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Analyse

Scharfe Korrektur der Weizenpreise geht weiter

von , am
24.08.2015

Die Preise fallen sowohl in Europa als in auch in Übersee sehr kräftig.

© landpixel
 
Die Richtung am Weizenmarkt zeigt weiter deutlich nach unten. Die Preise fallen sowohl in Europa als in auch in Übersee sehr kräftig. Dabei ignoriert der Markt derzeit auch die eher bullischen Nachrichten, wie etwa die deutlich nach unten korrigierte Weizenernte in Kanada. Gleichzeitig sind die Erntemeldungen aus Europa jedoch sehr gut und übertreffen zumeist die witterungsbedingt deutlich vorsichtigeren Erwartungen der Analysten. Nicht nur die französische Rekordernte von mehr als 40 Mio. t drückt massiv auf die europäischen Weizenpreise sondern auch die aktuellen Meldungen vom drittgrößten europäischen Weizenproduzten, dem Vereinigten Königreich.
 
Große Weizenernte im Vereinigten Königreich
Im Vereinigten Königreich waren vorige Woche zwar erst 40 % der Winterweizenernte eingebracht, die Winterweizen-Erträge lagen jedoch mit 8,3 t/ha bis 8,6 t/ha deutlich über dem langjährigen Mittel (7,7 t/ha) und der durchschnittliche Proteingehalt lag bei sehr guten 12,5 %. Damit ist wohl auch im Vereinigten Königreich eine relativ deutlich Korrektur der Ernte nach oben zu erwarteten. Druck auf die Weizenpreise geht zudem von dem zuletzt weiter gestiegen Euro aus. Diese Entwicklung verteuert die für den europäischen Markt wichtigsten Exporte, zumal der Rubel gleichzeitig mit den fallenden Ölpreisen nochmals deutlich nachgegeben hat und die Stellung des wichtigsten europäischen Wettbewerbers an den Exportmärkten verbessert.
 
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Wieder einmal China
Ausgesprochen bärisch wirkt zudem die derzeitige makroökonomische Situation auf die Getreide- und Agrarpreise insgesamt. Vor allem die deutliche Abschwächung der chinesischen Wirtschaftsdynamik setzt die globalen Agrar- und Rohstoffpreise massiv unter Druck. Außerdem könnte eine offenbar von Chinesen geplante Reform der Getreidemarktordnung erhebliche Mengen vor allem Mais aber auch Weizen freisetzen. Bei beiden Getreidearten (vor allem bei Mais) sind die zentral regulierten Binnenmarktpreise erheblich höher als die Weltmarktpreise. Gleichzeitig verfügt China über die größten globalen Bestände bei beiden Getreidearten.
 
Weizenexporte bislang sehr gut
Bisher läuft der europäische Export bei Weizen jedoch sehr gut und liegt weiter über den sehr guten Vorjahresdaten. In den ersten sieben Wochen des neuen Wirtschaftsjahres 2015/16 wurden nach den Angaben der EU-Kommission etwa 2,87 Mio. t Weichweizen der neuen Ernte ins Ausland verkauft. Das ist eine 13 % größere Exportmenge als im Rekordjahr 2014/15 zu diesem Termin (2,54Mio. t). Größter Einzelexporteur in den ist Frankreich, mit einer Verkaufsmenge von insgesamt 1,22 t Weizen. Die zweitgrößte Exportmenge kam mit 714.598 t Weizen aus Deutschland und 439.428 t wurden aus Rumänien verkauft.
 
Europäische Weizenpreise fallen immer weiter
Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise am Freitag (21.08) weiter gefallen. Der Septembertermin (neue Ernte) beendete den Handel am Freitag bei 166,75 Euro/t und damit 2,25 Euro bzw. 1,3 % niedriger als am Vortag (169,0 Euro). Der Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging mit 176,0 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (178,75 Euro) sind die Dezemberpreise damit um 1,5 % bzw. 2,75 Euro gefallen. Im Vergleich zur letzten Preisspitze beim Weizen von Anfang Juli (205 Euro) sind die Weizenpreise mittlerweile rund 38,25 Euro bzw. rund 19 % niedriger. Das Preisniveau vom Vorjahr (185,25 Euro) wird am europäischen Terminmarkt um 18,25 Euro bzw. 10 % verfehlt.
 
Am Montag Vormittag geben die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt weiter nach. Der Septemberkontrakt geht zum Handelsbeginn um weitere 3,00 Euro zurück und notiert nur noch 163,75 Euro.
 
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Kassapreise geben weiter deutlich nach
Am deutschen Kassamarkt haben die Preise im Verlauf der vorigen Woche weiter nachgegeben und geben auch zum Beginn der neuen Woche weiter nach.Am vorigen Freitag (21.08) handelte man den Brotweizen der neuen Ernte mit 12 % Protein am deutschen Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 176 Euro/t. Das waren nochmals 5 Euro weniger als am Freitag vor einer Woche (183 Euro) und 34 Euro weniger als zur letzten Preisspitze (210 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (August 2014) lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg bei etwa 180 Euro und waren damit rund 4 Euro höher.
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am vorigen Freitag (21.08) durchschnittlich 181 Euro/t geboten und damit 7 Euro niedrigere Preise als vor einer Woche (188) und 39 Euro weniger als zur letzten Preisspitze (220 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (August 2014) handelte man A-Weizen in Hamburg mit 185 Euro und damit zu 4 Euro höheren Preisen als in diesem Jahr.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise in Hamburg am Ende der vorigen Woche (21.08) bei 191 Euro und damit 7 Euro niedriger als eine Woche zuvor (198 Euro) und sogar 59 Euro niedriger als zur letzten Preisspitze (250 Euro) Anfang Juli. Vor einem Jahr (August 2014) lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei etwa 195 Euro und waren damit 4 Euro höher als die aktuellen Preise.
 
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde für Brotweizen der neuen Ernte (11 % Protein) am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Montag dieser Woche (24.08) 158 Euro je t geboten und  damit  9 Euro weniger als vor einer Woche (167 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke
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