Login
Analyse

Ukraine: Weizenernte 10 Prozent kleiner

von , am
06.05.2014

Die neue Weizenernte in der Ukraine könnte etwa 10 % kleiner ausfallen als 2013. Der Weizenexport der Ukraine könnte dennoch fast das hohe Niveau des aktuellen Wirtschaftsjahres erreichen.

Die Weizenfläche ist 2017 nahezu unverändert zum Vorjahr, aber die Landwirte haben weniger Wintergerste, Roggen und Körnermais ausgesät. Dafür wachsen deutlich mehr Rüben, Sommergetreide und Kartoffeln. © landpixel
 
Die neue Weizenernte in der Ukraine könnte etwa 10 % kleiner ausfallen als 2013. Ursache ist in erster Linie die etwas kleinere Aussaatfläche im letzten Herbst sowie die (etwas) niedrigeren Erträge wegen des geringeren Einsatzes von Dünger und Pflanzenschutz. Der Weizenexport der Ukraine könnte dennoch fast das hohe Niveau des aktuellen Wirtschaftsjahres erreichen. Davon geht jedenfalls das Büro des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) in Kiew jetzt auf Basis der bislang vorliegenden Daten aus. Probleme bereitet den ukrainischen Landwirten indessen die Kostenexplosion durch die Abwertung der ukrainischen Währung um 40 % und die rasant steigenden Preise für Betriebsmittel, Saatgut und Maschinen. Der Anstieg der Produktionskosten für die ukrainischen Landwirte gegenüber dem Vorjahr liegt nach derzeitigen Schätzungen bei 20 % bis 30 %
 
Kleinere Fläche, aber Top-Konditionen
Die Erntefläche für die neue ukrainische Weizenernte 2014 wird mit 6,4 Mio. ha angegeben, nach 6,65 Mio. ha im letzten Jahr. Das wäre ein Rückgang von lediglich 4 %. Ursache für die kleinere Erntefläche war der Dauerregen im letzten Herbst (2013), der die Aussaat von Winterweizen (wie in Russland) massiv behinderte und verzögerte. Zwar konnte ein Teil der Flächen im Laufe des Spätherst dann noch nachgesät werden, ganz reichte das Zeitfenster dann jedoch nicht mehr, um die Aussaat wie geplant abzuschließen. Das Frühjahr 2014 war dann sehr trocken und im Durchschnitt der Ukraine sind 25 % bis 40 % weniger Niederschläge gefallen wie gewöhnlich. Trotzdem befindet sich der größte Teil (90 %) des Winterweizens derzeit in gutem oder sehr gutem Zustand. Nur 6 bis 10 % der Bestände werden von den ukrainischen Stellen als problematisch eingestuft. Auswinterungsschäden gibt es diese Jahr ebenfalls kaum (nur 1 bis 2 %).
 
Produktion schrumpft um 10 %
Auf Basis der Aussaatfläche, dem aktuellen Zustand des Winterweizens sowie dem Einsatz von Dünger und Pflanzenschutz liegen die derzeitigen Schätzungen zur ukrainischen Weizenernte bei etwa 20,0 Mio. t. Damit wäre die neue Ernte knapp 2,3 Mio. t oder 10 % kleiner als im letzten Jahr. Gleichzeitig wird mit dieser Produktion die Erntemenge von vor zwei Jahren (15,78 Mio. t) um mehr als 4 Mio. t übertroffen. Im Unterschied zum Vorjahr (2013) sind zudem die noch vorhandenen Weizenbestände (trotz der regen Exporte) in der Ukraine größer. Zum Beginn des neuen Wirtschaftsjahres 2014/15 dürften die Weizenbestände mit 3,6 Mio. t etwa 29 % oder 0,8 Mio. t größer sein als im vorigen Jahr.
 
Laufende Exporte seit April schwächer
Den auf Basis der Ernte und Bestände möglichen Export schätzten die US-Experten auf 9,5 Mio. t. Im Vergleich zum noch bis Juni dauernden Wirtschaftsjahr 2013/14 wäre dies lediglich ein Rückgang der Ausfuhren um 0,5 Mio. t bzw. 5 %. Für das zu Ende gehende Wirtschaftsjahr 2013/14 liegen die derzeitigen Exporterwartungen bei 10 Mio. t. Bis Ende April waren bereits 8,34 Mio. t Weizen exportiert. Im Verlauf des Aprils hatten sich die Ausfuhren wegen der politischen und ökonomischen Turbulenzen jedoch verlangsamt. Bis Ende März hatten die Ukrainer bereits 8,0 Mio. t Weizen exportiert und damit im April nur noch 0,34 Mio. t. Das Landwirtschaftsministerium hatte für den Zeitraum April bis Juni noch Ausfuhren von 1,6 Mio. t für möglich gehalten.
 
Krimhäfen kaum von Bedeutung
Die Ausfuhr von Weizen und anderem Getreide erfolg im Wesentlichen nicht über die Krim. Bis Februar 2014 verteilten sich die Weizenexporte zu 30 % auf die Schwarzmeerhäfen Mykolayiv, zu 24 % auf Odessa, 21 auf Yuzhny und 12 % auf Illychivsk. Lediglich 5 % wurden über den Krimhafen Sewastopol verschifft. Die wichtigsten Abnehmer von ukrainischem Weizen sind Ägypten, Spanien, Marokko, Tunesien, Syrien, Libyen und Jordanien. Hinzu kommt eine große Anzahl weiterer Länder aus dem Nahen Osten und Afrika. Weitere europäische Importe (außer Spanien) sind in ernster Linie Italien, die Niederlande, Portugal, und in geringem Umfang auch Deutschland.
 
Niedriger Futterverbrauch ermöglicht Exporte
Der ukrainische Verbrauch von Weizen wird für das neue Wirtschaftsjahr auf 11,5 Mio. t geschätzt. Im Vergleich zum zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr 2013/14 wäre das eine stabile Verbrauchsmenge. Dabei nimmt der Verbrauch von Futterweizen moderat um 0,1 Mio. t auf 3,5 Mio. t zu. Vor drei Jahren hatten die ukrainischen Landwirte noch mehr als 6 Mio. t Futterweizen verbraucht. Grund für den niedrigeren Futterverbrauch waren die großen Maisernten der letzten Jahre. Die gewachsene Maisproduktion begrenzt den Verbrauch von Futterweizen und erlaubt mehr Weizenexporte. Dieses Jahr (2014) wird die Maisernte allerdings deutlich (20 %?) kleiner erwartet als 2013.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant