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Analyse

Preisrallye bei Weizen wegen russischer Exportbeschränkung

von , am
02.12.2014

Auslöser für die Preisrallye war die Ankündigung der russischen Behörde für Veterinär- und Phytosanitäre Überwachung und Kontrolle Rosselkhznadzor, den russischen Getreideexport über sogenannte Offshore-Märke zu beschränken bzw. zu verbieten

Der Internationale Getreiderat setzte sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben. © Mühlhausen/landpixel
Um mehr als 5 Prozent sind die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago am Montag gestiegen. Damit durchbrachen die Weizenpreise in den USA erstmals seit Juli 2014 wieder die Marke von 600 Ct je Buschel (177 Euro) nach oben und stiegen auf den höchsten Stand seit 5 Monaten. Auch in Europa dürfte die Weizenpreise auf diese Entwicklung mit einem weiteren Anstieg reagieren. Auslöser für die Preisrallye war die Ankündigung der russischen Behörde für Veterinär- und Phytosanitäre Überwachung und Kontrolle Rosselkhznadzor, den russischen Getreideexport über sogenannte Offshore-Märke zu beschränken bzw. zu verbieten. Das berichteten am Montag russische Medien (Tass) unter Berufung auf Gespräche zwischen dem Leiter von Rosselkhznadzor Sergei Dankvert sowie dem russischen Landwirtschaftsministerium. Sollt sich diese Ankündigung bestätigen, hätte das wohl auch beträchtliche Auswirkungen auf den europäische Getreideexport und die weitere Entwicklung der Getreidepreise, denn die Russland ist der wichtigste Wettbewerber der Europäer bei Weizenexport.
 
Verbot der Offshore-Exporte geplant
Bei den geplanten Beschränkungen geht es offenbar um die Abwicklung der Exportgeschäfte von Getreide durch internationale Handelsunternehmen über sogenannte Offshore-Märkte. Offshore-Märkte liegen gewöhnlich außerhalb de Reichweite der Regulierungs-Kompetenzen nationaler Behörden und bieten den Unternehmen deutlich günstigere Rahmenbedingungen (Steuern, Zölle, Kredite) für die Abwicklung von Geschäften. Kurz zuvor hat das russische Parlament ein sogenanntes Anti-Offshore-Gesetz beschlossen und der russische Präsident hat dieses Gesetz bereits unterzeichnet. Darin geht es auch um die Behandlung von multinationalen Unternehmen (z. B. Getreidehändler). Die wichtigsten Abnehmer (Importeure) von russischem Weizen sind derzeit die Türkei, Ägypten, Jemen, Israel, der Sudan, Südafrika, der Iran und Südkorea. Die Belieferung dieser Länder wickeln die internationalen Getreidehändler überwiegend über die sogenannten Offshore-Märkte ab.
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Einhaltung der phytosanitären Auflagen gefordert
Neben den  massiven steuerlichen Verlusten beim Offshore-Export, bemängelt Rosselkhznadzor allerdings auch die Nichteinhaltung der russischen Qualitätsanforderungen beim Export von russischem Getreide über die Offshore-Märkte, insbesondere die Nichteinhaltung der phytosanitären Auflagen. Diese Entwicklung könnt nach Einschätzung von Rosselkhznadzor das Image der russischen Getreide-Exporte nachhaltig schädigen. Außerdem werden nach Einschätzung der russischen Behörden durch die multinationalen Getreidehändler auch ukrainische Exporte mit russischen Zertifikaten abgewickelt. Auch dies möchte man offensichtlich unterbinden.
 
Getreide-Exporte bisher ein Viertel größer als 2013
In den ersten Monaten des aktuellen Wirtschaftsjahres laufen die russischen Getreideexporte außergewöhnlich gut und bei Weizen und Gerste auf Rekordniveau. Die offiziellen russischen Erwartungen an die Getreideexporte 2014/15 lagen zuletzt bei etwa 30 Mio. t, davon entfallen etwa 22 Mio. t bis 23 Mio. t auf Weizen, 3 Mio. t auf Mais und mehr als 4 Mio. t auf Gerste. Bis zum 24 November 2014 wurde nach russischen Angaben bereits 17,86 Mio. t Getreide exportiert und damit 23 Prozent mehr als im letzten Jahr zu diesem Termin (13,6 Mio. t). Von den bisherigen Gesamtausfuhren waren 14,2 Mio. t Weizen, 2,54 Mio. Gerste und 0,8 Mio. t Mais.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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