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Analyse

Keine Verknappung am globalen Weizenmarkt

von , am
13.07.2015

Dabei wirken die neuen Daten zunächst einmal bärisch und korrigieren die Erwartungen des Marktes an eine deutliche globale Angebotsverknappung und weiter steigende Preise.

Der Weizen liegt an der CBoT deutlich unter dem Vorjahresniveau. © Yvonne Jpunkt/aboutpixel.de
 
Für den globalen Weizenmarkt hält der neue USDA-Report einige neue Erkenntnisse und Überraschungen bereit. Dabei wirken die neuen Daten zunächst einmal bärisch und korrigieren die Erwartungen des Marktes an eine deutliche globale Angebotsverknappung und weiter steigende Preise. Zwar hat das USDA wie erwartet die europäische Ernte und die kanadische Produktion nach unten gesetzt, dafür ging es aber für die neue Ernte in Russland, der Ukraine und Kasachstan und die Exporte der Schwarzmeerländer nach oben. Auch die neue US-Ernte wurde im Juli nach oben korrigiert und die chinesische Ernte bleibt ebenfalls auf Rekordkurs. Per Saldo ist die jetzt erwartete globale Weizenernte 2015/16 sogar noch größer als das USDA im Juni geschätzt hatte. Dabei ging es mit dem globalen Verbrauch deutlich nach nach unten (wegen China) und mit den Endbestände sowohl für das alte als auch für das der neue Wirtschaftsjahr deutlich auf neuen Rekordmarken nach oben.
 
Produktion übersteigt Verbrauch, riesige Bestände
Die Juli-Schätzung des USDA zur neuen Weizenernte 2015/16 liegt bei 722 Mio. t und damit 0,5 Mio. t höher als im Vormonat (721,5). Im Vergleich zur Rekordernte von 726 Mio. t aus dem Vorjahr ist dies nur noch ein Rückgang der Produktion um rund 4 Mio. t. Gleichzeitig wäre dies die zweitgrößte jemals überhaupt eingebracht globale Weizenernte und die dritte Ernte hintereinander über 700 Mio. t. Gleichzeitig hat das USDA den für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 erwarteten globalen Verbrauch von knapp 720 Mio. t (Juni) auf 714 Mio. t (Juli) gesenkt.
 
Grund ist die von 121,5 Mio.t auf 116,5 Mio. t nach unten gesetzte Verbrauchserwartung für China. Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 lag der globale Weizenverbrauch bei 707 Mio. t und damit trotz der Korrektur rund 7 Mio. t niedriger als 2015/16. Die Bestände wurden (wegen des kleineren Verbrauchs) sowohl für das alte als auch für das neue Wirtschaftsjahr kräftig nach oben korrigiert und erreichen neue Rekordmarken. So wird jetzt für das zurückliegende Wirtschaftsjahr 2014/15 von einem Endbestand von 212 Mio. t (Juni 200 Mio. t) ausgegangen und für 2015/16 sogar von knapp 220 Mio. t (Juni: 202 Mio. t).
 
Die globale Handelsmenge erwartete das USDA für das neue Wirtschaftsjahr mit knapp 158 Mio. t ähnlich groß wie noch im Juni (158) und etwas kleiner als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr mit 161 Mio. t. Allerdings kommt es zwischen den großen Exporteuren zu Verschiebungen. Währen die EU (und Kanada) Marktanteile verliert gewinnen den Schwarzmeerländer und die USA welche hinzu.
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Weniger Weizen in Europa, Export schrumpft
Die neue Weizenernte (Weichweizen und Durum) der Europäischen Union hat das USDA relativ deutlich auf 147,9 Mio. t von zuvor 150,6 Mio. t (Juni) nach unten angepasst. Grund sind die witterungsbedingt deutlich niedriger erwarteten Erträge. Damit wäre die neue europäische Ernte rund 8,6 Mio. t kleiner als die Rekordernte aus dem letzten Jahr (156,4) und auch kleiner als die Ernte aus dem Jahr 2008 (151,4). Gleichzeitig wäre dies die bislang drittgrößte europäische Weizenernte.
 
Die Erwartungen an den europäischen Export hat das USDA wegen der kleineren Ernte und der größeren Konkurrenz vom Schwarzen Meer ebenfalls gesenkt von 32,5 Mio. t (Juni) auf 31,0 Mio. t. Damit würde die Rekordausfuhr aus dem letzten Wirtschaftsjahr 2014/15 von 34,7 Mio. t (!!) um 3,7 Mio. t verfehlt und die Ausfuhrmenge aus dem Jahr 2013/14 (32,0 Mio. t) um 1,0 Mio. t. Trotzdem würden die Europäer mit dieser Ausfuhrmenge noch immer deutlich vor den USA (26,3), Russland (22,0), Kanada (20,0) und Australien (18,0) liegen.
 
Russland erntet und exportiert mehr Weizen
Nach oben korrigiert wurden im Juli die Ernte und die Export für Russland. Grund sind die nach oben korrigierten Ertragserwartungen. In seinem Juli-Report geht das USDA jetzt von einer russischen Weizenernte von 57,0 Mio. t aus und damit von 2,0 Mio. t mehr als noch im Juni (55,0). Die sehr gute Ernte aus dem letzten Jahr von 59,0 Mio. t wird nur noch um 2,0 Mio. t verfehlt. Die Erntefläche bei Weizen (Sommer- und Winterweizen) schätzt das USDA mit 25,5 Mio. ha zudem etwas größer als noch im Juni mit 25,2 Mio. ha und deutlich größer ein als im letzten Jahr mit nur 23,64 Mio. ha.
 
Das Exportpotential der Russen erwarten die USDA-Analysten für die neue Saison 2015/16 jetzt bei 22,0 Mio. t und damit 1 Mio. t höher als noch im Juni (21,0) und fast so hoch wie im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 22,5 Mio. t. Die russischen Endbestände gehen nach dieser Prognose nur noch leicht von 6,9 Mio. t auf 6,2 Mio. t (Juni: 5,2 Mio. t) zurück.
 
Größere Ernten in der Ukraine und in Kasachstan
Für die Ukraine erwartet das USDA für 2015 eine Weizenernte von 24,0 Mio. t und damit 1,0 Mio. t mehr als noch im Juni ( 23,0). Damit wird die sehr gute Ernte aus dem Vorjahr von 24,75 Mio. t fast erreicht. Gründe für die aktuelle Korrektur sind die deutlich nach oben gesetzten Ertragserwartungen. Außerdem ist die aktuelle ukrainische Weizenfläche mit 6,8 Mio. ha rund 0,5 Mio. ha größer als im vorigen Jahr mit 6,3 Mio. ha.
 
Das ukrainische Exportpotential hat das USDA im Juli auf 12,5 Mio. t nach oben gesetzt von zuvor 11,5 Mio. t (Juni). Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 hat die Ukraine 11,5 Mio. t Weizen exportiert. Für Kasachstan hat das USDA die Erntemenge auf 13,5 Mio. t von zuvor 12,5 Mio. t nach oben korrigiert. Im letzten Jahr erntete man in Kasachstan rund 13,0 t Weizen. Die kasachischen Exporte wurden vom USDA unverändert auf 6,0 Mio. t veranschlagt, nach ebenfalls 6,0 Mio. t in der zurückliegenden Saison.
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US-Ernte und Exporte nach oben korrigiert
Die neue Weizenernte hat das USDA im Juli im Vergleich zum Vormonat nach oben korrigiert. Dabei ging setzte das USDA seine Prognsoe für die bereits auf vollen Touren laufende Winterweizenernte nach unten und für die erwartete Ernte von Sommerweizen nach oben. Die Erwartungen an die US-Gesamtweizenernte lagen im Juli bei 58,5 Mio. t und damit 0,8 Mio. t höher als im Juni (57,7). Im Vergleich zur schwachen Ernte aus dem Vorjahr von 55,1 Mio. t, wäre die neue Weizenernte jedoch 3,4 Mio. t größer. Die Winterweizenernte wird vom USDA auf 39,6 Mio. t Geschätzt (Juni: 41,0 Mio. t; Vorjahr: 37,5 Mio. t) die Sommerweizenernte (ohne Durum) auf 16,8 Mio. t (Juni: 16,5 Mio. t; Vj: 16,2 Mio.t).
 
Die erwarteten Exporte hat das USDAim Juli auf 26,3 Mio. t veranschlagt, nach 25,5 Mio. t im Juni-Report und nur 22,8 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15. Dennoch bleiben die Europäer nach Einschätzung des USDA im neuen Wirtschaftsjahr erneut der größte globale Weizenexporteur. Allerdings wird hier vieles von der Wertentwicklung des Euro zum Dollar und der Wettbewerbsfähigkeit an den Exportmärkten abhängen.
 
Kanada mit kleinerer Ernte und weniger Exporten
Nach unten korrigiert wurden im Juli die Ernteerwartung und die Exportprognose für Kanada. Grund sind die witterungsbedingt relativ deutlich nach unten korrigierten Ertragsaussichten. Die Kandier sollen nun noch 27,5 Mio. t Weizen ernten und nicht 29,0 Mio. t wie noch im Juni erwarte wurden. Die gute Ernte aus dem letzten Jahr von 29,3 Mio. t wird damit trotz einer Anbauausweitung (von 9,46 Mio. ha auf 9,6 Mio. ha) deutlich verfehlt.
 
Die Exporte der Kanadier hat das USDA deshalb auf 20,0 Mio. t von 21,0 Mio. t zurückgenommen. Im letzten Jahr (2014/15) lag die Ausfuhrmenge noch bei 24,2 Mio. t , so dass die Kanadier nach den Europäern der zweitgrößte globale Weizen-Exporteur waren. Im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 kämen die Kanadier mit ihrer Exportmenge nach den USA und Russland auf Rang drei. Für Australien liegt die neuen Ernteschätzung auf Basis der bisherigen Witterungsverhältnisse (Aussaat Mai/Juni) bei unverändert bei 26,0 Mio. t, nach 23,7 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr, wobei die Exporte bei 18,0 Mio. t erwartet werden nach 17,5 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr.
 
China mit Rekordernte und Rekordbeständen
Für China liegt die Ernteprognose für 2015/16 weiterhin auf Rekordniveau bei 130 Mio. t nach 126,1 Mio. t im letzten Jahr. Den Verbrauch für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 hat das USDA jedoch von rekordhohen 121,5 Mio. t (Juni) auf nur noch 116,5 Mio. t zurückgenommen. Im Wirtschaftsjahr 2014/15 lag die chinesische Verbrauchmenge bei 118,0 Mio. t und war damit sogar etwas größer als jetzt für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartet werden.
 
Die Folge der sehr deutlichen Verbrauchskorrektur ist ist eine eben so deutliche Korrektur der chinesischen (und auch der globalen) Endbestände von 71,6 Mio. t (Juni) auf 88,8 Mio. t (Juli) nach oben. Die Endbestände aus dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 werden vom USDA mit 74,2 Mio. t angegeben. Damit wachsen die chinesischen Lagerbestände in der neuen Saison um 14,5 Mio. t auf 40 % der globalen Weizenbestände.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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