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Analyse

IGC: Große Weizenernte treibt Verbrauch und Export an

von , am
04.11.2014

Zum Monatswechsel hat der Internationale Getreiderat (IGC) seine Einschätzung zur globalen Weizenernte aktualisiert.

Der Internationale Getreiderat setzte sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben. © Mühlhausen/landpixel
Zum Monatswechsel hat der Internationale Getreiderat (IGC) seine Einschätzung zur globalen Weizenernte aktualisiert. Dabei wurde die globale Gesamternte ebenso auf einen neuen Rekordwert nach oben gesetzt wie der weltweite Weizenverbrauch. Deutlich nach oben korrigiert haben die IGC-Experten zudem ihre Erwartungen an den Export. In der Folge steigen die Endbestände nicht ganz so kräftig wie zunächst erwartet. Die Ursachen für die nochmals nach oben gesetzte Erntemenge beim Weizen sind weitere Aufwärtskorrekturen für die Weizenernten in der Europäischen Union und in der Ukraine sowie in geringem Umfang auch in den USA und in China. Allerdings gab es auch Abwärtskorrekturen für die Weizenernte in Australien, in Kasachstan und in Kanada. Gleichzeitig schätzt der IGC die Aussaatfläche bei Winterweizen für die Ernte 2015 auf der Nordhalbkugel rund 1 Prozent größer ein als im letzten Jahr.
 
Rekordernte in der EU ist noch größer
Nach Einschätzung des IGC wird die neue globale Weizenernte 2014/15  mit 717,6 Mio. t die bisherige Rekordernte aus dem Wirtschaftsjahr 2013/14 (712,5 Mio. t) um rund 5,1 Mio. t übertreffen. Damit liegt die Produktionserwartung des IGC  jetzt rund 3,5 Mio. t unter der Ernteschätzung des USDA. Die US-Experten erwarten eine globale Erntemenge von 721,1 Mio. t. Im Vergleich zur September-Prognose hat der IGC seine Ernteerwartung nochmals um 1,0 Mio. t nach oben gesetzt. Ursachen sind die größeren Ernten in der Europäischen Union und in der Ukraine. Die EU-Ernte wurde vom IGC im Vergleich zur September-Schätzung um 1,0 Mio. t auf den neuen Produktionsrekord von 154,1 Mio. t (Weich- und Hartweizen) angehoben und wäre damit 11,0 Mio. t größer als im letzten Jahr (143,1 Mio. t). Das USDA hat die europäische Ernte Mitte Oktober ebenfalls auf 154,0 Mio. t veranschlagt. Für China hat der IGC seine Ernte-Prognose um 0,3 auf den Rekordwert von 125,3 Mio. t (Vorjahr 121,9 Mio. t) nach oben gesetzt. Das USDA schätzt die chinesische Ernte auf 126 Mio. t.
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Mehr Weizen in der Ukraine, weniger in Australien
Unverändert auf dem sehr hohen Wert von 60,0 Mio. t ließ der IGC seine Ernteschätzung für Russland (Vj. 52,1 Mio. ). Das USDA geht für Russland von einer Produktion von 59 Mio. t aus. Für die Ukraine setzte der IGC die Ernte um 1,0 Mio. t auf 24,0 Mio. t (Vj. 22,3 Mio. t) nach oben. Für Kasachstan wurde die Produktion hingegen um 0,5 Mio. t auf 13,5 Mio. t nach unten korrigiert (Vj. 13,9 Mio. t). Das USDA hat seine Schätzung im Oktober für die Ukraine von 24,5 Mio. t auf 25,0 Mio. t nach oben gesetzt und die Prognose für Kasachstan wurde vom USDA von 13,5 Mio. t auf nur noch 12,5 Mio. t nach unten gesetzt. Für die USA hat der IGC seine Ernteschätzung ganz leicht um 0,4 Mio. t auf bei 55,4 Mio. t (Vj. 58,0 Mio. t) nach oben korrigiert. Leicht nach unten ging es mit der Weizenernte für Kanada von 28,0 Mio. t auf 27,5 Mio. t (Vj. 37,5 Mio. t). Gleichzeitig wurde die für Australien (Trockenheit) erwartete Ernte von 25,0 Mio. t auf 24,0 Mio. t nach unten angepasst wurde (Vj. 27,0 Mio. t). Das USDA ging für die USA ebenfalls von einer Weizenernte von 55,4 Mio. t aus, für Kanada von 27,5 Mio. t und für Australien von 25,0 Mio. t.
 
Verbrauch ebenfalls auf Rekordstand
Die globale Verbrauchsmenge schätzt der IGC auf den neuen Rekordwert von 710 Mio. t und damit 13 Mio. t größer als im letzten Jahr und 1,0 Mio. t größer in der September-Prognose. Dabei wurde der Verbrauch von Futterweizen im Vergleich zur letzten Schätzung leicht um 1,2 Mio. t auf 139,1 Mio. t nach unten gesetzt. Dennoch wäre dies ein Rekord und übertrifft den Vorjahreswert um etwa 7,4 Mio. t (131,7 Mio. t). Gleichzeitig nimmt der IGC die Endbestände im Vergleich zu letzten Schätzung um 1,6 Mio. t auf 192,9 Mio. t zurück. Im Vergleich zum Vorjahr (185 Mio. t) wachsen die Endbestände damit um rund 8 Mio. t und im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2012/13 sind die Endbestände sogar 23,7 Mio. t größer. Das wäre der größte Weizenbestand seit 2011. Das Verhältnis von Beständen zum Verbrauch liegt bei 27,2 Prozent.
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Europäische Exporte nach oben gesetzt
Der IGC setzt die erwartete globale Handelsmenge bei Weizen mit 149,1 Mio. t nochmals um 2,6 Mio. t nach oben, bleibt damit jedoch weiterhin deutlich niedriger als das USDA (157 Mio. t). Dabei erwartet der IGC, dass die europäischen Exporte einen Umfang von etwa 28,1 Mio. t (Sept: 26,7) erreichen, nach der Rekordausfuhrmenge von 32,8 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr. Trotz dieses Rückgangs entspricht die aktuelle Prognose der zweitgrößten jemals erreichten europäischen Ausfuhrmenge und die Europäer haben nach Meinung des IGC bereits im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 13/14 die USA als größten globalen Weizenexporteur überholt. Für die USA erwarteten die IGC-Experten dieses Wirtschaftsjahr Exporte von 25,0 Mio. t (Sept.: 24,3 Mio. t), nach 32,0 Mio. t im letzten Jahr. Das USDA hatte die Exporte für die EU in seinem Oktober-Report auf 28,0 Mio. t geschätzt und für die USA auf 25,5 Mio. t.
 
Ukraine exportiert mehr und Australien weniger
Für Russland rechnet der IGC mit Weizen-Exporten von 22,7 Mio. t (Vj. 18,7 Mio. t). Im September war der IGC von 22,5 Mio. t ausgegangen. Das USDA geht für die Russen von Weizenexporten von 22,5 Mio. t aus. Für die Ukraine wurden vom IGC für das aktuelle Wirtschaftsjahr 2014/15 Ausfuhren von 10,3 Mio. t erwartet (Vj.: 9,6) und damit 0,5 Mio. t mehr als im September (9,7). Für Kasachstan rechnet man mit Ausfuhren von 6,3 Mio. t (Vj. 8,4). Die Exportprognose des IGC für Kanada liegt im aktuellen Report bei 23,2 Mio. t (Vj. 23,5 Mio. t), während das USDA für Kanada von 22,5 Mio. t ausgeht. Für die Australien wurden die Ausfuhren vom IGC von 18,8 Mio. t auf 18,5 Mio. t gesenkt (Vj. 19,3) und für Argentinien setzte man die Exporte von 7,5 Mio. t auf 7,0 Mio. nach unten(Vj. 1,8).
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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