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Analyse

Trotz hoher Hartweizen-Preise wächst die Produktion kaum

von , am
17.03.2015

Der Anbau von Hartweizen (Durum) für die Ernte 2015 wird in der europäischen Union trotz der sehr hohen Preise/Prämien wohl nur geringfügig ausgeweitet.

Am Tagesende notierte der Weizen bei 172,75 Euro je Tonne. © Rainer Sturm
Der Anbau von Hartweizen (Durum) für die Ernte 2015 wird in der Europäischen Union trotz der sehr hohen Preise/Prämien wohl nur geringfügig ausgeweitet. Davon geht die EU-Kommission Mitte März in einer ersten Prognose zum Anbau und zur erwarteten europäischen Ernte von Hartweizen (Durum) 2015 aus. Auf der Grundlage der gemeldeten Anbaudaten und Planungen aus den europäischen Ländern sowie den Ertragsprognosen, rechnet die Kommission für 2015 deshalb nur mit einem sehr moderaten Produktionszuwachs. Nach den derzeitigen Schätzungen wird die bislang kleinste europäische Hartweizen-Ernte aus dem Vorjahr (2014) gerade einmal um etwa 4,8 % übertroffen. Das langjährige Mittel der Erntemengen aus den letzten 5 Jahren wird jedoch verfehlt und erst recht die weitaus größeren Erntemengen aus den Jahren davor.
 
Neue Ernte nur wenig größer als 2014
Die europäische Hartweizenernte 2015 schätzt die Kommission in ihrer März-Prognose auf 8,16 Mio. t. Im Vergleich zur bislang kleinsten europäischen Ernte aus dem Jahr 2014 (7,79 Mio. t) wäre die neue Ernte damit 0,37 Mio. t oder 4,8 % größer. Gegenüber dem bislang zweitschlechtesten Ergebnis von 2013 (8,1 Mio. t) wäre die neue Hartweizenernte 2015 nur 58.000 t größer. Die keineswegs überragenden Erntemengen aus den Jahren 2012 (8,4 Mio.t ) und 2011 (8,4 Mio. t) würden jedoch 2015 verfehlt. Die diesjährige Erntefläche veranschlagt die Kommission derzeit auf 2,395 Mio. ha. Das wären nur 81.000 ha mehr als die bislang kleinste Anbaufläche aus dem letzten Jahr. (Aus Frankreich wurde  im März für 2015 eine Anbauausweitung bei Durum um 26.000 ha auf 314.900 ha gemeldet). Zur Ernte 2014 hatten die europäischen Landwirte auf 2,314 Mio. ha Hartweizen angebaut. Der Ertrag könnte 2015 nach der aktuellen Einschätzung der Kommission bei 3,41 t/ha liegen und damit geringfügig höher sein als 2014 mit 3,37 t/ha und auch etwas höher als im langjährigen Mittel.
 
Produktion in 10 Jahren um gut 40 % geschrumpft
Die bisherige europäische Rekordernte bei Hartweizen wurde im Jahr 2004 mit knapp 12,0 Mio. t eingebracht und im Jahr 2008 ernteten die Europäer immerhin 10,0 Mio. t Hartweizen. Der Hauptgrund für die schrumpfende Produktion in Europa ist der anhaltende Anbaurückgang, der in den letzten 10 Jahren von 2004 (3,97 Mio. ha) bis 2014 (2,31 Mio. ha) knapp 1,7 Mio. ha oder 42 % Prozent betrug. Zudem schwanken die Erträge sowohl zwischen den Ländern als zwischen den verschiedenen Jahren erheblich und sind im Schnitt gerade einmal halb so hoch wie beim Weichweizen. Im letzten Jahr (2014) lag der europäische Durchschnittsertrag bei 3,4 t/ha. In Italien ernteten die Landwirte 3,2 t/ha , in Frankreich immerhin 5,2 t/hai, in Griechenland 3,0 dt/ha und in Spanien soagr nur 2,7 t/ha. Die höchsten Durumerträge wurden in der EU 2014 in Deutschland mit 6,5 t/ha erzielt. Allerdings spielt Deutschland für die europäische Durumerzeugung bislang nur eine untergeordnete Rolle.
 
Italien und Frankreich dominieren den Markt
Die mit Abstand wichtigsten Hartweizen-Produzenten der EU sind Italien sowie Frankreich mit Anteilen von reichlich 50 Prozent bzw. knapp 20 Prozent an der europäischen Gesamtproduktion von Hartweizen. Danach folgen mit deutlichem Abstand Griechenland und Spanien mit Produktionsanteilen von 14 Prozent und 10 Prozent. Kleine Menge werden derzeit zudem in Tschechien, der Slowakei, in Deutschland, Österreich und Bulgarien produziert. Zusammen kommen die letztgenannten Länder jedoch nicht einmal auf 10 Prozent der europäischen Produktion. Im Jahr 2014 lag die Durum-Produktion in Italien bei 4,08 Mio. t und in Frankreich zwischen 1,49 Mio. t. Die Erntemenge in Griechenland erreichte 2014 etwa 1,07 Mio. t und in Spanien ernteten die Landwirte 0,79 Mio.t Durum. Deutschland hat 2014 rund 74.000 t Hartweizen von etwa 11.000 ha geerntet. Da sind knapp 1 % der europäischen Gesamtproduktion und wegen der hohen Erträge ein Drittel mehr als im Vorjahr (54.000 t) jedoch weniger als etwa im Jahr 2010 mit 112.000 t.
 
Verbrauch bleibt stabil, Importe nehmen leicht ab
Nach der aktuellen Einschätzung der EU-Kommission bleibt der europäische Verbrauch von Hartweizen im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 relativ stabil bei etwa 8,6 Mio. t (Vj. 8,6 Mio. t). Vom Gesamtverbrauch werden etwa 8,0 Mio. t (Vj. 8,0 Mio. t) für die menschliche Ernährung (Hartweizengrieß für Pasta) benötigt. Gleichzeitig könnten die Europäer in neuen Wirtschaftsjahr rund 1,2 Mio. t (Vj. 1,0 Mio. t) Hartweizen in Drittländer exportieren. Zur Deckung der innereuropäischen Bilanz sind deshalb relativ umfangreiche Importe von 1,9 Mio. t (Vj. 2,2 Mio. t) Durum nötig. Das wäre für 2015/16 ein Rückgang der Importe von 0,3 Mio. t. Die europäischen Importe gehen nach den Daten der Kommission im Wesentlichen nach Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland.
 
Hartweizenpreise so hoch wie zuletzt im Mai 2008
Die durchschnittlichen Großhandelspreise für Hartweizen in der Europäischen Union lagen im Februar 2015 bei 366 Euro/t. Im Vergleich zum Januar 2015 (381 Euro) war dies nach der außergewöhnlichen Preisrallye der Vormonate ein Preisrückgang von 15 Euro. Seit dem letzten Tiefpunkt der Preise Juni 2014 (251 Euro/t) sind die Durum-Preise in der europäischen Union bis Januar 2015 um 130 Euro oder 52 Prozent gestiegen. Im Februar 2015 kostete europäischer Hartweizen dann rund 366 Euro/t und damit 115 Euro oder 32 Prozent mehr als im Februar 2013 (251 Euro). Im Januar 2015 (381 Euro) befanden sich die Durumpreise am europäischen Markt auf dem höchsten Stand seit dem Mai 2008 (394 Euro) also seit rund 7 Jahren.
 
Ähnlich hohe Durum-Preise in allen Ländern
Zwischen den wichtigsten EU-Produzenten haben sich die Preise zuletzt wieder angenähert. Bis Ende 2014 waren die Preisunterschiede zwischen den europäischen Ländern erheblich größer. Im Februar 2015 lagen die durchschnittlich im Großhandel in Frankreich gezahlten Durum-Preise bei 364 Euro. Gleichzeitig war die Preise in Frankreich 107 Euro oder 41 Prozent höher als ein Jahr zuvor im Februar 2014 (257 Euro). (Mitte März meldete man vom wichtigsten französischen Handelsplatz Port La Nouvelle Durumpreise von 330 bis 335 Euro). Aus Italien meldet man für den Februar 2015 durchschnittliche Hartweizenpreise von 350 Euro/t und damit 85 Euro bzw. 32 Prozent höhere Preise als im letzten Jahr zu deisme Termin (265 Euro). Die Preise für Hartweizen in Griechenland lagen im Februar 2015 bei 366 Euro und damit 132 Euro oder 56 Prozent höher als 2013 (234 Euro) und aus Spanien meldete man im Februar 2015 Durumpreise von 361 Euro/t und damit im Vergleich zum Februar 2014 (230 Euro) 131 Euro oder 57 Prozent höhere Preise.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
 
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