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Analyse

Kommission senkt Prognose für neue Weizenernte

von , am
30.06.2015

Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Weizenernte 2015 gesenkt.

© Mafied/aboutpixel.de
 
Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Weizenernte 2015 gesenkt. Dabei wurde insbesondere die Ernteerwartung für Deutschland deutlich zurückgenommen, während die Prognosen für die anderen großen Produzenten wie Frankreich und das Vereinigte Königreich (noch) unverändert blieben. Den für das kommende Wirtschaftsjahr 2015/16 erwarteten Weizenexport hat die Kommission gegenüber der vorigen Prognose unverändert gelassen, jedoch sind die Ausfuhren deutlich kleiner als im Vorjahr. Deshalb sollen die Endbestände (trotz der kleineren Ernte) auch ähnlich hoch bleiben wie im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr.
 
Europäische Weizenernte jetzt kleiner als 140 Mio. t
Die neue europäische Weichweizenernte 2015 schätzt die Kommission zum Monatswechsel auf 139,9 Mio. t. Im Vergleich zur Maiprognose (141,5 Mio. t) ist die Erntemenge damit 1,6 Mio. t oder 1,1 % kleiner. Die Rekord-Ernte aus dem letzten Jahr (2014) von 148,8 Mio. t würde damit um 8,9 Mio. t oder rund 6,0 % verfehlt. Noch wäre die Ernte 2015 jedoch größer als die bislang zweitgrößte europäische Ernte aus dem Jahr 2008 (139,4) und damit weiterhin die zweitgrößte europäische Weichweizenernte.
 
Die aktuelle Anbaufläche von Weichweizen veranschlagt die Kommission Ende Mai auf 24,1 Mio. ha und unverändert zur Mai-Schätzung (24,1 Mio. ha). Gegenüber der Anbaufläche 2014 (24,4 Mio. t) wäre dies ein Rückgang von 0,3 Mio. ha oder 1,3 %. Die Anbauflächen der letzten 15 Jahre davor (jeweils unter 24,0 Mio. ha) würden weiterhin übertroffen. Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die Ernte Mitte Juni auf 141,6 Mio. t geschätzt und damit 1,0 Mio. t kleiner als bei seiner letzten Schätzung, jedoch 1,7 Mio. t größer als die Kommission.
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Weizenexporte kleiner als 2014, Bestände kaum verändert
Bei den Weizenexporten erwartet die Kommission im nächsten Wirtschaftsjahr 2015/16 einen deutlichen Rückgang, dennoch wären die europäischen Ausfuhren im langfristigen Vergleich sehr hoch. Mit 27,3 Mio. t wäre die für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartete Exportmenge rund 4,2 Mio. t bzw. 13 % kleiner als die Rekord-Ausfuhren von 31,5 Mio. t in der zurückliegenden Saison.
 
Trotz der kleineren Ernte liegen die Endbestände (wegen der geringeren Exporte) im neuen Wirtschaftsjahr bei etwa 12,8 Mio. t und sind damit etwa so hoch wie in der zurückliegenden Saison. Vor vier Wochen hatte die Kommission allerdings noch ein Bestandswachstum auf 14,8 Mio. t erwartet. Den Verbrauch von Futterweizen erwartet die Kommission für 2015/16 bei 51,5 Mio. t und damit ähnlich hoch wie vor vier Wochen (51,5), jedoch 0,7 Mio. t kleiner als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr (52,4 Mio. t).
 
Frankreich noch mit Rekordernte, Korrektur für Deutschland
Für Frankreich, den größten Weizenproduzenten der EU, schätzt die Kommission die Produktion von Weichweizen Ende Juni auf 39,0 Mio. t. Das wäre trotz der Witterungsprobleme und des schlechteren Crop-Ratings ebenso so viel wie vor vier Wochen erwartet wurden und sogar 1,5 Mio. t mehr als zur Ernte 2015 (37,5 Mio. t). Nach wie vor wäre dies die bislang größte französische Weichweizen-Ernte überhaupt.
 
Für Deutschland erwarteten die Experten der Kommission in der aktuellen Prognose eine Weizenernte von 25,6 Mio. t. Im Vergleich zur Kommissions-Schätzung von Mai (26,5 Mio. t) wurde die erwartete deutsche Ernte deutlich um 0,9 Mio. t oder 3,4 % zurückgenommen. Gegenüber der rekordhohen Weizenernte von 2014 (27,7 Mio. t), wäre die aktuell für 2015 erwartete deutsche Produktion 2,1 Mio. t oder 7,6 % kleiner, jedoch immer noch die drittgrößer deutsche Weizenernte nach 2014 (27,7) und 2008 (25,9).
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Erwartungen für UK, Polen und Rumänien kaum verändert
Die Weizenernte im Vereinigten Königreich soll nach der aktualisierten Prognose der EU-Kommission weiterhin eine Größenordnung von 15,3 Mio. t erreichen. Die Kommissions-Schätzung von Mai (15,3 Mio. t) blieb damit unverändert. Im Vergleich zur Ernte 2014 (16,6 Mio. t) wäre dies allerdings ein Rückgang von 1,3 Mio. t oder 7,8 %
 
Die Nummer vier unter den europäischen Weizenproduzenten ist Polen. Bei unseren östlichen Nachbarn geht die Kommission auch im Juni von einer Weizenernte von etwa 10,6 Mio. t aus, nach ebenfalls 10,6 Mio. t bei der vorigen Schätzung. Damit wäre die neue polnische Ernte 1,0 Mio. t kleiner als die Rekordernte aus dem Jahr 2014 (11,6 Mio. t).
Für Rumänien erwartet die Kommission derzeit eine Weichweizenernte von 6,2 Mio. t (Mai: 6,3 Mio. t) und damit 1,5 Mio. t weniger als zur Ernte 2014 mit 7,7 Mio. t.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
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