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Analyse

Kommission erwartet auch 2015 sehr große Weizenernte

von , am
10.03.2015

Anfang März hat hat die EU-Kommission im Rahmen ihres kurzfristigen Marktausblicks erstmals auch eine Prognose zur erwarteten europäischen Weizenernte 2015 abgegeben.

Der Weizen liegt an der CBoT deutlich unter dem Vorjahresniveau. © Yvonne Jpunkt/aboutpixel.de
Anfang März hat hat die EU-Kommission im Rahmen ihres kurzfristigen Marktausblicks erstmals auch eine Prognose zur erwarteten europäischen Weizenernte 2015 abgegeben. Auf der Grundlage der vorliegenden Anbaudaten und Ertragsprognosen rechnet die Kommission für 2015 mit der bislang zweitgrößten Weichweizenernte in der EU nach 2014. Der bisherige Produktionsrekord aus dem Vorjahr (2014) wird allerdings relativ deutlich verfehlt. Die bislang zweitgrößte Ernte aus dem Jahr 2008 würde jedoch mit diesem Ergebnis deutlich übertroffen. Die europäischen Analysten von Strategie Grains hatten die nächste europäische Weichweizenernte zuletzt allerdings etwas kleiner eingeschätzt als die Kommission.
 
Kommission mit zweitgrößter Weizenernte
Die europäische Weichweizenernte 2015 schätzt die Kommission in ihrer ersten Prognose auf 142,6 Mio. t. Im Vergleich zur Rekordernte 2014 (149,4 Mio. t) wäre die neue Ernte damit 6,8 Mio. t oder 4,5 % kleiner. Gegenüber dem sehr guten Ergebnis von 2013 (134,9 Mio. t) wäre die neue Ernte 2015 hingegen rund 6,5 Mio. t oder knapp 5 % größer. Außerdem wäre dies die zweitgrößte europäische Weichweizenernte überhaupt. Die bislang zweitgrößte europäische Ernte aus dem Jahr 2008 (141,4) würde um 1,2 Mio. t übertroffen. Die diesjährige Erntefläche von Weichweizen veranschlagt die Kommission auf 24,2 Mio. ha und damit 0,9 Mio. ha kleiner als im letzten Jahr. Zur Ernte 2014 hatten die Landwirte auf 25,1 Mio. ha Weizen angebaut. Der Ertrag bei Weichweizen könnte 2015 nach der Einschätzung der Kommission bei 5,88 t/ha liegen und damit ebenfalls etwas niedriger sein als im Rekordjahr 2014 mit 5,95 t/ha.
 
Analysten-Schätzungen etwas kleiner
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die nächste europäische Weichweizenernte im Februar auf 140,5 Mio. t geschätzt und damit 2,1 Mio. t kleiner als die Kommission in ihrer Prognose. Die Analysten von Informa Economics schätzten die neue europäische Weizenernte (einschließlich Hartweizen) zuletzt auf 150,0 Mio. t und liegen damit (abzüglich der rund 8,2 Mio. t Hartweizen) in etwa auf dem von der Kommission erwarteten Produktionsniveau (142 Mio. t). Die erste Schätzung der FAO lag Ende Oktober bei 147 Mio. t (einschließlich Hartweizen) und damit ebenfalls etwa  so hoch wie Informa Economics. Die neue europäische Gesamternte von Weizen (einschließlich 8,2 Mio. t Hartweizen) schätzt die Kommission auf 150,8 Mio. t und bleibt damit rund 6,4 Mio. t unter der Rekordernte von 2014 mit 157,2 Mio. t.
 
Weizenexporte gehen etwas zurück
Bei den Weizenexporten erwartet die Kommission im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 (wie die anderen Analysten auch) einen Rückgang. Mit den derzeit für das kommende Wirtschaftsjahr 2015/16 prognostizierten Ausfuhren von 27,1 Mio. t sind sind die erwarteten Exporte der Europäer rund 4,0 Mio. t kleiner als die von der Kommission für die aktuelle noch laufende Saison erwarteten Rekordausfuhren (31,0 Mio. t). Im Wirtschaftsjahr 2013/14 lag die bisherige Rekordausfuhre bei 30,0 Mio. t. Zu den Weichweizenexporten kommen jeweils noch die Ausfuhren von rund 1,0 Mio. t bis 1,2 Mio. t Hartweizen (Durum) hinzu.
 
Endbestände wachsen um 40 %
Die erwarteten Endbestände wachsen im kommenden Wirtschaftsjahr 2015/16 nochmals kräftig an. Bei 18,7 Mio. t erwartet die Kommission am Ende des nächsten Wirtschaftsjahres die europäischen Weizenbestände. Das wären nochmals 5,4 Mio. t bzw. 40 % größere Bestände als zum Ende der laufenden Saison 2014/15 (13,3 Mio. t) erwartet werden und doppelt so hohe Endbestände wie im Wirtschaftsjahr 2013/14 (9,1 Mio. t). Diese riesigen Bestände dürften auch erheblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Weizenpreise haben. Die Weizenimporte in der EU sollen nach der aktuellen Prognose der Kommission im nächsten Wirtschaftsjahr bei 3,1 Mio. t und damit ähnlich groß wie im aktuellen Wirtschaftsjahr (3,0 Mio. t).
 
Verbrauch von Futterweizen geht zurück
Den Einsatz von Weizen in der Tierfütterung erwartet die Kommission im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16  bei 48,0 Mio. t,  nach 51,9 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15. Vor zwei Jahren (2013/14) wurden allerdings nur 42,9 Mio. t Weizen verfüttert und damit deutlich weniger. Unverändert bei etwa 48,0 Mio. t erwartet die Kommission auch im neuen Wirtschaftsjahr den europäischen Verbrauch von Nahrungsweizen. Den Einsatz von Weizen zur Herstellung von der Bioethanol schätzt die Kommission geringfügig größer bei 4,5 Mio. t nach 4,4 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15. Der Selbstversorgungsgrad bei Weichweizen liegt im neuen Wirtschaftsjahr bei 127 % nach 129 % in diesem Jahr.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
 
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