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Analyse

Russland: Weizenernte beginnt, Ernteprognosen bleiben hoch

von , am
20.06.2014

© Rainer Sturm
 
In Südrussland (Krasnodar) und im Nordkaukasus (Stawropol) sowie auf der Krim beginnt dieser Tage die Getreideernte (Winterweizen). Gleichzeitig kommt die Aussaat von Sommergetreide in den weiter östlich gelegenen Landesteilen zum Abschluss. Das meldet diese Woche das russische Landwirtschaftsministerium. Anfang Juni hatte das Russlands stellvertretender Landwirtschaftsminister die Prognose zur neuen russischen Getreideernte moderat gesenkt und auch die privaten russischen Analysten von IKAR haben ihre Ernte-Schätzung etwas nach unten korrigiert. Hintergrund ist, dass es in wichtigen Anbaugebieten für Sommerweizen (Wolgaregion) seit Wochen zu wenig Niederschlag gegeben hat und Analysten mittlerweile signifikante Auswirkungen auf das Ertragspotential in den betroffenen Regionen erwarten.
 
Ernteprognosen trotz Korrekturen hoch
Andererseits haben sich die Bestände beim Winterweizen insbesondere in den maßgeblichen Exportregionen Südrusslands sehr gut entwickelt und versprechen hohe Erträge. Die Erwartungen des russischen Landwirtschaftsministeriums an die neue Getreideernte lagen Anfang Juni bei 97 Mio. t. Ende Mai hatte das Ministerium sogar eine Gesamternte von 100 Mio. t für möglich gehalten und Anfang Mai waren es zwischen 95 Mio. t bis 98 Mio. t. Im letzten Jahr (2013) ernteten die Russen insgesamt 92,4 Mio. t Getreide. Die russischen Analysten von IKAR senkten ihre Ernte-Prognose Mitte Juni vor dem Hintergrund der Witterungsverhältnisse im Wolgagebiet ebenfalls auf 93,5 Mio. t, von zuvor 96 Mio. t.
 
Weizenernte wird etwas größer als 2013
Die russische Weizenernte wurde von den russischen Analysten von IKAR Mitte Juni auf 52 bis 53 Mio. t geschätzt, nachdem man zuvor 54,5 Mio. t für möglich gehalten hat. Das russische Landwirtschaftsministerium veranschlagte die neue Weizenente Mitte Juni auf 53 bis 55 Mio. t und liegt damit noch über der im Juni um 1,0 Mio. t nach oben gesetzten Prognose des USDA von 53 Mio. t. Im letzten Jahr (2013) ernteten die Russen 52,1 Mio. t Weizen. Damit liegen die meisten aktuellen Prognosen für die russische Weizenernte etwas über dem Ergebnis aus dem letzten Jahr.
 
Mehr Weizenexporte erwartet
Den möglichen Weizenexport der Russen hat das USDA für das neue Wirtschaftsjahr in seinem Juni-Report auf 19,5 Mio. t geschätzt, nachdem man im Mai noch von 19,0 Mio. t ausgegangen war und die Russen im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr 18,5 Mio. t Weizen exportierten. Grund für den Anstieg der Ausfuhren ist neben den guten Ernteprognosen die kräftige Abwertung des Rubels infolge der Ukrainekrise und die damit verbundene Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des russischen Weizens am Weltmarkt.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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