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Analyse

Kleinere europäische Weizenernte und weniger Exporte

von , am
19.06.2015

Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hat die in der Europäischen Union erwartete Weichweizenernte 2015 nach unten korrigiert.

© Doctorbest/fotolia.com
 
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hat die in der Europäischen Union erwartete Weichweizenernte 2015 im Juni um 1,0 Mio. t auf 141,6 Mio. t nach unten korrigiert. Als Grund für die Korrektur wird die seit Mai anhaltende Trockenheit in weiten Teilen Zentral- und Westeuropas genannt. Besonders von der Trockenheit betroffen sind nach Einschätzung von Strategie Grains Deutschland und Polen sowie zunehmend auch Frankreich.
 
Analysten und Kommission mit ähnlichen Erwartungen
Die im Juni von Strategie Grains erwartete europäische Weichweizenernte von 141,6 Mio. t, wäre trotz der aktuellen Korrektur nach dem Produktionsrekord aus dem Vorjahr (148,9 Mio. t), noch immer die zweitgrößte Weichweizenernte der EU. Allerdings würde das bislang zweitbeste Ergebnis aus dem Jahr 2008 (141,4 Mio. t), jetzt nur noch ganz knapp übertroffen. Die EU-Kommission hatte in ihrer letzten Prognose von Ende Mai mit 141,5 Mio. t eine ähnlich große europäische Weizenernte geschätzt wie jetzt im Juni die privaten Analysten von Strategie Grains.
 
Europäer verlieren Marktanteile im Export
Deutlich nach unten korrigiert hat Strategie Grains zudem die Erwartungen an die Exporte im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16. Von den zuletzt erwarteten 28,6 Mio. t senkte man die Exportprognose jetzt auf 27,7 Mio. t und liegt damit sehr deutlich unter den Rekordausfuhren aus dem aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 von 32,0 Mio. t. Grund für die Abwärts-Korrektur der Exporte sind die größere Ernten sowie die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit (sehr niedrige Exportpreise) Russlands und der Ukraine. Diese Entwicklung wird die EU im neuen Wirtschaftsjahr wohl Markanteile im Exporte kosten. Die EU-Kommission hatte Ende Mai in ihrer Schätzung eine ähnlich große europäische Exportmenge wie Strategie Grains von 27,3 Mio. t geschätzt.
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Französische Ernte noch auf Rekordstand
Wegen der nochmals nach oben korrigierten Anbaufläche hat Strategie Grains im Juni die Weizenernte Frankreich (trotz Trockenheit) sogar noch etwas nach oben gesetzt. Die französische Anbaufläche bei Weichweizen liegt jetzt bei 5,16 Mio. ha, nach 5,1 Mio. ha in vorigen Schätzung und 5,0 Mio. ha im Jahr 2014. Die französische Weizenproduktion 2015 erwartet Strategie Grains im Juni weiterhin auf Rekordniveau bei 38,1 Mio. t und damit 0,1 Mio. t größer als im Mai und 0,6 Mio. t größer als die Ernte 2014 (37,5 Mio. t). Die EU-Kommission hatte in ihrer letzten Prognose Ende Mai allerdings noch eine deutlich größere französische Weichweizenernte von 39,0 Mio. t erwartet.
 
Deutsche Weizenernte witterungsbedingt kleiner
Für Deutschland hat Strategie Grains im Juni die neue Weizenernte 2015 witterungsbedingt (Trockenheit) um 0,2 Mio. t auf 26,3 Mio. t nach unten gesetzt. Im Vergleich zur bisherigen Rekordernte aus dem 2014 von 27,7 Mio. t, wäre die jetzt für 2015 erwartete deutsche Weizenernte zwar 1,4 Mio. t oder knapp 5 % kleiner, jedoch immer noch die bislang zweitgrößte deutsche Weizenernte nach 2014. Die EU-Kommission hat Ende Mai in ihrer Prognose die deutsche Weichweizenernte auf 26,5 Mio. t geschätzt und liegt damit etwas höher als Strategie Grains. Der deutsche Raiffeisenverband hatte Mitte Juni seine Prognose für deutsche Weichweizenernte von 26,9 Mio. t auf 25,8 Mio. t nach unten gesetzt, bliebt damit jedoch über der Schätzung von Strategie Grains und EU-Kommission.
 
Vereinigtes Königreich mit stabilen Erwartungen
Nicht verändert haben die Analysten Strategie Grains im Juni die Ernteerwartung für das Vereinigte Königreich, die Nummer drei unter den europäischen Weizenproduzenten. Nach der aktuellen Prognose würde die Weizenproduktion im Vereinigten Königreich etwa 15,1 Mio. t erreichen. Das ist im Vergleich zur Riesenernte 2014 von 16,6 Mio. t ein Rückgang von 1,5 Mio. t oder 9 %. Die EU-Kommission hat Ende Mai in ihrer Prognose eine etwas größere Weichweizenernte im Vereinigten Königreich von nur 15,3 Mio. t geschätzt. Auf der Insel ist die Anbaufläche mit 1,9 Mio. ha ähnlich groß wie im Vorjahr (1,9).
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Trockenheit drückt Polens Ernte
Die Nummer vier der den europäischen Weizenproduzenten (und in letzten Wirtschaftsjahr auch ein bedeutender Exporteur) ist Polen. Im Vergleich zur vorigen Prognose hat Strategie Grains die polnische Ernte im Juni witterungsbedingt (Trockenheit) ebenfalls nach unten korrigiert. Die Erntemenge 2015 könnte nach der aktuellen Einschätzung von Strategie Grains etwa 10,5 Mio. t erreichen und wäre damit 0,4 Mio. t kleiner als noch im Mai mit 10,9 Mio. t erwartet wurde. Die bisherige Rekordernte aus 2014 von 11,6 Mio. t würde sogar um 1,1 Mio. t oder knapp 10 % verfehlt. Die EU-Kommission hatte Ende Mai in ihrer Prognose für Polen eine ähnlich große Weichweizenernte wie Strategie Grains von 10,6 Mio. t geschätzt.
 
Erwartungen für Rumänien unverändert
Für Rumänien (den drittgrößten Weizenexporteur der EU), bleibt die Produktionsschätzung von Strategie Grains für die Ernte 2015 im Juni unverändert zum Vormonat bei 6,8 Mio. t. Damit wäre die neue Ernte 0,6 Mio. t bzw. 12 % kleiner der bislang zweitgrößte rumänische Ernte von 7,7 Mio. t aus dem Jahr 2014. Die EU-Kommission hatte Ende Mai in ihrer Prognose für Rumänien eine Weichweizenernte von nur 6,3 Mio. t geschätzt und damit 0,5 Mio. t weniger als Strategie Grains.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
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