analysten (nach dem Wegfall der Exportzölle) für die neue Saison 2014/15 bei 20,0 Mio. t nach geschätzten 21,5 Mio. t für das zu Ende gehende Wirtschaftsjahr und lediglich 18,5 Mio. t vor zwei Jahren. Die russischen Endbestände gehen nach dieser Prognose von 7,6 Mio. t auf 6,0 Mio. t zurück.
 
Ukraine erntet etwas weniger Weizen
In der Ukraine erwartet das USDA für 2015 eine Weizenernte von 22 Mio. t nach 24,75 Mio. t im letzten Jahr (2014) und damit einen Rückgang der Produktion von gut 10 %. Gründe für den Produktionsrückgang sind die trotz einer größeren Anbaufläche von 6,7 Mio. ha (Vj. 63 Mio. ha) erwarteten deutlich niedrigeren Erträge von 3,28 t/ha (Vj. 3,93 t/ha). Das ukrainische Exportpotential sieht das USDA derzeit bei 10,5 Mio. t nach 11,5 Mio. im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr und 9,7 Mio. t vor zwei Jahren. Für Kasachstan rechnet das USDA mit einer Erntemenge von 12,5 Mio. t nach 13,0 Mio. t im letzten Jahr (2014). Die kasachischen Exporte werden bei 6,0 Mio. t nach ebenfalls 6,0 Mio. t in der noch laufenden Saison erwartet.
 
Kanadas Produktion relativ stabil, weniger Exporte
Ähnlich groß wie im letzten Jahr ist derzeit die Produktionserwartung für Kanada. Die Kandier sollen nach der guten Ernte im letzten Jahr von 29,3 Mio. t trotz einer Anbauausweitung (von 9,46 Mio. ha auf 9,6 Mio. ha) 29,0 Mio. t Weizen ernten (Aussaat läuft noch, liegt aber wie im Norden der USA deutlich über dem Tempo der Vorjahre). Die Exporte der Kanadier schrumpfen im kommende Wirtschaftsjahr wegen der schrumpfenden Lagerbestände von 24 Mio. t auf nur noch 21,0 Mio. t. Dennoch wäre Kanada damit der drittgrößte Exporteur noch vor Russland. Für Australien liegt die neuen Ernteschätzung auf Basis der bisherigen Witterungsverhältnisse (Aussaat Mai/Juni) bei 26,0 Mio. t nach 24,0 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr, wobei die Exporte von 17,5 Mio. t auf 18,0 Mio. t leicht zulegen sollen.
 
Ägypten mit stabilen Importen, China mit Rekordernte
Indiens Ernte erwartet das USDA wegen der widrigen Witterungs-Bedingungen in diesem Jahr nur bei 90,0 Mio. t, nacheiner Rekordernte von 95,9 Mio. t im Vorjahr und 93,5 Mio. t vor zwei Jahren wäre dies die kleinste Weizenernte seit 2011. Etwas mehr Weizen als im letzten Jahr soll mit 6,5 Mio. t (Vj. 6,0 Mio. t) zudem Brasilien ernten. Dennoch bleiben die brasilianischen Weizenimporte mit 6,5 in etwa stabil. Die Importmenge des weltweit größten Importeurs Ägypten erwartet das USDA bei 11,3 Mio. t nach 11,1 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr. Für China liegt die derzeitige Ernteprognose auf Rekordniveau 130 Mio. t nach 126,1 Mio. t im letzten Jahr. Damit wachsen die chinesischen Lagerbestände um 7,6 Mio. t auf den Rekordwert von 71,6 Mio. t bzw. ein Drittel der globalen Weizenbestände.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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