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Analyse

IGC/Weizen: Ernteprognosen schicken Weizenpreise auf Talfahrt

von , am
26.09.2014

Ende September hat der Internationale Getreiderat (IGC) seine Prognose zur globalen Weizenernte auf einen neuen Rekordwert oben gesetzt. Die Folge war ein erneuter Preisrutsch an den Terminmärkten

Englische Landwirte holten sich dank einer perfekten Saison den Weltrekord für die Weizenernte. © Mühlhausen/landpixel
Ende September hat der Internationale Getreiderat (IGC) seine Prognose zur globalen Weizenernte ein weiteres Mal auf einen neuen Rekordwert oben gesetzt. Die Folge war ein erneuter Preisrutsch an den internationalen Terminmärkten. Die Ursachen für die nochmals nach oben gesetzte Erntemenge beim Weizen sind die Aufwärtskorrekturen für die Weizenernten in der Europäischen Union und in der Ukraine. Gleichzeitig hat der IGC auch den Anteil Futterweizen bzw. an Weizen minderer Qualität weiter nach oben gesetzt. Wegen des kräftig steigenden Gesamt-Verbrauchs bleiben die globalen Bestände gegenüber der letzten Prognose unverändert, während der Export nach oben korrigiert wurde.
 
Rekordernte in der EU ist noch größer
Nach Einschätzung des IGC wird die neue globale Weizenernte mit 716,6 Mio. t die Rekordernte aus dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr (712,5 Mio. t) um rund 4,1 Mio. t übertreffen. Gleichzeitig liegt die Produktionserwartung des IGC rund 3,4 Mio. t unter der Ernteschätzung des USDA, dass rund 720 Mio. t erwartet. Im Vergleich zur August-Prognose hat der IGC seine Ernteerwartung um weitere 3,2 Mio. t nach oben gesetzt. Ursachen sind die größeren Ernten Europäischen Union und in der Ukraine. Die EU-Ernte wurde vom IGC im Vergleich zur August-Schätzung um 2,3 Mio. t auf den neuen Produktionsrekord von 153,1 Mio. t (Weich- und Hartweizen) nach oben gesetzt und wäre damit 10,0 Mio. t größer als im letzten Jahr (143,1 Mio. t). Das USDA hat die europäische Ernte Mitte September auf 151 Mio. t veranschlagt. Für China ließ der IGC seine Ernte-Prognose unverändert auf dem neuen Rekordwert von 125 Mio. t (Vorjahr 121,9 Mio. t). Das USDA schätzt die chinesische Ernte weiterhin auf 126 Mio. t.
 
Schwarzmeerländer mit sehr guten Ernten
Unverändert auf dem sehr hohen Wert von 60,0 Mio. t ließ der IGC seine Ernteschätzung für Russland (Vj. 52,1 Mio. ). Das USDA geht für Russland von einer Produktion von 59 Mio. t aus. Für die Ukraine schätzt der IGC die Ernte relativ deutlich um 1,5 Mio. t auf 23,0 Mio. t (Vj. 22,3 Mio. t) nach oben. Für Kasachstan auf 14 Mio. t (Vj. 13,9 Mio. t).  Das USDA hat seine Schätzung im September für die Ukraine von 22,0 Mio. t auf 24,0 Mio. t nach oben gesetzt und ließ die Prognose für Kasachstan unverändert bei 13,5 Mio. t. Für die USA ließ der IGC seine Ernteschätzung unverändert bei 55 Mio. t (Vj. 58,0 Mio. t). Unverändert blieb auch die Produktionserwartung für Kanada mit 28,0 Mio. t (Vj. 37,5 Mio. t) während die erwartete Ernte für Australien von 26,5 Mio. t auf 25,0 Mio. t nach unten angepasst wurde (Vj. 27,0 Mio. t). Das USDA ging für die USA ebenfalls von einer Weizenernte von 55,2 Mio. t aus, für Kanada von 28,0 Mio. t und für Australien von 25,5 Mio. t.
 
Verbrauch wächst kräftig, sehr viel Futterweizen
Die globale Verbrauchsmenge schätzt der IGC auf den neuen Rekordwert von 709 Mio. t und damit 14 Mio. t größer als im letzten Jahr und 2,6 Mio. t größer in der August-Prognose. Dabei wurde der Verbrauch von Futterweizen im Vergleich zur letzten Schätzung nochmals um 1,6 Mio. t auf den neuen Rekordwert von 140,3 Mio. t nach oben geschraubt und ist damit etwa 10,0 Mio. t größer als im letzten Jahr (130,2 Mio. t). Gleichzeitig lässt der IGC die Endbestände mit 194,5 Mio. t im Vergleich zu letzten Schätzung unverändert. Im Vergleich zum Vorjahr (187,5 Mio. t) wachsen die Endbestände damit jedoch um rund 8 Mio. t und im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2012/13 sind die Endbestände sogar 15 Mio. t größer. Das wäre der größte Weizenbestand seit 2011. Das Verhältnis von Beständen zum Verbrauch liegt bei 27,4 Prozent.
 
Europäer exportieren am meisten Weizen
Der IGC setzt die erwartete globale Handelsmenge bei Weizen mit 146,5 Mio. t um 1,5 Mio. t nach oben bleibt damit jedoch weiterhin deutlich niedriger als das USDA (155 Mio. t). Dabei erwartet der IGC (wie im Vormonat), dass die europäischen Exporte einen Umfang von etwa 26,7 Mio. t erreichen, nach der Rekordausfuhrmenge von 32,8 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr. Trotz des Rückgangs entspricht die aktuelle Prognose der zweitgrößten jemals erreichten europäischen Ausfuhrmenge und die Europäer haben nach Meinung des IGC bereits im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 13/14 die USA als größten globalen Weizenexporteur überholt. Für die USA erwarteten die IGC Experten dieses Wirtschaftsjahr Exporte von 24,3 Mio. t (August: 24,8 Mio. t), nach 32,2 Mio. t im letzten Jahr. Das USDA hatte die Exporte für die EU in seinem September-Report auf 26,0 Mio. t geschätzt und für die USA auf 25,0 Mio. t.
 
Schwarzmeerländer mit sehr hohem Exportpotential
Für Russland rechnet der IGC mit Weizen-Exporten von 22,5 Mio. t (Vj. 18,7 Mio. t). Im August war der IGC von 22,0 Mio. t ausgegangen. Das USDA geht für die Russen ebenfalls von Weizenexporten von 22,5 Mio. t aus. Für die Ukraine wurden vom IGC für das aktuelle Wirtschaftsjahr 2014/15 Ausfuhren von 9,7 Mio. t erwartet (Vj.: 9,6) und damit etwas mehr als im August (9,1). Für Kasachstan rechnet man mit Ausfuhren von 6,9 Mio. t (Vj. 8,4). Die Exportprognose des IGC für Kanada liegt im aktuellen Report bei 22,9 Mio. t (Vj. 23,6 Mio. t), während das USDA von 22,0 Mio. t ausgeht. Für die Australien wurden die Ausfuhren vom IGC von 19,2 Mio. t auf 18,8 Mio. t gesenkt (Vj. 19,3) und für Argentinien blieb man bei 7,5 Mio. t (Vj. 1,8).
 
Weizenpreise fallen immer weiter
Am US-Terminmarkt in Chicago sind die Weizenpreise nach den neuen IGC-Daten erneut unter Druck geraten. In den USA rutschte der Novemberkontrakt um 1,3 % auf 136,6 Euro/t (474 Ct/ Bu) und damit einen neuen Tiefstand nach unten. In Europa fielen die Preise ebenfalls um 1,3 % auf die letzten Tiefstände zurück. Am Terminmarkt in Paris handelte man den Weizen für den November am Donnerstag (25.09) mit gut 150 Euro/t und damit 24 Euro billiger als Ende August mit etwa 174 Euro und sogar 40 Euro billiger als im September (2013) vor einem Jahr  (190 Euro). Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Septembertermin am Donnerstag (25.09) mit 163 Euro und damit 21 Euro billiger als vor vier Wochen (184 Euro/t). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 168 Euro geboten und damit ebenfalls 21 Euro weniger als vor vier Wochen (189 Euro/t ) und Futterweizen wurde mit 154 Euro notiert und damit 20 Euro unter dem Preis von Ende August (174 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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