Login
Analyse

Russlands große Weizenernte drängt auf die Exportmärkte

von , am
12.06.2015

Die Prognosen für die neue russische Weizenernte 2015 wurden zuletzt kräftig nach oben korrigiert.

An der Matif notierte der Weizen gestern wieder bei über 170 Euro je Tonne. © hapo/landpixel
 
Die Prognosen für die neue russische Weizenernte 2015 wurden zuletzt kräftig nach oben korrigiert. In dieser Einschätzung sind sich sowohl das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) als auch die wichtigsten russischen Analysten einig. Differenzen gibt es derzeit eigentlich nur beim Umfang der zu erwarteten Ernte und bei den möglichen Exporten. Dabei spielt auch die ab Juli geltende Ausfuhrregelung (Exportzoll) eine Rolle. Fakt ist jedoch, dass die Russen im neuen Wirtschaftsjahr mit einer weiteren großen Weizenernte wieder großen Einfluss auf die globalen Exportpreise und vor allem auch auf die Exportmöglichkeiten der Europäer haben werden.
 
Größere Winterweizenfläche als 2014
Grund für die aktuelle Aufwärtskorrektur der Weizenernte ist vor allem die nach oben korrigierte Erntefläche. Allerdings verlief die Aussaat von Sommerweizen in diesem Jahr jedoch sehr langsam kam erst Anfang Juni zum Ende. Die Anbaufläche von Sommerweizen erreicht nach den Daten des russischen Landwirtschaftsministeriums in diesem Jahr eine Größenordnung von 13,2 Mio. ha und ist damit 0,2 Mio. ha größer als im letzten Jahr mit rund 13,0 Mio. ha.
Bis zum 08. Juni war der Sommerweizen auf 13,1 Mio. ha bzw. 99,4 % der geplanten Flächen ausgesät. Die derzeit erwartete Erntefläche von Winterweizenfläche liegt (nach Abzug der überraschend geringen Auswinterungsverluste) bei etwa 12 Mio. ha. Damit ist die aktuelle Winterweizenfläche deutlich größer als im letzten Jahr (2014) mit nur 10,6 Mio. ha.
 
Deutlich größere Erntefläche, eher magere Erträge
Insgesamt geht das USDA in seinem aktuellen Juni-Report für Russland für 2015 von einer Gesamt-Erntefläche bei Weizen (Sommer und Winterweizen) von 25,2 Mio. ha aus. Im April war das USDA nur von 25,0 Mio. ha. ausgegangen. Im letzten Jahr (2014) hatte die Erntefläche allerdings nur bei 23,6 Mio. ha gelegen und war damit um 1,4 Mio. ha bzw. gut 6 % kleiner. Auch im Vergleich zur Erntefläche von 2013 von 23,4 Mio. ha wäre die aktuelle Weizenfläche deutlich größer.
Das Ertragspotential veranschlagt das USDA wegen der aktuellen Trockenheit in einigen wichtigen Anbauregionen jedoch nur auf 2,18 t/ha und damit nur wenig größer als im April mit 2,14 t/ha und deutlich schwächer als im vorigen Jahr (2014) mit 2,50 t/ha und auch kleiner als vor zwei Jahren (2013) mit 2,23 t/ha.
{BILD:636766:png}
 
Analysten schätzen noch höher als USDA
Die neue russische Weizenernte 2015 schätzte das USDA in seinem aktuellen Juni-Report auf 55,0 Mio. t und damit (wegen der größeren Fläche) um 1,5 Mio. t größer als im April mit 53,5 Mio. t. Die sehr große Weizenernte vom letzten Jahr (2014) von 59,1 Mio. t, wird nach der aktuellen Prognose des USDA im Jahr 2015 jedoch um 4,1 Mio. t verfehlt. Dagegen wäre die neuen Ernte 2015 rund 3 Mio. t größer als die Weizenernte 2013 mit 52 Mio. t.
Verschiedene russische Analystenfirmen haben die erwartete Produktionsmenge Anfang Juni ebenfalls deutlich nach oben geschätzt und liegen mit ihren Prognosen jetzt durchweg höher als das USDA. So haben die Analysten von Sovecon ihre Schätzung von zuvor 54 Mio. t auf jetzt 57 Mio. t nach oben geschraubt. Die Analystenfirma IKAR geht von einer russischen Weizenernte zwischen 56,0 und 60,0 Mio. t aus und die russische Getreideunion schätzt die erwartete Erntemenge auf 54,0 bis 55,0 Mio. t.
{BILD:636765:png}
 
Weizen-Exporte auch in der neuen Saison sehr hoch
Den russischen Weizen-Export erwarten die USDA-Analysten in ihrem Juni-Report für das Wirtschaftsjahr 2015/16 bei 21,0 Mio. t und damit nur 1,2 Mio. t kleiner als im laufenden Wirtschaftsjahr mit 22,2 Mio. t. Im April hatten die USDA-Experten den russischen Export für das neue Wirtschaftsjahr noch auf 20,0 Mio. t geschätzt und damit etwas kleiner. Vor zwei Jahren (2013/14) lag die Exportmenge nur bei 18,6 Mio. t. Angekurbelt werden die russischen Ausfuhren derzeit durch die extreme Schwäche der russischen Währung gegenüber dem Dollar, was die Wettbewerbsfähigkeit des russischen Weizens am Weltmarkt (weiter verbessert.
Im Vergleich zum Vorjahr hat der Rubel gegenüber dem Dollar rund 56 % an Wert verloren (und damit deutlich mehr als der Euro). Dieser Umstand verbessert neben einer großen Ernte die Wettbewerbsposition der Russen an den Exportmärkte deutlich. Das bestätigen auch die laufenden Exportdaten. Im Zeitraum vom 1. Juli bis Anfang Juni hat Russland bereits 20,6 Mio. t Weizen exportiert. Im Wirtschaftsjahr 2013/14 exportierten die Russen zum gleichen Termin nur 17,95 Mio. t Weizen.
 
Neue Exportregelung greift nur bei Qualitätsweizen
Diskussionen gibt es derzeit über die Auswirkungen der neuen ab Juli geltenden russischen Exportregelung. Die könnte nach Einschätzung de meisten Analysten vor allem die Ausfuhr von (relativ teurem) proteinreichen Weizen und von Hartweizen negativ beeinflussen, während es bei Export von „normalen“ Brotweizen bei gegenwärtigen Preisniveau kaum Auswirkungen geben dürfte. Das wäre sicherlich für deutsche Exporte (Qualitätsweizen) von Vorteil, während der Druck indem vor allem von Frankreich und Rumänien bedienten Marktsegment (Brotweizen) höher wäre.
{BILD:636762:png}
Bei der letzten Exportausschreibung Ägyptens hatte Russland den Weizen der neuen Ernte zu extrem niedrigen fob-Preisen von nur 191 USD USD/ t (170 Euro) verkauft und damit in diesem Wirtschaftsjahr den bisherigen Tiefstand markiert. Die neue Export-Regelung ab dem 01. Juli besagt, dass ein Exportzoll von 50 % des Verkaufspreises erhoben wird, abzüglich 5.500 Rubel (98 USD), jedoch nicht weniger als 50 Rubel je t (0,90 US-Cent). Allerdings muss der Exportpreis für das Wirksamwerden der Regelung über 13.000 Rubel je t Tonne (232 USD/t) steigen. Davon sind die derzeitigen normalen Brotweizenpreise weit entfernt.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt

 
Auch interessant