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Analyse

IGC/Weizen: Weizenernte größer, Bilanz besser, Preise niedriger

von , am
27.06.2014

Am US-Terminmarkt in Chicago sind die Weizenpreise seit Anfang Mai um 22 % gefallen und in Europa um 15%.

© landpixel

 
Ende Juni hat der Internationale Getreiderat (IGC) seine Erwartungen an die neue globale Weizenernte im Vergleich zum letzten Monat nach oben korrigiert. Dennoch bleibt die neue IGC-Schätzung etwas unter der Prognose des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA). Ursache für die größer erwartete Erntemenge ist die Aufwärtskorrektur für die Weizenernten in der EU und in China. An den erwarteten Ernten in Russland und in der Ukraine hat der IGC nichts geändert. Trotz des im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Verbrauchs, fällt die globale Bilanz beim Weizen nach Einschätzung des IGC (anders als noch im Mai erwartet) positiv aus. Gleichwohl nehmen die globalen Bestände nur sehr moderat zu. Am US-Terminmarkt in Chicago sind die Weizenpreise seit Anfang Mai um 22 % gefallen und in Europa um 15%.
 
Größere Ernte in der EU und in China
Nach Einschätzung des IGC wird die neue globale Weizenernte mit 699,3 Mio. t im Vergleich zum zurückliegenden Wirtschaftsjahr (710 Mio. t) rund 11 Mio. t kleiner ausfallen. Damit bleibt die Produktionserwartung des IGC rund 3 Mio. t unter der Ernteschätzung des USDA, dass knapp 702 Mio. t erwartet. Im Vergleich zur Maiprognose hat der IGC seine Ernteerwartung um 5 Mio. t nach oben gesetzt. Ursachen sind die größeren Ernte der EU und in China. Die EU-Ernte wurde vom IGC im Vergleich zur Maischätzung um knapp 2 Mio. t auf 146,8 Mio. t (Weich- und Hartweizen) nach oben gesetzt und wäre damit 4,6 Mio. t größer als im letzten Jahr (142,2 Mio. t). Das USDA hat die europäische Ernte im Juni auf 147,3 Mio. t veranschlagt. Für China setzte de IGC seine Ernte-Prognose um 2 Mio. t auf 122 Mio. t (Vorjahr 120 Mio. t) nach oben. Das USDA schätzt die chinesische Ernte sogar auf 124 Mio. t.
 
Schwarzmeerländer mit guten Ernten
Unverändert gelassen hat der IGC seine Ernteschätzungen für Russland mit 51 Mio. t (Vj. 52,1 Mio. ), die Ukraine mit 20 Mio. t (Vj. 22,3 Mio. t) sowie für Kasachstan mit 15 Mio. t (Vj. 13,9 Mio. t) und blieb damit mit der Prognose für Russland etwas unter der letzten Schätzung des USDA von 53 Mio. t. Gleichzeitig stimmt der IGC mit seiner aktuellen Schätzung für die Ukraine sowie für Kasachstan gut mit der USDA-Prognose überein. Für die USA bleibt die Ernteschätzung des IGC Ende Juni mit 55 Mio. t (Vj. 58,0 Mio. t) ebenso unverändert wie für Kanada mit 29,0 Mio. t (Vj. 37,5 Mio. t) mit und für Australien mit 25,5 Mio. t (Vj. 27,0 Mio. t) . Das USDA ging zuletzt für die USA nur von einer Weizenernte von 53 Mio. t aus, für Kanada von 28,5 Mio. t und für Australien von 25,5 Mio. t.
 
Endbestände wachsen nur moderat
Die globale Verbrauchsmenge schätzt der IGC auf 697,7 Mio. t und damit 7,1 Mio. t größer als im letzten Jahr und etwas kleiner in der Mai-Prognose. Dabei wurde der Verbrauch von Futterweizen im Vergleich zur letzten Schätzung um 2 Mio. t auf 132 Mio. t gesenkt, bleibt aber immer noch rund 2 Mio. t größer als im letzten Jahr (130,1 Mio. t). Gleichzeitig nehmen die Bestände von 191,7 Mio. t im zurückliegenden Jahr auf 194 Mio. t im kommenden Wirtschaftsjahr zu und schrumpfen damit nicht etwa wie noch in der Mai-Prognose des IGC erwartet wurde.
 
Europäer überholen die USA als TOP-Exporteur
Der IGC setzt die erwartete globale Handelsmenge mit 144 Mio. t weiterhin im Vergleich zum USDA (152 Mio. t) deutlich niedriger an. Ursache für diese relativ große Differenz sind vor allem die unter den Erwartungen des USDA bleibenden Weizenexporte für Russland und in etwas geringerem Umfang auch für die EU und für die Ukraine. Allerdings erwartet auch der IGC, das die Europäer nach einer Rekordausfuhrmenge von 32,2 Mio. t in diesem Wirtschaftsjahr, mit einer Weizenausfuhr von 27,3 Mio. t im nächsten Jahr, die USA als größten Weizenexporteur überholen werden. Außerdem liegen die für das aktuelle Wirtschaftsjahr angesetzten europäischen Ausfuhren (32,2 Mio. t) bereits geringfügig über den vom IGC erwarteten US-Exporten von 32,0 Mio. t. Im nächsten Jahr sollen die USA nur noch auf Exporte von 26,5 Mio. t kommen und damit unter der EU-Ausfuhrmenge bleiben.
 
Unterschiedliche Erwartung zu Russlands Exporten
Für Russland erwartet der IGC in seinem aktuellen Report Weizen-Exporte von 17,2 Mio. t. Im Mai war der IGC sogar nur von 16,5 Mio. t ausgegangen. Das USDA geht für die Russen hingegen von Weizenexporten von 19,5 Mio. t aus. Für die Ukraine werden vom IGC für das nächste Wirtschaftsjahr Ausfuhren von 8,2 Mio. t erwartet (USDA: 8,5) und für Kasachstan 7,2 Mio. t (USDA 7,0). Die Exportprognose des IGC für Kanada liegt im aktuellen Report bei 22,0 Mio. t (Vj. 21,8 Mio. t), während das USDA von 21,0 Mio. t ausgeht. Für die Australien werden vom IGC unverändert Ausfuhren von 19,0 Mio. t erwartet (USDA: 19,0) und für Argentinien von 7,5 Mio. t (USDA: 6,5).
 
Weizenpreise sind weiter gefallen
Am US-Terminmarkt in Chicago sind die Weizenpreise seit Anfang Mai um 22 % bzw. umgerechnet rund 43 Euro/t gefallen. Im Sog des Preisrückgangs in den USA und der immer besser werdenden Ernteprognosen für die EU sind die Weizenpreise in Europa seit Mitte April ebenfalls um 15% bzw. mehr als 30 Euro/t zurückgegangen. Damit befinden sich die Weizenpreise in der EU auf dem tiefsten Stand seit der Ernte 2013. Am Terminmarkt in Paris rutschte der Preis für die neue Ernte zuletzt unter die Marke von 188 Euro. Am Großmarkt in Hamburg wurde Brotweizen der alten Ernte kurz vor dem Monatswechsel für 193 Euro/t gehandelt. Weizen der neuen Ernte wurde in Hamburg für 190 Euro/t notiert. In den USA kostete der in Chicago gehandelte Weizen (SRW) für den Julitermin (neue Ernte) 157 Euro/t ( 582,2 Ct/bu) und der in Kansas gehandelte US-Brotweizen (HRW) wurde für 195 Euro (721 Ct/bu) notiert.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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