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Analyse

Russland/Weizen: Gute Ernte und mehr Exporte erwartet

von , am
08.04.2014

Die Erwartungen an die neue russische Weizenernte 2014 sind optimistisch. Die Exporte erwarten die USDA-Experten mindestens auf dem Stand des aktuellen Wirtschaftsjahres 2013/14

© Mühlhausen/landpixel
Die Erwartungen an die neue russische Weizenernte 2014 sind optimistisch. Das bestätigt Anfang April auch das USDA-Büro in Moskau mit einer ersten Prognose. Danach könnte die Produktion trotz einer witterungsbedingt kleineren Aussaatfläche bei Winterweizen ähnlich groß ausfallen wie im letzten Jahr. Die Exporte erwarten die USDA-Experten mindestens auf dem Stand des aktuellen Wirtschaftsjahres 2013/14. Allerdings sind alle Einschätzungen noch sehr vorläufig, denn die Aussaat von Sommerweizen, der etwa ein Drittel zur russischen Weizen-Ernte beisteuert, hat gerade erst begonnen. Die hohen und weiter steigenden Weizenpreise und die guten Aussaatbedingungen dürften jedoch zu einer deutlichen Ausweitung des Anbaus von Sommerweizen führen.
 
Witterungsbedingt weniger Winterweizen
Im letzten Herbst hatten die russischen Landwirte den Winterweizen nicht auf den zuvor geplanten Flächen aussäen können. Grund waren die massiven und lang andauernden Regenfälle, die die Feldarbeiten stark behinderten. Russische Schätzungen gehen von einer insgesamt 10 % kleineren Aussaatfläche bei Winterweizen als geplant aus. Betroffen ist ganz besonders Zentralrussland mit etwa 20 % nicht bestellter Fläche. Allerdings sind die Auswinterungsschäden in diesem Jahr sehr gering und in einigen sehr wichtigen Anbauregionen ist die nicht bestellte Fläche deutlich kleiner. So meldet man aus den Haupanbaugebieten für Winterweizen in Krasnodar, Stavropol und Rostov nur einen Rückstand von etwa 5 % bei der Aussaat. Gleichzeitig geht man davon aus, dass der Anbau von Sommerweizen wegen der hohen Preise kräftig ausgeweitet wird.
 
Anbau von Sommerweizen wird ausgeweitet
Insgesamt unterstellt das USDA-Büro in Russland für 2014 eine Erntefläche bei Weizen von 23,3 Mio. ha. Die Produktion wird auf 52,0 Mio. t geschätzt und wäre damit in etwa so groß wie im letzten Jahr (2013) mit 52,1 Mio. t. Im Jahr 2013 ernteten die russischen Landwirte den Weizen ebenfalls von einer Fläche von 23,3 Mio. ha. Dabei hatte Aussaatfläche für die Ernte 2013 zunächst bei etwa 25 Mio. ha gelegen. (Davon wurde auf 12,3 Mio. ha Winterweizen ausgesät und auf 12,7 Mio. ha Sommerweizen). In diesem Jahr (2014) könnte die Aussaatfläche von Sommerweizen mit etwa 13,2 Mio. ha fast 0,5 Mio. ha größer sein als 2013. Der Anteil von Sommerweizen an der letzten Ernte (2013) lag wegen der niedriergen Erträge bei etwa einem Drittel (16,1 Mio. t). Dagegen steuerte Winterweizen 2013 mit etwa 35,9 Mio. t mehr als zwei Drittel zur Produktion bei.
 
Exporte etwas größer erwartet
Den Export erwarten die USDA-Analysten für das neue Wirtschaftsjahr mit 18,0 Mio. t etwas größer als im laufenden Wirtschaftsjahr (17,5 Mio. t). Ursache für den Anstieg der Ausfuhren  ist unter anderem die Abwertung der russischen Währung, was die Wettbewerbsfähigkeit des russischen Weizens am Weltmarkt verbessert hat. Das zeigen auch die aktuellen Exportdaten. Im Zeitraum vom 1. Juli 2013  bis 2. April 2014 hat Russland bereits 15,4 Mio. t Weizen exportiert. Für das gesamte Wirtschaftsjahr bis Juni 2014 erwarten Analysten bislang Ausfuhren von 17,5 Mio. t, was einer noch verbleibenden Ausfuhrmenge von gut 2,0 Mio. t entspricht. Im gesamten Wirtschaftsjahr 2012/13 exportierten die Russen gerade einmal 11,2 Mio. t Weizen.
 
Russische Weizenpreise kräftig gestiegen
Den russischen Eigenbedarf (Verbrauch) an Weizen schätzt das USDA für das Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 22 Mio. t, nach 21,5 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr 2013/14. Etwa 13 Mio. t oder 60 % der Verbrauchsmenge wird verfüttert. Die Endbestände sollen mit rund 6 Mio. t ähnlich groß sein wie im aktuellen Wirtschaftsjahr. Die Preise für Weizen sind am russischen Binnenmarkt in den letzten beiden Wochen um rund 10 Euro/t gestiegen und seit Anfang März um etwa 25 Euro/t. Die russsischen Analysten von SovEcon ermittelten Anfang April für Brotweizen der Klasse 3 einen durchschnittlichen Großhandelspreis von umgerechnet 185 Euro (9025 Rubel). Der Preis für Weizen der Klasse 4 lag bei umgerechnet 182 Euro (8900 Rubel). Futterweizen wurde am russischen Binnenmarkt für umgerechnet 166 Euro (8125 Rubel) gehandelt.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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