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Analyse

Kälteeinbruch in den USA stützt Weizenpreise

von , am
06.01.2014

Mit Preisaufschlägen für Weizen startet der elektronische vorbörsliche Handel an den Terminmärkten in Übersee in die erste volle Handelswoche des neuen Jahres.

© landpixel
 
Mit Preisaufschlägen für Weizen startet der elektronische vorbörsliche Handel an den Terminmärkten in Übersee in die erste volle Handelswoche des neuen Jahres. Dies dürfte erst einmal auch die Kurse in Europa stützen. Grund für den Preisanstieg ist der extreme Kälteeinbruch in großen Teilen der USA, der nicht nur die Hauptanbaugebiete von Winterweizen betrifft sondern weit in Süden bis nach Texas und Florida reicht. Zwar ist vielen Regionen eine Schneedecke vorhanden, jedoch sind die Temperaturen teilweise deutlich unter Minus 20 Grad Celsius gefallen. Am ersten Handelstag nach dem Jahreswechsel waren die Weizenpreise in den USA allerdings auf den tiefsten Stand seit knapp 20 Monaten gerutscht und hatten sich erst mit der extremen Kältewelle erholt.
 
Kälteeinbruch bewirkt Kurserholung
Die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago waren am ersten Handelstag im neuen Jahr (02. Januar) in der letzten Woche zunächst unter die psychologisch und technisch wichtige Marke von 600 Ct/bu auf nur noch 597 Ct/Buschel gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit knapp 20 Monaten (Mai 2011). Hauptgrund für den Preisdruck war das gewaltige Angebot an sehr preiswertem Weizen vom nördlichen Nachbarn Kanada, mit dem der US-Weizen sowohl am Binnenmarkt als auch im Export konkurrieren muss. Die  extreme Kältewelle in den USA hat die Weizenpreise dann jedoch gestützt, denn immer mehr Analysten befürchten trotz einer Schneedecke in den Hauptanbaugebieten, wegen der extrem niedrigen Temperaturen von teilweise unter Minus 20 Grad Celsius, größere Frostschäden an den Weizen-Beständen.
 
US-Preise trotz Erholung weiter sehr niedrig
Am Freitag (03.01) erholten sich die Weizenpreise in Chicago (SRW) für den aktuellen Märzkontrakt aufgrund der befürchteten Frostschäden um rund 1,5 % auf umgerechnet 163,6 Euro/t (605,6 Ct/Bu) und der Maikontrakt kostete rund 165 Euro (611,2 Ct/bu). Im vorbörslichen elektronischen Handel notierte der Märztermin am Montag Vormittag (06.01) nochmals etwas höher bei knapp 165 Euro/t (609 Ct/Bu) und der Mai bei umgerechnet knapp 166 Euro/t (614 Ct/bu). Im Vergleich zum letzten Tiefstand vom Jahresbeginn (02.01) haben sich die US-Weizenpreise damit um knapp 2 % erholt. Dennoch lagen die Weizenpreise in Chicago für die Termine März bis September 2014 weiterhin unterhalb der Marke von 170 Euro/t (639 Ct/bu). Seit Anfang Dezember haben die US-Weizen-Preise (SRW) damit knapp 10 Prozent nachgegeben und seit Ende Oktober beträgt der Preisrückgang sogar 15 %. Trotz der jüngsten Preiserholung befinden sich die US-Weizenpreise technisch gesehen weiter unter dem 20- und 40-Tage-Durchschnitt. Der 10-Tage-Durschnitt von 607 Ct/bu wird jedoch etwa erreicht.
 
Auch kanadischer Brot-Weizen etwas teurer
Der in Kansas gehandelte US-Brotweizen (HRW) beendete den Handel am Freitag (03.01) für den Märzkontrakt mit umgerechnet 173,6 Euro/t (642,4 Ct/bu) und für den Mai mit 174 Euro (644,2 Ct/bu) damit ebenfalls knapp 2 % fester als am ersten Handelstag im neuen Jahr (02. 01). Beim (proteinreichen) US-Sommerweizen aus Minneapolis kostete der Märzkontrakt umgerechnet 170 Euro/t (630,4 Ct/bu) und der Mai 173 Euro/t (640 Ct/bu). Im elektronischen vorbörslichen Handel lagen die Weizenpreise in den USA am Montag Vormittag (MEZ) erneut im Plus. Auch in Kanada haben sich die Weizenpreise mit dem anziehenden US-Markt wieder etwas erholt. In Winnipeg wurde Brotweizen für den Märztermin mit umgerechnet knapp 127 Euro/t gehandelt (183 CAD) und der Maitermin kostete noch 132 Euro/t (191 CAD). Kanadischer Hartweizen (Durum) wurde für den Märztermin mit 167 Euro (242 CAD) und für den Mai mit 170 Euro/t (246 CAD) notiert.
 
Europäische Weizenpreise behauptet
In der Europäischen Union haben sich Preise für Weizen an den ersten beiden Handelstagen des neuen Jahres sowohl am Terminmarkt als auch an den wichtigsten physischen Handelsplätzen kaum verändert. Am Freitag (03.01) kostete der Weizen für den Januar an der MATIF 208 Euro und für den März 202 Euro/t. Im Vergleich zum Jahresende 2013 (27.12) waren die Weizenpreise damit jedoch um 3 bis 4 Euro niedriger. Gleichzeitig hat jedoch der Euro wieder etwas nachgeben, was die Wettbewerbsfähigkeit von europäischem Weizen im Export wieder etwas verbessert hat. Während der Eurokurs am 27.12 noch bei 1,379 USD lag, waren es am 03. Januar „nur“ noch 1,36 USD und damit 1,4 % weniger. Am Kassamarkt haben die (nominellen) Weizenpreise bei geringem Umsatz zuletzt leicht nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man Brotweizen am Freitag (03. Januar) mit 206 Euro/t (-2). Futterweizen zur Lieferung im Januar kostete in Hamburg 201 Euro/t (-2) und A-Weizen wurde mit 209 Euro/t (-1) notiert. In Frankreich wurde Brotweizen im neuen Jahr unverändert (fob-Rouen) mit 202 Euro/t (0) notiert.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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