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Analyse

Preisrallye am Weizenmarkt geht weiter

von , am
16.12.2014

Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise am Montag auf 190 Euro gestiegen und am Dienstag Vormittag steigen die Preise weiter.

© landpixel
Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise am Montag auf 190 Euro gestiegen und am Dienstag Vormittag steigen die Preise weiter. Auslöser für den Preisanstieg waren erneut Berichte aus Russland über eine Regulierung der Weizenexporte ab dem neuen Jahr. Ein Eingreifen der russischen Regierung in den Export würde die Angebotssituation an den Exportmärkten für Weizen deutlich verändern. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage nach europäischem Weizen weiter zunehmen und auch für den derzeit nicht besonders gut laufenden Export der USA (und andere Wettberber wie der Ukraine, Kanada, oder Australien) würden sich neue Möglichkeiten ergeben.
 
Wettbewerbsvorteile durch Abwertung des Rubels
Ursache für die russischen Überlegungen ist der starke Anstieg der russischen Nahrungsmittelpreise (auch der Brotpreise) am russischen Binnenmarkt. Gleichzeitig befindet sich die russische Währung gegenüber Dollar und Euro im freien Fall und hat seit Ende September über 40 % an Wert verloren. Damit wird russischer Weizen an den Exportmärkten (in US-Dollar) sogar billiger bzw. verteuert sich nicht, obgleich die Preise am russischen Binnenmarkt kontinuierlich steigen. In Verbindung mit der sehr guten russischen Weizenernte von etwa 59 bis 60 Mio. t Mio. t hat diese Entwicklung zu einem Wettbewerbsvorteil an den Exportmärkten du einem kräftigen Anstieg der Weizen- und der Gerstenexporte auf neue Rekordmarken geführt.
 
Russiche Getreideexporte ein Drittel höher als 2013
Die russischen Behörden melden in diesem Wirtschaftsjahr bis zum 10ten Dezember Getreideexporte von 18,96 Mio. t. Das ist im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr (14,3 Mio. t) ein Anstieg der Ausfuhren von knapp 33 % bzw. 4,7 Mio. t. Von diesen Ausfuhren waren bisher 15,1 Mio. t bzw. 80 % Weizen, 2,76 Mio. t Gerste sowie 0,9 Mio. t Mais. Die Russen selbst gingen bislang für das gesamte Wirtschaftsjahr von Getreideexporten von etwa 30 Mio. t aus. Die Analysten des USDA haben im Dezember für das Gesamtjahr russische Weizenexporte von 22,0 Mio. t erwartetet und damit etwas weniger als im November (22,5 Mio. t), jedoch deutlich mehr als im letzten Jahr mit 18,5 Mio. t. Damit wären die Russen nach der EU (29,0 Mio. t), den USA (25,5 Mio. t) und Kanada (23,0 Mio. t) die Nummer vier unter den großen Weizenexporteuren.
 
Kein Exportverbot, aber Regulierung geplant
Trotz der russischen Bestrebungen die Ausfuhr stärker zu regulieren hat sich der russische Landwirtschaftsminister Fedorov diese Wohe noch einmal ausdrücklich gegen ein generelles Exportverbot (wie im Jahr 2010) ausgesprochen, zumal dies auch gegen WTO-Bestimmungen verstoßen würde. Dennoch suchen sie Russen einem Weg die Ausfuhren stärker zu regulieren. Möglichkeiten die von russischer Seite diskutiert werden, sind unter anderem die Regulierung der Exporte über flexible Ausfuhrzölle. Damit könnte man zudem die sogenannten Offshore-Exporte einschränken. Außerdem will man die bereits laufenden staatlichen Interventionsankäufe zur Marktregulierung nutzten und auch die zinsgünstige Kreditvergabe an Getreideverarbeiter ist im Gespräch.
 
Europäische Weizenpreise steigen über 190 Euro
Die Weizenpreise sind am europäischen Terminmarkt für den Januarkontrakt sind am Montag (15.12) um knapp 1 % bzw. 1,25 Euro gestiegen und beendeten den Handel bei 190 Euro/t. Am heutigen Dienstag (15.12) Vormittag starten die Weizenpreise am Terminmarkt in Paris mit einem weiteren Plus von 2,5 Euro bei 192,50 Euro. Damit hat der Weizen am Terminmarkt auch das Preisniveau von 2013 (15. Dezember 2013) erreicht (193 Euro). Für die hinteren Termine sind die Preise am Montag (15.12) ebenfalls gestiegen und kletterten auch am Dienstag weiter. Der Märzkontrakt notierte am Montag bei knapp 191,95 Euro und liegt am Dienstag Vormittag bei 193,25 Euro und der Maitermin ging am Montag mit 193,0 Euro aus dem Handel und notiert Dienstag Vormittag bei 194,25 Euro.
 
Kassapreise ziehen nach
Am deutschen Kassamarkt hatten sich die Weizenpreise am Montag zunächst kaum verändert, dürften jedoch am Dienstag den Terminmarktpreisen nach oben folgen. Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für Januar am Montag (15.12) mit 198 Euro/t . Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg für den Januar 208 Euro/t geboten. Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise bei 220 Euro. Gleichzeitig wurde der Futterweizen mit 183 Euro notiert Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen 186 Euro/t. Die Preise für A- und E-Weizen liegen an den deutschen Exporthäfen derzeit etwa so hoch wie im letzten Jahr und Brotweizen ist derzeit knapp 10 Euro preiswerter als 2013. Futterweizen wird 20 Euro billiger gehandelt als im Dezember 2013.
 
Dr. Olaf Zinke
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