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Analyse

Noch mehr Weizen in der Europäischen Union

von , am
04.11.2014

Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission die Daten zur europäischen Weizenernte ein weiteres Mal nach oben korrigiert.

© Stefan Rampfel/landpixel

Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission die Daten zur europäischen Weizenernte ein weiteres Mal nach oben korrigiert. Gleichzeitig wurde jedoch auch die Exporterwartung kräftig nach oben gesetzt. Damit stimmt die Kommissions-Schätzung sehr gut mit den letzten Prognosen der wichtigsten europäischen und internationalen Analysten überein. Nach den Daten der Kommission wurde in der Europäischen Union damit die bislang größte Ernte von Weichweizen eingebracht. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2008 wird sehr deutlich übertroffen. Auch insgesamt (einschließlich Hartweizen) steigt die Weizenernte auf ein neues Allzeithoch. Die wichtigsten europäischen und internationalen Analysten hatten die europäische Weichweizenernte zuletzt ähnlich groß eingeschätzt wie die Kommission.
 
Kommission passt Prognose nach oben an
Die europäische Weichweizenernte 2014 schätzt die Kommission Ende Oktober auf 147,8 Mio. t. Im Vergleich zur September-Prognose (145,6 Mio. t) hat die Kommission die Erntemenge damit nochmals um 2,2 Mio. t nach oben korrigiert. Gegenüber dem sehr guten Ergebnis von 2013 (134,9 Mio. t) wäre die neue Ernte 2014 rund 12,9 Mio. t oder knapp 10 % größer. Außerdem wäre dies die größte europäische Weichweizenernte überhaupt. Die bisherige europäische Rekordernte aus dem Jahr 2008 (139,4) würde deutlich um 8,4 Mio. t übertroffen. Die diesjährige Erntefläche von Weichweizen veranschlagt die Kommission Ende Oktober auf 24,6 Mio. ha und damit noch etwas größer als noch im September (24,4). Im Vergleich zum letzten Jahr (23,4 Mio. t) wäre dies ein Zuwachs von 1,2 Mio. ha. Der durchschnittliche Ertrag bei Weichweizen lag nach den Daten der Kommission für die EU 28 bei 6,0 t/ha und damit höher als im bereits sehr guten Vorjahr (5,8).
 
Analysten-Schätzungen stimmen sehr gut überein
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die europäische Weichweizenernte Mitte Oktober auf 147,4 Mio. t (Sept: 146,6) nach oben geschätzt und damit ähnlich groß wie die Kommission. ADM/Töpfer ging zuletzt von 147,9 Mio. t (Sept. 146,7 Mio. t) aus und lag damit ebenfalls auf dem von der Kommission erwarteten Niveau. Die Schätzung des Internationalen Getreiderates IGC lag Ende Oktober bei 147,1 Mio. t (Sept.: 146,1 Mio. t) Weichweizen und damit auf einem ähnlichem Niveau wie die europäischen Analystenhäuser. Die Gesamtproduktion von Weizen (einschließlich 7,2 Mio. t Hartweizen) schätzt die Kommission auf 155,1 Mio. t und bleibt damit knapp über der Prognose des IGC mit 154,1 Mio. t und etwas über der Oktober-Prognose des USDA mit 154,0 Mio. t.
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Weizenexporte kräftig nach oben korrigiert
Bei den Weizenexporten erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15  einen Rückgang. Allerdings fällt dieser Rückgang mittlerweile erheblich kleiner aus als noch zum Beginn des Wirtschaftsjahres gedacht. Außerdem wäre die erwartete Ausfuhrmenge die zweitgrößte jemals erreichte Ausfuhrmenge. Mit den mittlerweile geschätzten 28 Mio. t (Sept.: 25 Mio. t) Weichweizen liegen die erwarteten Exporte der Europäer nur noch knapp 2,0 Mio. t unter den von der Kommission für die zurückliegende Saison abgerechneten Rekordausfuhren (30,0 Mio. t). Dabei hat die Kommission die erwartete Exportmenge ein weiteres Mal auf 28,0 Mio. t von zuvor 25,00 Mio. t nach oben korrigiert. Zu den Weichweizenexporten kommen noch die Exporte von rund 1,0 Mio. t Hartweizen (Durum). Das USDA erwartete in seinem Oktober-Rerreport für das aktuelle Wirtschaftsjahr 2014/15 ebenfalls europäische Gesamtausfuhren bei Weizen von 28,0 Mio. t (Sept: 26 Mio. t) und der IGC geht von 28,1 Mio. t (Sept. : 26,7 Mio. t) aus. Beide Schätzungen liegen also auf ähnlichem Niveau wie Prognose der Kommission.
 
Endbestände verdoppeln sich
Die erwarteten Endbestände für das Wirtschaftsjahr 2014/15 korrigierte die Kommission Ende Oktober wegen der größeren Exporte etwas noch unten. Bei 15,4 Mio. t erwartet die Kommission an Ende des aktuellen Wirtschaftsjahres die europäischen Weizenbestände. Das wären 1,0 Mio. t weniger als im September (16,4 Mio. t) erwartet wurden, jedoch immer noch fast doppelt so hohe Endbestände wie im letzten Wirtschaftsjahr (8,2 Mio. t). Diese riesigen Beständen begrenzen auch die durch den starken Export erfolgte Erholung der Weizenpreise. Trotz der sehr großen Ernte und dem Bestandswachstum erwartet die Kommission weiterhin eine Zunahme der Weizenimporte. Diese sollen nach der aktuellen Prognose der Kommission mit 3,0 Mio. t rund 1,2 Mio. t größer ausfallen als im letzten Wirtschaftsjahr (1,8 Mio. t).
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Verbrauch von Futterweizen um 20 Prozent größer
Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung soll nach der aktuellen Einschätzung der Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 51,5 Mio. t (Sept: 51,5 Mio. t) von 42,9 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 steigen. Da wäre ein gewaltiger Zuwachs bei der Weizenverfütterung von 8,6 Mio. t oder 20 %. Der Internationale Getreiderat erwarte Ende Oktober den europäischen Verbrauch von Futterweizen ebenfalls bei 51,0 Mio. t (Sept. 53,0 Mio. t). Das USDA geht für die aktuelle Saison sogar von einem Verbrauch von 57,5 Mio. t Futterweizen in der EU aus. Unverändert bei knapp 48,00 Mio. t erwartet die Kommission den europäischen Verbrauch von Nahrungsweizen.
 
Weizenpreise im Oktober kräftig gestiegen
In Europa sind die Weizenpreise im Oktober kräftig gestiegen. Am 01. Oktober kostete der Weizen am europäischen Terminmarkt noch rund 155 Euro. Einen Monat später am 03. November lagen die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt bei 172 Euro und damit etwa 20 Euro höher. Im letzten Jahr (2013) kostete der Weizen zu diesem Termin 194 Euro/t und damit rund 20 Euro mehr. Am Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Novembertermin am Montag den 3. November mit 182 Euro/t (Vormonat: 165 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg 190 Euro/t (Vormonat: 171 Euro) geboten und Futterweizen wurde mit 167 Euro (Vormonat: 155 Euro) notiert. Der Preis für E-Weizen lag Anfang November bei 212 Euro/t.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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