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Analyse

Regen drückt auf Weizenpreise, Kassapreise behauptet

von , am
13.04.2015

Die Weizenpreise kommen zum Beginn der neuen Woche am Terminmarkt unter Druck.

© landpixel
Die Weizenpreise kommen zum Beginn der neuen Woche am Terminmarkt unter Druck. Grund sind die aus den USA gemeldeten zum Teil ergiebigen Regenfälle in wichtigen Anbaugebieten für Winterweizen. Dies dürfte nach Einschätzung von Analysten zur Verbesserung des Ertragspotentials vor allem beim proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter führen. Außerdem meldete man sowohl auch aus den wichtigen Weizenanbaugebieten Russlands und der Ukraine sowie aus der Europäischen Union ebenfalls Regenfälle mit entsprechenden Auswirkungen auf die Produktions- und Preiserwartungen für die neue Ernte. Anders als am Terminmarkt können sich die Kassapreise an den deutschen Exporthäfen zum Wochenbeginn zunächst behaupten.
 
Europäische Exporte letzte Woche schwach
Die Exportdaten der USA waren in der letzten Woche allerdings besser als von Analysten zuvor erwartet wurde, während die bislang rekordhohen Ausfuhren der Europäer (trotz des deutlich nachgebenden Euros) vorige Woche auf den tiefsten Stand seit 9 Monaten fielen (Osterferien). Gleichzeitig kaufte Saudi-Arabien am Ende der vorigen Woche jedoch insgesamt 780.000 t proteinreichen Weizen (12,5 %) auch in Europa. Zudem hat das USDA die für das aktuelle Wirtschaftsjahr erwarteten Exporte der Europäer von 31,5 Mio. t auf den neuen Rekordwert von 33,5 Mio. t nach oben geschraubt, während man die US-Exporte auf 24,0 Mio. t und damit auf den den tiefsten Stand seit 5 Jahren nach unten korrigierte. Jordanien kaufte in der vorigen Woche ebenfalls 100.000 t Weizen zur Lieferung von Oktober/November 2015 zum fob-Preis von 231 USD/t (218 Euro).
 
Weizenpreise am Terminmarkt unter Druck
Am Montag Vormittag folgt der Weizen am europäischen Terminmarkt den sehr schwachen Vorgaben aus Chicago und gibt um etwa 2,0 Euro auf 188,25 Euro/t nach. Die neue Ernte (September) kostete am Montag Vormittag 189,0 Euro und damit 2,75 Euro weniger als am Vortag (191,75 Euro). Am Freitag hatten die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt noch leicht zugelegt. Der Maikontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 190,25 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zur Vorwoche (193,50 Euro) sind die Preise an der MATIF damit um rund 1,7 % bzw. 3,25 Euro zurückgegangen. Die neue Ernte (September) kostete am vorigen Freitag 191,75 Euro und damit 1,75 Euro mehr als am Vortag (190,0 Euro) und 5,25 Euro weniger als vor einer Woche (193,25 Euro). Gleichzeitig waren die Preise für die neue ezropäische Weizenernte (September) 1,50 Euro höher als die Preise für den aktuellen Mai-Kontrakt. Im Vergleich zum Vorjahr (204,25 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 17,50 Euro niedriger.
 
Weizenpreise am Kassamarkt leicht nachgegeben
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der vorigen Woche zurückgegangen. Am heutigen Montag können sich die Preise jedoch zunächst noch behaupten. Grund dürfte die wieder anziehende Exportnachfrage nach den Osterfeiertagen sein. Am Montag (13.04) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg mit 189 Euro/t und damit 3 Euro niedriger wie am Montag zuvor (192 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg am Montag 199 Euro/t geboten und damit 3 Euro weniger als eine Woche (202 Euro) zuvor. Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 234 Euro und damit ebenfalls 3 Euro niedriger als eine Woche (237 Euro) zuvor. Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg am Montag mit 181 Euro gehandelt und damit 3 Euro niedriger eine Woche zuvor (184 Euro).
 
USA: Regen drückt Weizenpreise nach unten
Am Montag Vormittag (MEZ) liegen die Weizenpreise in Chicago (SRW) im elektronischen Handel 2,3 % im Minus bei 514,4 Ct je Buschel (178,2 Euro). Für den in Kansas gehandelte proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter (HRW) geben die Preise am Montag Vormittag sogar um 2,6 % auf 544,4 US/t (188,5 Euro) nach. Grund für den Preisrückgang sind recht kräftige Regenfälle in den südlichen Weizenanbaugebieten. Am vorigen Freitag (10.04) hatten die Weizenpreise (Maikontrakt) am Terminmarkt in Chicago zunächst kräftig zugelegt. Der Maikontrakt ging mit einem Aufschlag von 1,5 % auf 526,4 Ct je Buschel (182,3 Euro/t) aus dem Handel. Im Wochenvergleich haben sich die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago (Soft Red Winter) damit knapp behauptet. Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter legten die Preise am vorigen Freitag um 1,3 % auf 558,6 US/t (194,5 Euro) zu.
 
Neue US-Ernte im Export unterschiedlich bewertet
An den US-Exporthäfen wurde der Chicago-Weizen (SRW) am vergangenen Freitag für 233 USD/t (220 Euro) verladen. Für den proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter lagen die Preisforderungen an den US-Exporthäfen am Freitag bei 254 USD/t (239 Euro). Die Preisvorstellungen (fob) für die neue US-Ernte (August) lagen beim Chicago Weizen (SRW) bei 226 USD/t (213 Euro) und beim Hard Red Winter bei 261 USD/t (246 Euro). Damit liegen die Preisvorstellungen für neuerntigen Weizen der Sorte SRW 7 USD/t niedriger als die aktuellen Preise und der proteinreiche HRW kostetet zur neuen Ernte 7 Euro mehr wie die aktuelle Verladung im April.
 
Schwache Exportwoche der Europäer (Ostern)
Die wöchentlichen Exportverkäufe (Lizenzen) von Weizen aus der Europäischen Union in Drittländer sind in der letzten Abrechnungswoche (Osterwoche) auf den tiefsten Stand seit 9 Monaten gefallen. Allerdings waren die Exportverkäufe in der Woche zuvor auch sehr hoch. Die EU-Kommission meldet für die Woche bis 07. April Exportverkäufe von 189. 000 t und damit einen Rückgang um 82 % gegenüber der Vorwoche (1.070.000 t). Insgesamt haben die Europäer im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 allerdings schon 25,68 Mio. t Weichweizen in Drittländer verkauft und damit 1,82 Mio. t mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 mit 23,86 Mio. t. Die Gesamtausfuhrmenge Deutschlands liegt derzeit bei 6,85 Mio. t, Frankreich verkaufte bislang 7,89 Mio. t Weizen in Drittländer. Der fallende Euro dürfte der Wettbewerbsposition der Europäer verbessern und die Exporte erneut ankurbeln.
 
US-Weizen-Exporte besser als erwartet
Die Exportverkäufe der USA haben in der letzten Woche der Erwartungen der Analysten übertroffen und waren erstmals seit langem sogar wieder höher als die Ausfuhren der Europäer. Das USDA meldet für die letzte Abrechnungswoche Exportverkäufe (netto, abzüglich Stornierungen) für 2014/15 von 319.900 t Weizen. Das waren 97 % mehr als in der Vorwoche und zudem mehr als die Analysten zuvor mit 50.000 t bis 100.000 t erwartet hatten. Insgesamt haben die USA damit bis zum aktuellen Termin rund 23,23 Mio. t Weizen ins Ausland verkauft. Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2014/15 erwartet das USDA derzeit US-Weizenexporte von 24,49 Mio. t und damit nur noch Ausfuhren von 1,26 Mio. t. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2013/14 lag die US-Ausfuhrmenge zum aktuellen Termin bei 30,29 Mio. t und war damit 30 % oder 7,1 Mio. t größer.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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