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Analyse

Größere Weizenernten in Russland und Europa erwartet

von , am
29.05.2015

Ende Mai schätzt der Internationale Getreiderat (IGC) die neue globale Weizenernte deutlich nach oben.

© Mafied/aboutpixel.de
 
Ende Mai schätzt der Internationale Getreiderat (IGC) die neue globale Weizenernte deutlich nach oben und liegt mit seiner Prognose jetzt in etwa auf dem gleichem Niveau wie das USDA mit seiner Maischätzung. Ursache für die kräftige Aufwärtskorrektur der globalen Erntemenge sind die zum Teil kräftig nach oben korrigierten Ernteerwartungen für die Weizenernte in Russland, in der Europäischen Union, in der Ukraine und vor allem in China. Nach unten korrigiert hat der IGC wegen der witterungsbedingten Probleme hingegen die Ernteerwartungen für die USA und für Indien.
 
Per Saldo wächst die globale Weizenernte dennoch um rund 10 Mio. t und wäre nach Einschätzung des IGC damit die zweitgrößte bislang eingebrachte Ernte nach der Rekordernte aus dem Vorjahr. Zwar nimmt auch der Verbrauch kräftig auf einen neuen Rekordwert zu, jedoch verharren die globalen Bestände wegen der großen Ernte auf dem hohen Niveau aus dem aktuellen Wirtschaftsjahres. Die europäischen Weizenpreise sind am Terminmarkt  (in Euro) derzeit 7 % niedriger als vor einem Jahr und liegen auf einem ähnlichen Niveau wie vor vier Wochen Ende April. Die internationalen Exportpreise sind nach den Daten des IGC (in USD) derzeit jedoch 27 % niedriger als vor einem Jahr. 
 
Globale Ernte deutlich nach oben gesetztm China mit Rekord
Nach Einschätzung des IGC wird die neue globale Weizenernte 2015/16 eine Größenordnung von 715,1 Mio. t erreichen. Damit liegt die Produktionserwartung des IGC nur noch 6,3 Mio. t unter dem Rekordergebnis aus dem Vorjahr und wäre die bislang zweitgrößte globale Weizenernte nach 2014/15 (721,4 Mio. t) und noch vor der Ernte 2013/14 (713,4 Mio. t). Im Vergleich zur Aprilprognose hat der IGC die erwartete globale Weizenernte um 10,3 Mio. t nach oben gesetzt. Ursache sind die nach oben korrigierten Ernten für Russland, für die Europäische Union, für die Ukraine und vor allem für China. Der IGC hat die chinesische Ernte jetzt um 9,0 Mio. t von 118 Mio. t auf 127 Mio. t (!!) nach oben gesetzt. Damit ist die neue Ernte sogar etwas größer als die Rekordernte aus dem letzten Jahr von 126,2 Mio. t. Das USDA ging für China zuletzt sogar von einer noch größeren Ernte von 130 Mio. t aus.
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Kleinere Ernten für Indien und die USA, Kanada stabil
Für Indien korrigierte der IGC seine Prognose weiter auf jetzt auf 91,0 Mio. t nach unten, von zuvor 94,0 Mio. t (Vj. 95,9). Auch für die USA senkte die IGC seine Ernteerwartung von 59,0 Mio. t auf 58,2 Mio. t (Vj: 55,1). Damit wäre die US-Ernte jedoch trotzdem größer als im letzten Jahr. Nach unten ging aus für Kasachstan von 14,1 Mio. t auf 13,5 Mio. t (Vj: 13,0). Unverändert bei 30,0 Mio. t (Vj. 29,3 ) blieb die Ernteschätzung für Kanada und auch für Australien blieb die Prognose mit 27 Mio. t (Vj. 23,6) stabil, lag jedoch weiterhin deutlich über dem Vorjahr.
 
Größere Ernten in Russland und der Ukraine
Deutlich nach oben gesetzt hat der IGC seine Ernteschätzungen für Russland auf 55,0 Mio. t von zuvor 51,0 Mio. t (Vj. 59,7 Mio. ). Damit liegt die aktuelle Schätzung des IGC für Russland in der Nähe der Schätzungen der meisten russischen Analysten und auch des USDA. So gingen die russische Analystenfirma SovEcon in dieser Woche von einer russischen Weizenernte von 54 Mio. t aus. Das USDA schätzte die neue russische Ernte zuletzt auf 53,5 Mio. t, geht jedoch mit insgesamt 25,0 Mio. ha (Winter- und Sommerweizen) von einer deutlich größeren Weizenfläche aus als im letzten Jahr (23,6 Mio. ha). Für die Ukraine schätzt der IGC die neue Erntemenge ebenfalls nach oben auf 21,0 Mio. t von zuvor 20,0 Mio. t (Vj. 24,8). Das USDA erwartet für die Ukraine zuletzt sogar eine Weizenernte von 22,0 Mio. t, von einer mit 6,7 Mio. ha ebenfalls größeren Fläche als im letzten Jahr (Vj: 6,3 Mio. ha).
 
Europäische Ernte wächst ebenfalls weiter
Für die Europäische Union schätzt der IGC die Weizenernte (Weich- und Hartweizen) Ende Mai ebenfalls nach oben auf jetzt 150,0 Mio. t (dav. 142,1 Mio. t Weichweizen). Im April ging man noch von 148,2 Mio. t (dav. 140,4 Mio. t Weichweizen) aus. Damit liegt die aktuelle Prognose des IGC jetzt etwa auf der Höhe der letzten Schätzung von Strategie Grains mit 142,6 Mio. t Weichweizen und etwas über Schätzung der EU-Kommission von 141,6 Mio. t Weichweizen. Das USDA hatte im Mai für die Europäischen Union mit 150,3 Mio. t (Weich- und Hartweizen) eine etwa identische Produktion wie der IGC prognostiziert. Im Vergleich zur Rekordernte aus dem Vorjahr von 156,1 Mio. t (dav. 149,0 Mio. t Weichweizen) wäre die jetzt erwartete bislang zweitgrößte europäische Ernte jedoch immer noch 4,0 % oder 6,1 Mio. t kleiner.
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Produktion und Verbrauch ausgeglichen
Die globale Verbrauchsmenge schätzt der IGC auf den neuen Rekordwert von 715,1 Mio. t und damit 4,4 Mio. t größer als zur Aprilprognose (710,7) und 4,7 Mio. t größer als im aktuellen Wirtschaftsjahr mit 710,4 Mio. t. Dabei soll der globale Verbrauch von Futterweizen mit 141,1 rund 1,3 Mio. t kleiner ausfallen als im noch laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 142,4 Mio. t. Gleichzeitig würde die Produktion von Weizen den Verbrauch abdecken und die globalen Bestände blieben unverändert hoch. Der IGC erwartet im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 Endbestände von 199,6 Mio. t nach ebenfalls 199,6 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15. Das wären die größten Weizenbestände seit 2010. Das USDA ging zuletzt sogar von einem Bestandswachstum auf 203 Mio.t aus.
 
Europäer bleiben Exportweltmeister
Der IGC setzt die für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartete globale Handelsmenge mit 149,3 Mio. t (April: 149,3) an, nach einem Handelsvolumen von 153,4 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15. Dabei erwartet der IGC, dass die Europäer nach einer Rekordausfuhrmenge von 34,7 Mio. t (dav: 32,5 Mio. t Weichweizen) in diesem Wirtschaftsjahr, mit einer Weizenausfuhr von 31,6 Mio. t (dav: 29,4 Mio. t Weichweizen) im kommenden Wirtschaftsjahr 2015/16, weiterhin deutlich vor den USA (25,2 Mio. t) und  vor Kanada (22,4 Mio. t) der größte globale Weizenexporteur bleiben. Diese Erwartung stützt sich auch auf einen relativ schwachen Euro.
 
Mehr Exporte für Russlands und Ukraine
Für Russland erwartet der IGC in seinem aktuellen Report für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 nun Exporte von 21,0 Mio. t (April: 18,6 Mio. t), nach 21,7 Mio. t im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr, als die Russen im Februar Exportzölle eingeführt hatten und ihre Ausfuhren damit drosselten. In der April-Prognose war der IGC für Russland lediglich von Weizenexporten von 18,7 Mio. t ausgegangen. Für die Ukraine werden vom IGC für das nächste Wirtschaftsjahr 2015/16 Ausfuhren von 9,0 Mio. t (April: 8,0 Mio. t) erwartet, nach 11,6 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr. Für Kasachstan rechnet der IGC für 2015/16 mit Exporten von 6,5 Mio. t (April: 8,0), nach 5,6 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr. Die Exportprognose des IGC für Australien liegt im aktuellen Report bei 19,5 Mio. t (Vj. 17,0 Mio. t).
 
Abstand der Weizenpreise zum Vorjahr wird kleiner
Am europäischen Terminmarkt haben die Weizenpreise im Mai kräftig geschwankt und bewegten im Monatsverlauf zwischen knapp 171 Euro und 185 Euro/t. Kurz vor dem Monatswechsel (29. Mai) liegen die Preise bei etwa  bei 178 Euro/t. Damit sind die europäischen Weizenpreise am Terminmarkt 7 % bzw. 13 Euro niedriger als im Mai vor einem Jahr (191 Euro/t) und liegen sowohl am Terminmarkt als auch am Kassamarkt auf einem ähnlichen Niveau wie  Ende April.
Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein zum Monatswechsel durchschnittlich mit 185 Euro/t und damit 8 Euro niedriger als vor einem Jahr (193 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 195 Euro/t geboten und damit eben so viel wie vor einem Jahr (195 Euro). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 225 Euro und damit 20 Euro höher als vor einem Jahr (205 Euro). Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg mit durchschnittlich 180 Euro gehandelt und damit 11 Euro niedriger als ein Jahr zuvor (191 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
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