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Analyse

Preisrallye beim Weizen geht weiter, Kassapreise folgen

von , am
22.05.2015

Die Weizenpreise sind am Donnerstag europäischen Terminmarkt auf den höchsten Stand seit Mitte April gestiegen und haben die Marke von 185 Euro erreicht.

© landpixel
 
Die Weizenpreise sind am Donnerstag europäischen Terminmarkt auf den höchsten Stand seit Mitte April gestiegen und haben die Marke von 185 Euro erreicht. Damit sind die Terminmarktpreise in Europa seit Anfang Mai um knapp 15 Euro oder knapp 9 % gestiegen. Am deutschen Kassamarkt haben die Weizenpreise in den letzten beiden Wochen ebenfalls um rund 10 Euro bzw. 6 % zugelegt. Vor dem Hintergrund der deutlich kräftiger gestiegenen Terminmarktkurse besteht für die Kassapreise jedoch durchaus noch Luft nach oben. Da der Weizen den Handel am Freitag erneut mit steigenden Preisen beginnt, dürfte es am deutschen und europäischen Kassamarkt auch am heutigen Freitag zu weiteren Preisaufschlägen  kommen zumal die europäischen Exporte weiterhin sehr gut laufen und zuletzt sogar wieder angezogen haben.
 
Steigende Weizenpreise auch am Freitag
Am heutigen Freitag beginnt der Weizen den Handel am europäischen Terminmarkt in Europa mit einem weiteren Preisanstieg. Auch in den USA machten die Weizenpreise am Donnerstag einen weiteren kräftigen Sprung nach oben und durchbrachen sowohl beim Chicago-Weizen als auch beim proeinreichen Weizen aus den südlichen Anbaugebieten (Hard Red Winter) die 100-Tage-Linie nach oben. Auch das war der höchste Stand seit Anfang April und seit Anfang Mai  sind die US-Preise sogar um 13 % gestiegen. Auslöser für die erneute Preisrallye waren die Berichte von Wetterdiensten über die sintflutartigen Regenfälle in den nächsten 10 Tagen in den südlichen Plains (HRW) sowie über die zunehmende Trockenheit und Kälte in den wichtigsten kanadischen Weizenanbaugebieten.
 
Starkregen im Süden den USA, Trockenheit in Kanada
In einigen für den Weizenbau besonders wichtigen Bundesstaaten der USA (Oklahoma, Texas, Süd-Kansas) werden nach den Prognosen von Wetterdiensten in den nächsten 10 Tagen Regenfälle von bis zu 10 Inches (25 cm !!!) erwartet. In wichtigen kanadischen Anbaugebieten für den dort dominierenden Sommerweizen fehlt hingegen der Regen und zudem ist sehr kalt, so das die Pflanzen sich schlecht entwickeln. Wegen der Trockenheit ist jedoch die Aussaat des Sommerweizens in Kanada (ähnlich wie im Norden der USA) schon sehr weit fortgeshritten und liegt mit etwa 64 % deutlich über dem langjährigen Mittel von 24 %. Im Norden der USA ist das diesjährige Aussaattempo bei Sommerweizen mit 94 % im Vergleich zu 65 % im langjährigen Mittel ebenfalls witterungsbedingt (trocken) ungewöhnlich hoch.
 
Trockenheit und langsame Aussaat in Russland
Hinzu kommt dass es derzeit auch in den südrussischen Zentren des Weizenanbaus bis auf weiteres deutlich zu trocken ist und die Befürchtungen der Analysten über Produktionsausfälle kräftig zunehmen. Dabei läuft die Aussaat von Sommerweizen (mehr als die Hälfte der gesamten Weitenfläche von etwa 25 Mio. ha) in Russland deutlich langsamer als sonst üblich. Derzeit sind erste 5,1 Mio. ha Sommerweizen gepflanzt und damit erst 35,5 % der geplanten Fläche von 13,2 Mio. ha.
 
Weizenpreise jetzt über 185 Euro
Am Freitag Vormittag klettern die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt weiter nach oben. Der Septemberkontrakt (neue Ernte) beginnt den Handel mit einem Aufschlag von 1,0 Euro bei 186,0 Euro/t. Der Dezember-Weizen wird mit 187,50 Euro gehandelt und damit 1,50 Euro höher als am Vortag. Am gestrigen Donnerstag sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt sehr kräftig bis auf 185 Euro gestiegen. Seit Anfang Mai sind die Weizenpreise in Europa damit um knapp 15 Euro oder knapp 9 % gestiegen. Der Septemberkontrakt (neue Ernte) für den MATIF-Weizen ging am Donnerstag mit 185,0 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (180,50 Euro) sind die Preise damit um 4,50 Euro bzw. 2,5 % gestiegen. Der Dezember-Termin kostete am zum Handelsschluss 186,0 Euro und damit 4,25 Euro mehr als am Vortag (181,75 Euro). Im Vergleich zum Vorjahr (195,50 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 10,5 Euro niedriger.
 
Weizenpreise auch am Kassamarkt gestiegen, Luft nach oben
Am deutschen Kassamarkt werden die Weizenpreise den kräftig gestiegenen Terminmarktpreisen wohl weiter nach oben folgen. Zwar sind die Kassapreise in den beiden letzten Wochen ebenfalls um rund 10 Euro gestiegen, jedoch lag der Anstieg der Terminmarktkurse im gleichen Zeitraum bei etwa 15 Euro. Am Donnerstag (21.05.) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 184 Euro/t und damit 10 Euro höher als am Freitag vor zwei Wochen (173 Euro) und etwa 2 Euro höher als zum Wochenbeginn. Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg am Donnerstag durchschnittlich 194 Euro/t geboten und damit 11 Euro höhere Preise als am Freitag vor zwei Wochen (183 Euro).
 
Qualitätsprämien für die neue Ernte schrumpfen
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise am Donnerstag im Schnitt bei 224 Euro und damit nur 6 Euro höher als vor 14 Tagen (218 Euro). Damit sind die Prämien für Qualitätsweizen gegenüber Brotweizen zuletzt deutlich zusammengeschrumpft. Auch für die neue Ernte fallen die Prämien für Qualitätsweizen deutlich geringer aus im zurückliegenden Jahr. Während die Preisangebote für Brotweizen der neuen Ernte in Hamburg etwa auf dem aktuelle Preisniveau lagen (183 Euro), beträgt der Preisabschlag für A-Weizen rund 5 Euro (189 Euro) und für E-Weizen sogar 17 Euro (207 Euro).
 
Kräftiger Preisanstieg in Frankreich
Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg am Donnerstag mit 178 Euro gehandelte und damit ähnlich teuer wie vor zwei Wochen und 2 Euro teure als zu Wochenbeginn. Die Preisangebote für Futterweizen der neuen Ernte liegen in Hamburg auf einem ähnlichen Niveau wie die aktuellen Preise. Beim größten europäischen Exporteur Frankreich, wurde für Brotweizen der neuen Ernte mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am heutigen Freitag 179 Euro geboten. Das waren 9 Euro höhere Preise als vor einer Woche (170 Euro).
 
Preise auch in Ostdeutschland kräftig gestiegen
In Ostdeutschland verlief die Entwicklung der Preise für Weizen ähnlich wie an den Exporthäfen. Innerhalb der letzten 2 Woche sind die Großhandelspreise an den ostdeutschen Handelsplätzen um rund 11 Euro bzw. 7 % gestiegen. Mitte der Woche meldete man aus Sachsen für Brotweizen mit 12 % Protein Großhandelspreise von 160 Euro und für A-Weizen mit 13 % Protein wurden 170 Euro notiert. Die Preismeldung aus Brandenburg für Brotweizen mit 12 % Protein lag bei 165 Euro und für A-Weizen mit 13 % Protein lagen die Preisangebote bei 175 Euro. In Thüringen (Erfurt) notierte man für Brotweizen mit 12 % Protein 160 Euro, für A-Weizen mit 13 % Protein 170 Euro und für E-Weizen mit 14 % Protein 195 Euro und vom Großmarkt in Halle (Sachsen-Anhalt) meldete man für Brotweizen mit 12 % Protein ebenfalls 160 Euro, für A-Weizen mit 13 % Protein 170 Euro und für E-Weizen mit 14 % Protein noch 200 Euro.
 
In Niedersachsen stabile Erwartungen bei Brotweizen
Aus Niedersachsen wurden in Mitte dieser Woche für Brotweizen mit 12 % Protein Angebotspreise von 174 Euro bis 176 Euro gemeldet. Fob-Mittellandkanal lagen die Brotweizenpreise etwa bei 174 Euro und die Angebote für die neue Ernte bewegten sich auf ähnlichem Niveau. Für A-Weizen mit 13 % Protein lagen die aktuellen Preise in Niedersachsen zwischen 186 Euro und 189 Euro und für E-Weizen mit 14 % Protein bei 215 Euro. Für die neue Ernte wurden für A-Weizen Preise von 178 bis 182 geboten (-8 Euro) und für E-Weizen 195 Euro (-20 Euro). Auch hier sind Prämien für Qualitätsweizen der neuen ernte deutlich niedriger als die für die noch gehandelte (und vor allem exportiere) alte Ernte.
 
Auch in Süddeutschland Abschläge für Qualitätsweizen
Vom süddeutschen Großmarkt in München wurden in Mitte der Woche für Brotweizen mit 11,5 % Protein Preise von 165 Euro bis 170 Euro gemeldet. Ex-Ernte lagen die Preisvorstellungen hier bei 168 Euro und damit auf einem ähnlichen Niveau. Für A-Weizen mit mindestens 13 % Protein lagen die aktuellen Preisangebote in München in einer sehr weiten Spanne zwischen 182 Euro und 192 Euro. Für die neue Ernte wurden in München für A-Weizen Preise allerdings nur noch Preise von 173 bis 180 geboten (-11 Euro). Futterweizen wurden aktuell in München mit 158 Euro gehandelt du die Preisvorstellelungen exErnte lagen bei 160 Euro und damit etwa höher.
 
Dr. Olaf Zinke // Redktionlieiert Markt
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