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Analyse

Russlands Winterweizen in schwachem Zustand

von , am
28.10.2014

Die Aussaat von Winterweizen und anderem Wintergetreide war in Russland Ende Oktober im Wesentlichen abgeschlossen. Die Aufwuchsbedingungen für den russischen Winterweizen sind in diesem Jahr so schlecht wie seit 5 Jahren nicht mehr.

© Mühlhausen/landpixel
 
Die Aussaat von Winterweizen und anderem Wintergetreide war in Russland Ende Oktober im Wesentlichen abgeschlossen. Dabei wurde die gesamte Aussaatfläche von Wintergetreide bis zum 22. Oktober mit 16,2 Mio. ha angegeben. Das entsprach rund 98 % der geplanten Aussaatfläche von Wintergetreide von insgesamt 16,5 Mio. ha. Damit hatten die russischen Landwirte bis zum 22. Oktober auf 3 Mio. ha mehr Wintergetreide bestellt als zum gleichen Termin im letzten Jahr (13,3 Mio. ha). Im Herbst 2013 hatten massive und lang anhaltende Regenfälle die Aussaat von Winterweizen in weiten Teilen Russlands (und der Ukraine) erheblich verzögert. Das hatte dann trotz einer zeitlich noch weit bis in den November andauernden Aussaat zu einer kleineren Aussaatfläche bei Winterweizen geführt. Dies wurde dann allerdings durch eine Ausweitung des Sommerweizenanbaus sowie durch hohe Erträge bei Winter- und Sommerweizen zur Ernte 2014 ausgeglichen.
 
Winterweizen bringt zwei Drittel der Ernte
Am Ende des letzten Jahres (2013) lag die Aussaatfläche von Winterweizen (trotz der sehr langsamen Aussaat) für die Ernte 2014 dann doch noch bei etwa 12,0 Mio. ha. Im Herbst 2012 hatte man auf etwa 12,33 Mio. ha Winterweizen bestellt und im Jahr 2011 waren es 11,86 Mio. ha. Die Aussaatfläche für Sommerweizen lag im Frühjahr 2014 bei etwa 13,0 Mio. ha und war damit größer als im Frühjahr 2013 mit 12,77 Mio. ha und erst recht größer als 2012 mit 11,86 Mio. ha. Insgesamt summiert sich die Aussaatfläche (Sommer- und Winterweizen) für die aktuelle Ernte 2014  damit auf 25 Mio. ha und für die Ernte 2013 auf 25,1 Mio. ha. Bis zum 22. Oktober 2014 ernteten die russischen Landwirte den Weizen (Sommer- und Winterweizen) von 23,1 Mio. ha bzw. von 93,9 % der gesamten Erntefläche. Die Erntemenge betrug bis dahin rund 60,9 Mio. t (Bunkergewicht) und dürfte also noch etwas wachsen. Im Jahr 2013 ernteten die Russen insgesamt 52 Mio. t Weizen und im Dürrejahr 2012 waren es 37,7 Mio. t. Rund zwei Drittel der gesamten russischen Weizen-Produktion entfallen wegen der höheren Erträge gewöhnlich auf Winterweizen und etwa ein Drittel auf Sommerweizen.
 
Wassermangel und Auswinterungsgefahr
Die russische Analystenfirma Sovecon meldete in der vorigen Woche, dass die Aufwuchsbedingungen für den russischen Winterweizen in diesem Jahr so schlecht sind wie seit 5 Jahren nicht mehr. Grund ist (anders als im Vorjahr) der Niederschlagsmangel in einigen wichtigen Anbaugebieten Russlands und auch in der Westukraine. Diese Regionen haben nach Einschätzung von Sovecon seit Anfang September nur 20 Prozent der normalen Niederschlagsmenge bekommen. Das aktuelle Crop-Monitoring zeigt den russischen Winterweizen deshalb in einer so schlechten Verfassung wie seit 5 Jahren (2009) nicht mehr. Problematisch ist zudem, dass in weiten Teilen des Landes der Winter begonnen hat und die Temperaturen oftmals deutlich unter Null Grad absacken. Für die ohnehin geschwächten Weizenpflanzen erhöht sich damit auch Gefahr von Auswinterungsschäden. In den letzten Jahren schwankten die Auswinterungsschäden relativ stark zwischen 2,5 % und 12,6 % (2009/10).
 
Weizenernte 2015 kleiner als 50 Mio. t?
Die russische Weizenernte 2015 könnte vor dem Hintergrund der schlechten Verfassung des Winterweizens und möglicher Auswinterungsschäden deutlich kleiner ausfallen als die relativ große Aussaatfläche erwarten lässt. Die Analysten von Sovecon halten einen Rückgang der Weizenernte unter die Marke 50 Mio. t durchaus für möglich, nach einer Weizenernte von 59 Mio. t bis 61 Mio. t in diesem Jahr. Die Gesamternte von Getreide erwartet Sovecon dann für 2015 deshalb kleiner als 90 Mio. t. Andere russische Analysten liegen für 2015 bislang noch deutlich höher, dabei ist die Spanne der Schätzungen noch relativ groß. So liegen die Erwartungen derzeit zwischen 90 Mio. t und 104 Mio. t. Die bisherige Gesamternte 2014 lag am 22. Oktober bei 106,2 Mio. t (Bunkergewicht) von 93,8 % der insgesamt geschätzten Erntefläche (einschließlich Mais und Ölsaaten) von 45,2 Mio. ha. Im Jahr 2013 waren hatte man zu diesem Termin 88,6 Mio. t von 40,2 Mio. ha geerntet und damit 17 % weniger.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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