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Analyse

Mehr Winterweizen in den USA, Zustand nicht optimal

von , am
29.10.2014

In den USA verläuft die Aussaat von Winterweizen in diesem Jahr nicht so problemlos wie es auf den ersten Blick scheint. Gleichzeitig ist der aktuelle Wachstumszustand des Winterweizens schlechter als erwartet wurde.

© landpixel
In den USA verläuft die Aussaat von Winterweizen in diesem Jahr nicht so problemlos wie es auf den ersten Blick scheint. Gleichzeitig ist der aktuelle Wachstumszustand des Winterweizens schlechter als im Vorfeld des ersten Crop-Monoring-Berichts des USDA erwartet wurde. Anderseits gehen US-Analysten derzeit von einer Ausweitung der Winterweizenfläche in den USA von knapp 3 % aus. In den Hauptanbaugebieten für den proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter (HRW) könnte der Zuwachs wegen der sehr hohen Prämien für HRW sogar noch größer sein. Die Weizenpreise sind in den USA im Oktober kräftig gestiegen und die Prämien für den knappen proteinreichen HRW sind weiter sehr hoch.
 
Anbau von Winterweizen wird ausgeweitet
Im Jahr 2014 steuerte der Winterweizen in den USA etwa 68 Prozent bzw. 37,5 Mio. t zur US-Weizenernte von insgesamt 55,38 Mio. t Weizen bei. Etwa 54 Prozent bzw. etwa 20 Mio. t des Winterweizens war proteinreicher (13,5 % bis 14 % Eiweiß) Weizen der Sorte Hard Red Winter (HRW) der vor allem in den südlichen Plains, in Kansas, Oklahoma, Colorado und Texas angebaut wird. Diese Bundestaaten hatten jedoch mit Auswinterungsschäden und während der Hauptwachstumszeit mit einer extremen Trockenheit zu kämpfen und zur Ernte regnet es sehr stark. Im wichtigsten Anbaustaat für HRW in Kansas sackte Produktion im Jahr 2014 auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren. Der in Chicago gehandelte Winterweizen der Sorte Soft Red Winte (11 % Protein) steuerte 2014 etwa 12,4 Mio. t bzw. 22 Prozent zur US-Winterweizenproduktion bei und wird vor allem in allem den nordöstlichen Bundesstaaten und im Mittelwesten angebaut. Der Rest des Winterweizens ( etwa 14 %) gehört zur Sorte White Winter und wächst ebenfalls vor allem im Norden.
 
Aussaat-Tempo im langjährigen Mittel
Nach einem sehr schnellen Start bei der Aussaat von Winterweizen hat sich das Aussaattempo zuletzt vor allem im Nordosten und im Mittelwesten in den Anbaugebieten von SRW verlangsamt. Grund waren die starken Regenfälle im Oktober, die die Aussaat verzögerten oder behinderten. In den südlichen Plains sind die Farmer mit der Aussaat von HRW hingegen schon weiter und für Kansas erwarteten Analysten sogar die größte Aussaatfläche seit 17 Jahren. Bis zum 26. Oktober war die Aussaat von Winterweizen in den USA insgesamt  zu 84 Prozent abgeschlossen. Auf der Grundlage der Anbauschätzung (Aussaatfläche) für Winterweizen von 17,61 Mio. ha (43,51 Mio. Acres), entspricht dies einer bisherigen Aussaatfläche von 14,8 Mio. ha (36,57 Mio. Acres). Außerdem liegt der derzeitige Aussaatfortschritt im langjährigen Mittel von 84 % und ist ähnlich hoch wie im Vorjahr (85 %).
 
Aussaat nur im Nordosten zu langsam
In drei der vier wichtigsten Anbaustaaten für Brotweizen der Sorte Hard Red Winter: Kansas, Oklahoma und Colorado ist die Aussaat schon ziemlich weit fortgeschritten bzw. beendet. In Kansas wo rund 23 % des gesamten US-Winterweizens angebaut wird, war 87 % der geplanten Fläche bestellt, in Oklahoma war die Aussaat zu 92 % beendet und in Colorado sind sogar schon 100 % der Flächen bestellt. Lediglich in Texas ist die Aussaat mit 77 % zeitlich etwas weiter zurück, liegt aber im langjährigen Mittel (76 %). Aus den nordöstlichen Anbaugebieten für SRW meldete man für Illinois nur einen Aussaatfortschritt von 41 % im Vergleich zu 75 % im langjährigen Mittel, in Idaho waren hingegen schon 97 % (Vj. 96 %) bestellt, in Ohio 72 % (Vj. 80 %), in Montana sogar 99 % (Vj. 93 %) und in Nebraska ebenfalls 99 % (Vj. 99 %).
 
Weizen in schwächerer Verfassung als erwartet
Der Zustand des Winterweizens ist wieder Erwarten hingegen schlechter als im letzten Jahr und verspricht derzeit keine deutlich höheren Erträge. Nach den Daten des USDA befanden sich am 26. Oktober rund 59 % des Winterweizens in gutem oder sehr gutem Zustand. Im letzten Jahr  (2013) kamen zu diesem Termin  immerhin  61 % des Weizen in die beiden besten Kategorien. Vor zwei Jahren (Herbst 2012) waren es allerdings nur 39 % (!!) udn damit deutlich weniger.  Analysten hatten im Vorfeld des aktuellen ersten Crop-Monitorings  sogar 68 Prozent des Winter-Weizens in den beiden besten Kategorien erwartet und damit fast 10 Prozentpunkte mehr.  In Kansas wurden immerhin 69 % (Vj: 59 %) des derzeitigen Weizenbestandes als gut oder sehr gut eingestuft, in Texas waren es 50 % (Vj: 46 %), in Oklahoma 54 % (Vj: 68 %) und in Colorado 47 % (Vj: 59 %). Gleichzeitig befanden sich in den nordöstlichen Anbaugebieten der Sorte SRW wie etwa in Illinois  nur 69 % (Vj: 84 %) des Weizens in guter und sehr guter Verfassung, in Idaho kamen 90 % (97 %) der Bestände in die beiden besten Katgorien, in Ohio 71 % (Vj. 87 %), in Montana 77 % (Vj. 44 %) und in Nebraska 81 % (72 %).
 
US-Weizenpreise im Oktober kräftig gestiegen
Die Preise für Weizen (SRW) sind am Terminmarkt in Chicago im  Oktober um gut 12 % gestiegen. In Europa stiegen die Preise im gleichen Zeitraum sogar um 14 %. Am Dienstag (28.10) kostete der Weizen am Terminmarkt in Chicago (SRW) rund 153 Euro (530,6 Ct/bu) und damit 14 Euro mehr als vor vier Wochen mit 137 Euro/t (475 Ct/bu). Gleichzeitig handelte man den US-Brotweizen (HRW) am Terminmarkt mit umgerechnet 174 Euro/t (604 Ct/bu) und damit rund 20 Euro teurer als den Chicagoweizen. An den US-Exporthäfen am Golf wurde der US-Brotweizen (HRW) für  291 USD/t (229 Euro) verladen und der in Chicago gehandelte Weizen (SRW) kostete fob-Golf 268 USD/t (211 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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