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Analyse

IGC: So viel Weizen gab es noch nie, Preise spiegeln Versorgungslage

von , am
01.09.2014

Ende August hat der Internationale Getreiderat (IGC) seine Prognose zur globalen Weizenernte im Vergleich zum letzten Monat nochmals kräftig auf einen neuen Rekordwert oben gesetzt

© landpixel
Ende August hat der Internationale Getreiderat (IGC) seine Prognose zur globalen Weizenernte im Vergleich zum letzten Monat nochmals kräftig auf einen neuen Rekordwert oben gesetzt. Die Ursachen für die nochmals nach oben gesetzte Erntemenge beim Weizen ist die Aufwärtskorrektur für die Weizenernten in Russland, in der Europäischen Union und in China. Gleichzeitig meldet der IGC ein sehr großes Angebot an Futterweizen bzw. an Weizen minderer Qualität und damit auch eine starke Konkurrenz zwischen Futterweizen und dem ebenfalls sehr reichlich vorhandenen Körnermais. Trotz des im Vergleich zum Vorjahr auch insgesamt kräftig steigenden Gesamt-Verbrauchs, nehmen die globalen Bestände gegenüber dem Vorjahr zu. Weltweit haben sich die derzeit erwarteten Verhältnisse in den Versorgungsbilanzen von Weizen (und Mais) bereits sehr deutlich in den Preisen niedergeschlagenen.
 
Rekordernten in der EU und in China
Nach Einschätzung des IGC wird die neue globale Weizenernte mit 713,4 Mio. t die Rekordernte aus dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr (712,5 Mio. t) um rund 1,0 Mio. t übertreffen. Gleichzeitig liegt die Produktionserwartung des IGC nur noch rund 2 Mio. t unter der Ernteschätzung des USDA, dass rund 716 Mio. t erwartet. Im Vergleich zur Juli-Prognose hat der IGC seine Ernteerwartung sehr kräftig um 11 Mio. t nach oben gesetzt. Ursachen sind die größeren Ernten in Russland, in der EU und in China. Die EU-Ernte wurde vom IGC im Vergleich zur Juli-Schätzung um knapp 4 Mio. t auf 150,8 Mio. t (Weich- und Hartweizen) nach oben gesetzt und wäre damit 7,7 Mio. t größer als im letzten Jahr (143,1 Mio. t). Das USDA hat die europäische Ernte Mitte August auf 147,9 Mio. t veranschlagt. Für China setzte der IGC seine Ernte-Prognose um 3 Mio. t auf den neuen Rekordwert von 125 Mio. t (Vorjahr 121,9 Mio. t) nach oben. Das USDA schätzt die chinesische Ernte sogar auf 126 Mio. t.
 
Schwarzmeerländer mit sehr guten Ernten
Deutlich um 5 Mio. t auf 60,0 Mio. t nach oben gesetzt hat der IGC seine Ernteschätzung für Russland (Vj. 52,1 Mio. ). Das USDA geht für Russland von einer Produktion von 59 Mio. t aus. Allerdings hat in Russland die Sommerweizen-Ernte erst begonnen und weitere Aufwärtskorrekturen sind möglich. Für die Ukraine schätzt der IGC die Ernte unverändert auf 21,5 Mio. t (Vj. 22,3 Mio. t) sowie für Kasachstan auf 14 Mio. t (Vj. 13,9 Mio. t). Für die Ukraine hielten private Analysten zuletzt auch eine Ernte von 24,0 Mio. t für möglich. Das USDA ging in seiner letzten Schätzung für die Ukraine von 22,0 Mio. t aus und für Kasachstan von 13,5 Mio. t. Für die USA nahm der IGC seine Ernteschätzung Ende August um 0,5 Mio. t auf 55 Mio. t (Vj. 58,0 Mio. t) leicht nach oben. Unverändert blieb die Produktionserwartung für Kanada mit 28,0 Mio. t (Vj. 37,5 Mio. t) sowie für Australien mit 26,5 Mio. t (Vj. 27,0 Mio. t). Das USDA ging zuletzt für die USA von einer Weizenernte von 55,2 Mio. t aus, für Kanada von 28,0 Mio. t und für Australien von 26,0 Mio. t.
 
Endbestände wachsen kräftig
Die globale Verbrauchsmenge schätzt der IGC auf den Rekordwert von 706,4 Mio. t und damit 11 Mio. t größer als im letzten Jahr und 7,4 Mio. t größer in der Juli-Prognose. Dabei wurde der Verbrauch von Futterweizen im Vergleich zur letzten Schätzung um 5 Mio. t auf 138,7 Mio. t nach oben geschraubt und ist damit knapp 8,0 Mio. t größer als im letzten Jahr (131,2 Mio. t). Gleichzeitig nehmen die Bestände von 187,5 Mio. t im zurückliegenden Jahr auf knapp 195 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr zu. Das wäre der größte Weizenbetstand seit 2011.
 
Europäer könnten Exportweltmeister werden
Der IGC setzt die erwartete globale Handelsmenge bei Weizen mit knapp 146 Mio. t weiterhin etwas niedriger an als das USDA (152 Mio. t). Dabei erwartet auch der IGC, das die Europäer Exporte von 26,7 Mio. t nach der Rekordausfuhrmenge von 32,82 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr. Die aktuelle Prognose entspricht der zweitgrößten jemals erreichten europäischen Ausfuhrmenge und die Europäer würden nach Meinung des IGC im aktuellen Wirtschaftsjahr die USA als größten globalen Weizenexporteur überholen. Für die USA erwarteten die IGC Experten dieses Wirtschaftsjahr Exporte von 24,8 Mio. t, nach 32,2 Mio. t im letzten Jahr. Das USDA hatte die Exporte für die EU zuletzt auf 25,0 Mio. t geschätzt und für die USA auf 25,5 Mio. t.
 
Schwarzmeerländer mit sehr viel Exportweizen
Für Russland rechnet der IGC in seinem aktuellen Report mit Weizen-Exporten von 22,0 Mio. t (Vj. 19,5 Mio. t). Im Juli war der IGC lediglich von 20,3 Mio. t ausgegangen. Das USDA geht für die Russen ebenfalls von Weizenexporten von 22,5 Mio. t aus. Für die Ukraine werden vom IGC für das aktuelle Wirtschaftsjahr Ausfuhren von 9,1 Mio. t erwartet (Vj.: 9,6) und für Kasachstan 6,9 Mio. t (Vj. 8,4). Die Exportprognose des IGC für Kanada liegt im aktuellen Report bei 22,5 Mio. t (Vj. 22,5 Mio. t), während das USDA von 21,0 Mio. t ausgeht. Für die Australien werden vom IGC unverändert Ausfuhren von 19,2 Mio. t erwartet (Vj. 19,3) und für Argentinien von 7,5 Mio. t (Vj. 1,8).
 
Weizen am Weltmarkt deutlich billiger als 2013
Am US-Terminmarkt in Chicago sind die Weizenpreise seit  dem letzten Preishoch im Mai um etwa 25 % bzw. umgerechnet rund 55 Euro/t  auf umgerechnet 154 Euro/t (Septemberkontrakt) gefallen. Im Sog der immer besser werdenden Ernteprognosen sind die Weizenpreise in Europa seit Mitte April ebenfalls um 18% bzw. 36 Euro/t zurückgegangen. Am Terminmarkt in Paris handelte man den Weizen für den November zum Monatswechsel mit etwa 174 Euro und damit etwa 16 Euro billiger als Ende August 2013. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Septembertermin am letzten Freitag im August (28.08) mit 184 Euro/t. Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 189 Euro/t geboten und Futterweizen wurde mit 174 Euro notiert. An den US-Exporthäfen (fob-Golf) kostete der Weizen der Sorte Soft Red Winter am letzten Freitag im August (28.08) für die Verladung im September 250 USD/t (191 Euro/t) und für den Oktober 260 USD/t (198 Euro). Brotweizen der Sorte Hard Red Winter wird für den September für 281,5 USD/t (214 Euro) verladen und für den Oktober für 298,6 USD/t (227 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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