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Analyse

Kleinere globale Weizenernte, Preise dennoch gefallen

von , am
24.04.2015

Ende April schätzt der Internationale Getreiderat (IGC) die kommende globale Weizenernte etwas kleiner ein als bei der vorigen Prognose im März.Die Weizenpreise (Exportpreise) haben allerdings in den letzten vier Wochen dennoch um 7 % nachgegeben.

© landpixel
 
Ende April schätzt der Internationale Getreiderat (IGC) die kommende globale Weizenernte etwas kleiner ein als bei der vorigen Prognose im März, bleibt jedoch weiterhin deutlich über Marke von 700 Mio. t. Ursache für die Korrektur der globalen Erntemenge sind die etwas nach unten korrigierten Ernteerwartungen für die nächste Weizenernte in Indien und China sowie in Argentinien. Bei den Schwarzmeerländern (insbesondere bei Russland) bleibt der IGC mit seiner Einschätzung, trotz einer leichten Aufwärtskorrektur der Ernteprognosen, deutlich unter den Schätzungen anderer (russischer) Analysten. Hier könnt es im Mai durchaus noch zu kräftigen Aufwärtskorrekturen der Erntemengen kommen.
 
Für die Europäer ging es mit der Ernte-Schätzung ebenfalls nach oben, jedoch bleibt der IGC auch hier unter den Prognosen der EU-Kommission oder von Strategie Grains. Den europäischen Export erwartet der IGC jedoch fast auf dem rekordhohen Niveau des aktuellen Wirtschaftsjahres. Anders als in diesem Wirtschaftsjahr würde globale Versorgung bei Weizen nach Einschätzung des IGC jedoch eine Deckungslücke aufweisen, denn der Verbrauch übersteigt trotz der großen Ernte die Produktion. Das Ergebnis wäre ein Abbau der globalen Bestände. Die Weizenpreise (Exportpreise) haben allerdings in den letzten vier Wochen dennoch um 7 % nachgegeben und in sind zudem knapp 25 % niedriger als vor einem Jahr.
 
Globale Ernte bleibt deutlich über 700 Mio. t
Nach Einschätzung des IGC wird die neue globale Weizenernte 2015/16 im Vergleich zum noch laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 um 16,2 Mio. t auf 704,8 Mio. t zurückgehen. Damit liegt die Produktionserwartung des IGC jedoch relativ deutlich über der Marke von 700 Mio. t und wäre die bislang drittgrößte globale Weizenernte nach 2014/15 (721,2 Mio. t) und nach 2013/14 (713,4 Mio. t). Im Vergleich zur Märzprognose hat der IGC seine Gesamtprognose allerdings um 4 Mio. t nach unten gesetzt. Ursache sind die kleiner erwarteten Ernten in Indien, China und Argentinien. Für Indien korrigierte der IGC seine Prognose auf 94,0 Mio. t von zuvor 97,7 Mio. t (Vj. 95,9), für China auf 118 Mio. t von zuvor 120 Mio. t (Vj: 126,2) und für Argentinien auf 12,5 Mio. t von zuvor 13,5 Mio. t (Vj: 13,9). Leicht nach unten von 30,4 Mio. t auf 30,0 Mio. t (Vj. 29,3 ) ging es mit der Ernteschätzung für Kanada und die neue US-Ernte blieb mit 59 Mio. t (Vj. 55,1) ebenfalls stabil.
 
Ernte in den Schwarzmeerländer unterschätzt?
Ganz leicht nach oben gesetzt hat der IGC seine Ernteschätzungen für Russland auf 52,0 Mio. t von zuvor 51,4 Mio. t (Vj. 59,7 Mio. ), für die Ukraine auf 20,0 Mio. t von zuvor 19,6 Mio. t (Vj. 24,8) und für Kasachstan auf 14,1 Mio. t (Vj. 13,0 ). Insbesondere für Russland liegt die aktuelle Schätzung des IGC deutlich unter den Schätzungen russischer Analysten. Diese gehen derzeit überwiegend von einer russischen Weizenernte zwischen 54 Mio. t und 59 Mio. t aus. Der IGC bleibt mit seiner aktuellen Schätzung für Russland und die Ukraine deutlich unter den Erntemengen des letzten Jahres und liegt Kasachstan etwas darüber.
Für die Europäische Union schätzt der IGC die Weizenernte (Weich- und Hartweizen) auf 148,2 Mio. t (dav. 140,4 Mio. t Weichweizen) und verfehlt damit aktuellen Prognosen von Strategie Grains und der EU-Kommission von jeweils 141,1 Mio. t Weichqweizen. Im Vergleich zur Rekordernte aus dem von 155,6 Mio. t (dav. 148,5 Mio. t Weichweizen) wäre die europäische Ernte damit 4,8 % oder 7,2 Mio. t kleiner.
 
Verbrauch wächst, Endbestände schrumpfen
Die globale Verbrauchsmenge schätzt der IGC auf 710,7 Mio. t und damit 3,1 Mio. t größer als zur Märzprognose (707,6) und 2,1 Mio. t größer als im aktuellen Wirtschaftsjahr mit 708,7 Mio. t. Dabei soll der globale Verbrauch von Futterweizen mit 138,8 rund 3,1 Mio. t kleiner ausfallen als im noch laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 141,9 Mio. t. Gleichzeitig würde der Verbrauch von Weizen die Produktion um 5,9 Mio. t übersteigen und die globalen Bestände würden schrumpfen. Der IGC erwartet einen Rückgang der Bestände von 199,4 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 um 5,9 Mio. t auf 193,5 Mio. t im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16.
 
Europäer bleiben Exportweltmeister
Der IGC setzt die für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartete globale Handelsmenge mit 150,7 Mio. t an, nach einem Handelsvolumen von 151,8 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr. Dabei erwartet der IGC, das die Europäer nach einer Rekordausfuhrmenge von 33,1 Mio. t in diesem Wirtschaftsjahr, mit einer Weizenausfuhr von 31,6 Mio. t im kommenden Wirtschaftsjahr weiterhin deutlich vor den USA und Kanada der größte globale Weizenexporteur bleiben. Diese Erwartung stützt sich auch auf den schwachen Euro und die kleiner erwarteten Ernten in den Schwarzmeerländer. Außerdem liegen die für das aktuelle Wirtschaftsjahr angesetzten Ausfuhren der USA bei 29,4 Mio. t und damit deutlich höher als im noch laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 mit nur 22,5 Mio. t.
 
Russlands und Ukraine mit weniger Exporten
Für Russland erwartet der IGC in seinem aktuellen Report für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 Exporte von 18,6 Mio. t, nach 20,7 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr, als die Russen im Februar Exportzölle eingeführt hatten und ihre Ausfuhren damit deutlich drosselten. In der Märzprognose war der IGC für Russland lediglich von Weizenexporten von 18,0 Mio. t ausgegangen. Für die Ukraine werden vom IGC für das nächste Wirtschaftsjahr 2015/16 Ausfuhren von 8,0 Mio. t erwartet (nach 121 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr. Für Kasachstan rechnet der IGC für 2015/16 hingegen mit Exporten von 8,0 Mio. t, nach nur 5,8 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr. Die Exportprognose des IGC für Australien liegt im aktuellen Report bei 19,5 Mio. t (Vj. 17,0 Mio. t). Für Argentinien werden vom IGC für 2015/16 Ausfuhren von 7,5 Mio. t erwartet nach 6,0 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr.
 
Europäische Weizenpreise rund 20 Euro unter Vorjahr
Am US-Terminmarkt in Chicago haben die Weizenpreise im April rund 7 % verloren und sind gleichzeitig 32 % niedriger als im April vor einem Jahr. Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise im April um 5 % bzw. rund 10 Euro/t gefallen. Gleichzeitig sind die europäischen Weizenpreise am Terminmarkt 10 % bzw. 20 Euro niedriger als im April vor einem Jahr. Am Terminmarkt wird der aktuelle Maikontrakt derzeit mit rund 185 Euro/t notiert. Gleichzeitig handelt man die neue Ernte (September) auf einem ähnlichen Preisniveau.
 
Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein durchschnittlich mit 183 Euro/t und damit 36 Euro niedriger als vor einem Jahr (219 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 193 Euro/t geboten und damit 27 Euro weniger als vor einem Jahr (220 Euro). Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 228 Euro und damit nur 1 Euro weniger als vor einem Jahr (229 Euro). Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg mit durchschnittlich 181 Euro gehandelt und 34 Euro niedriger als ein Jahr zuvor (215 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
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