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Analyse

US-Weizen fällt weiter, EU-Weizen nahe 190-Euro

von , am
27.05.2014

© landpixel
 
In den USA startet der Weizenmarkt mit weiteren kräftigen Preisabschlägen in die neue Woche. Nachdem der Handel in den USA am Montag wegen eines Feiertags unterbrochen war, liegen die Kurse in Chicago im elektronischen vorbörslichen Handel am Dienstag Vormittag erneut rund 1 Prozent im Minus. Dies Szenario dürfte auch die Weizenpreise in Europa erneut unter Druck setzten und den Kurse am Terminmarkt in Paris nahe an die 190-Euro-Marke drücken. Die Ursachen für die anhaltende Abwärtsbewegung der Weizenpreise sind derzeit sowohl fundamentaler als auch technischer Natur. In den USA wirken sich neben der erwarteten guten globalen Versorgungssituation im kommenden Wirtschaftsjahr und den zuletzt schwachen Exporten, vor allem die sehr ergiebigen Regenfälle in den wichtigsten südlichen Anbaugebiet für Winterweizen aus. Auch wenn es dort nicht mehr zur einer Verbesserung des Ertragspotentials bei der im Juni beginnenden Weizenernte kommt, geht man doch von einer Stabilisierung der Situation aus.
 
Technische Signale drücken auf die Weizenpreise
Hinzu kommen jetzt allerdings auch eine Reihe von technischen Indikatoren, die den Verkaufsdruck auf den Weizen in Chicago, Kansas (und auch Paris) erhöhen. So haben viele große Fonds und institutionelle Anleger ihre auf steigende Preise ausgerichteten Long-Positionen beim Weizen gekappt und damit den größten Ausverkauf seit 6 Monaten ausgelöst. Das hat den Preisrückgang beschleunigt und den Weizen in Chicago (zum ersten mal seit Monaten) wieder unter die wichtige 200- und 100-Tage-Linie gedrückt und damit bei vielen technisch ausgerichteten Anlegern weitere Verkaufssignale generiert. Aber auch fundamental orientierte Anleger ziehen ihre bisherigen Risikoprämien vom Weizen ab, nachdem man jetzt doch von einer deutlich besseren globalen Bilanz ausgeht als noch vor vier oder vor acht Wochen. Nicht zuletzt rechnet man mit einer sehr guten Weizenernte in der EU und guten Ernten in Russland und der Ukraine. Auch die sehr hohen Weizenbestände in Kanada drücken auf die Export-Preise.
 
US-Weizen rauscht weiter nach unten
Am heutigen Dienstag Vormittag (MEZ) liegen die Weizenpreise (SRW) in Chicago im elektronischen vorbörslichen Handel gut 1 % im Minus. (In Kansas beträgt der Abschlag für den dort gehandelten Hard Red Winter 0,5 %). Der Julikontrakt notierte (10:30 MEZ) am Terminmarkt in Chicago (SRW) bei umgerechnet 174 Euro/t (646,2 Ct/Bu). Die neue Ernte (Dezember) handelte man mit 182 Euro/t (676,2 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für die alte und für die neue Ernte etwa 2 Euro weniger als am letzten Freitag. Seit der letzten Preisspitze vom 06. Mai sind die US-Weizenpreise in Chicago mittlerweile um 13 % gefallen.
 
EU-Weizen fällt nahe an die 190-Euro-Marke
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise am Montag ebenfalls weiter gefallen und liegem nicht mehr allzuweit von der 190-Euro-Marke entfernt. Sollte sich der Preisrückgang in Chicago fortsetzten, dann besteht auch vor dem Hintergrund der sehr guten Ernteprognosen die Gefahr, dass die 190-Euro-Marke erreicht wird. So tief lagen die europäischen Weizenpreise seit Januar 2014 nicht mehr. Am Montag (26.05) fiel der Weizen für den Novembertermin (neue Ernte) an der MATIF bis auf knapp 193 Euro/t und damit 2,0 Euro unter den Preis vom Freitag. Am heutigen Dienstag (27.05) dürften die europäischen Weizenpreise durch die negativen Vorgaben vom US-Markt weiter nachgeben. Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise am Montag ebenfalls zurückgegangen. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Montag (26. Mai) noch mit 195 Euro/t und damit 2 Euro billiger als am Freitag. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg mit 197 Euro/t notiert und damit 3 Euro billiger als am Freitag und erstmals unter 200 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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