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Analyse

Preise für Hartweizen extrem gestiegen

von , am
14.11.2014

Die Preise für Hartweizen (Durum) sind in Europa seit der Ernte extrem gestiegen und befanden sich im Oktober 2014 auf dem höchsten Stand seit 6 Jahren.

Am Tagesende notierte der Weizen bei 172,75 Euro je Tonne. © Rainer Sturm
Die Preise für Hartweizen (Durum) sind in Europa seit der Ernte extrem gestiegen und befanden sich im Oktober 2014 auf dem höchsten Stand seit 6 Jahren. Offenbar sind die verfügbaren Mengen in der erforderlichen Qualität (Hartweizengries für Pasta) sehr knapp. Die Europäische Kommission hat die aktuelle europäische Durum-Produktion Ende Oktober mit 7,2 Mio. t angegebenen, dass wäre die bislang schlechteste europäische Hartweizenernte überhaupt. Der von der EU-Kommission für den Monat Oktober im Durchschnitt der Europäischen Union ausgewiesene Großhandelspreis für Hartweizen lag bei 320 Euro/t und war damit ein Drittel oder 77 Euro höher als im Vorjahr (243 Euro). Gleichzeitig war dies der höchste Durumpreis seit dem Juli 2008 also seit etwa 6 Jahren.
 
Ungewöhnlich hohe Prämien für Hartweizen
Die Prämie für Durum (320 Euro) gegenüber Brotweizen (165 Euro) lag im Oktober 2014 im Mittel der EU bei 155 Euro bzw. 47 Prozent. Im letzten Jahr (2013) betrug der Preisaufschlag für Durum gegenüber Brotweizen zum gleichen Zeitpunkt 59 Euro bzw. 32 Prozent und vor zwei Jahren (2012) waren es lediglich 37 Euro bzw. 15 Prozent. Zwischen den wichtigsten EU-Produzenten von Hartweizen gibt es außerdem in diesem Jahr erheblich größere Preisunterscheide als sonst. So sind die Durum-Preise in Frankreich, dem nach Italien zweitgrößten Durum-Produzenten der EU, in diesem Jahr wegen der massiven Qualitätsprobleme mit Abstand am höchsten. Ursache für die sehr hohen Preise ist die sehr kleine und zudem qualitativ schwache Ernte sowohl in Europa (Frankreich) als auch beim weltweit größten Durum-Exporteur Kanada.
 
Bisher kleinste europäische Durum-Ernte
Die europäische Kommission hat die aktuelle europäische Durum-Produktion Ende Oktober mit 7,2 Mio. t angegebenen, dass wäre die bislang schlechteste europäische Hartweizenernte überhaupt. Im Vergleich zur Ernte vom letzten Jahr (2013) von 7,8 Mio. t ist dies ein Rückgang von 0,6 Mio. t bzw. 8 Prozent. Vor zwei Jahren (2012) ernteten die Europäer immerhin 8,2 Mio. t Hartweizen und in den Jahren davor lag die Produktion überwiegend zwischen 8,0 und 9,0 Mio. t. Die bisherige europäische Rekordernte wurde im Jahr 2004 mit knapp 12,0 Mio. t Hartweizen eingebracht und im Jahr 2008 ernteten die Europäer immerhin 10,0 Mio. t Hartweizen. Die Anbaufläche von Durum zur Ernte 2014 lag bei 2,27 Mio. ha und der Ertrag bei etwa 3,2 t/ha. Der Hauptgrund für den Produktionsrückgang in Europa ist der anhaltende Anbaurückgang, der in den letzten 10 Jahren seit 2004 (3,97 Mio. ha) rund 1,7 Mio. ha oder 43 % Prozent beträgt. Hinzu kommen in diesem Jahr noch die massiven Qualitätsprobleme insbesondere bei der französischen Ernte.
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Italien und Frankreich dominieren den Markt
Die mit Abstand wichtigsten Durum-Produzenten der EU sind Italien und Frankreich mit einem Anteil von knapp 50 Prozent bzw. knapp 20 Prozent an der europäischen Gesamtproduktion. Danach folgen mit deutlichem Abstand Griechenland und Spanien mit Produktionsanteilen von 13 Prozent und 10 Prozent. Kleine Menge werden zudem in Tschechien, der Slowakei, in Deutschland, Österreich und Bulgarien produziert. Zusammen kommen die letztgenannten Länder jedoch nicht einmal auf 10 Prozent der europäischen Produktion. Für 2014 liegen die Schätzungen für die Durum-Produktion in Italien zwischen 3,7 Mio. t und 3,8 Mio. t und für Frankreich zwischen 1,4 Mio. t und 1,5 Mio. t. Die Erntedaten für Griechenland bewegen sich zwischen 0,8 Mio. t und 0,9 Mio. t und für Spanien rechnet man mit knapp 0,8 Mio.t.
 
Importe nehmen um ein Drittel zu
Nach der aktuellen Einschätzung der EU-Kommission liegt der europäische Verbrauch von Hartweizen im diesem Jahr bei etwa 8,4 Mio. t (Vj. 8,5 Mio. t). Davon werden 7,8 Mio. t (Vj. 7,8 Mio. t) für die menschliche Ernährung (Hartweizengrieß für Pasta) benötigt. Gleichzeitig exportieren die Europäer in diesem Jahr rund 1,0 Mio. t (Vj. 1,1 Mio. t) Hartweizen auf den Weltmarkt. Zur Deckung der innereuropäischen Bilanz sind zudem relativ umfangreiche Importe von 2,5 Mio. t (Vj. 1,9 Mio. t) Durum nötig. Das ist ein Zuwachs von 0,6 Mio. t oder gut einem Drittel. Die Importe gehen nach den Daten der Kommission im Wesentlichen nach Frankreich, nach Italien, Spanien und Griechenland.
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Hartweizenpreise so hoch wie zuletzt 2008
Der durchschnittliche Großhandelspreis für Hartweizen in der Europäischen Union lag im Oktober 2014 bei 320 Euro/t. Im Vergleich zum September (294 Euro) war dies ein weiterer Preisanstieg von 26 Euro. Seit dem letzten Tiefpunkt der Preise Juni 2014 (251 Euro/t) sind die Durum-Preise in Europa sogar um 69 Euro oder 27 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sind kostete Hartweizen im Oktober 2014 rund 320 Euro/t und damit 77 Euro oder 32 Prozent mehr als im Oktober 2013 (243 Euro). Damit befinden sich die Durumpreise in Europa derzeit auf dem höchsten Stand seit dem Juli 2008 also seit 6 Jahren.
 
Große Preisunterschiede in der EU
Zwischen den wichtigsten EU-Produzenten gibt es ungeachtet der insgesamt sehr hohen Preise in diesem Jahr außerdem erheblich größere Preisunterschiede als in den Jahren zuvor. So lagen die durchschnittlich im Oktober 2014 im Großhandel gezahlten Durum-Preise in Frankreich bei 390 Euro und damit noch 70 Euro höher als im Mittel der EU und sogar 147 Euro oder 60 Prozent höher als im letzten Jahr (243 Euro). Aus Italien meldet man im Oktober Hartweizenpreis von 311 Euro/t und damit 61 Euro bzw. 24 Prozent höhere Preise als im letzten Jahr (251 Euro). Die Preise für Hartweizen in Griechenland lagen im Oktober „nur“ bei 270 Euro und damit 48 Euro oder 22 Prozent höher als 2013 (222 Euro) und aus Spanien meldete man derzeit Durumpreise von 327 Euro/t und damit im Vergleich zum Oktober 2013 (216 Euro) 101 Euro oder 51 Prozent höhere Preise.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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