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Analyse

USA: Winterweizen in (sehr) schlechter Verfassung

von , am
09.04.2014

© landpixel

Der Winterweizen befindet sich in den USA in (sehr) schlechter Verfassung. Das bestätigt das US-Landwirtschaftsministerium am Dienstag Abend (08.04) in seinem ersten Bericht zum Zustand des Winterweizens in den einzelnen Bundesstaaten der USA. Ursache ist der seit der Herbstaussaat anhaltende extreme Niederschlagsmangel und zudem überdurchschnittliche Auswinterungsschäden in einigen Bundesstaaten. Ganz besonders betroffen sind die wichtigsten US-Anbaustaaten für Winterweizen: Kansas, Texas, Oklahoma und Colorado. In diesen vier Bundesstaaten werden etwa 55 % des gesamten US-Winterweizens angebaut. Dabei handelt es sich insbesondere um den Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (HRW). Allerdings darf man nicht vergessen, dass im letzten Jahr zu dieser Zeit in den gleichen Bundesstaaten bereits eine ähnlich schlimme Trockenheit herrschte und sich der Winterweizen in ähnlich schlechter Verfassung befand. Die Folge war, dass die Weizenernte 2013 in diesen Bundesstaten bereits deutlich schlechter ausfiel als 2012. Dieses Szenario könnte sich dieses Jahr wiederholen.
 
Dramatische Verschlechterung seit dem Herbst
Die Aussaatfläche von Winterweizen für die Ernte 2014 hat das USDA zuletzt mit 17 Mio. ha (42,0 Mio. Acres) angegeben. Im letzten Jahr lag die Aussaatfläche bei 17,4 Mio. ha (43,09 Mio. Acres) und war damit etwas größer. Am 06. April befanden sich nur 35 % des US-Winterweizens in gutem oder sehr gutem Zustand, während 29 % des Weizens als schlecht oder sehr schlecht eingestuft wurden. Im April desVorjahres (2013) befanden sich nach dem Crop-Monitoring des USDA  (aus den gleichen Gründen) ebenfalls nur 36 % des Winterweizens in gutem oder sehr gutem Zustand, während 30 % in schlechter oder sehr schlechter Verfassung war. Allerdings war der aktuelle Winterweizen im Herbst 2013 in deutlich besserer Verfassung in die aktuelle Saison gestartet (anders als im Jahr davor). Das Crop-Monitoring des USDA von Ende November 2013 zeigt immerhin noch 62 % des Weizens in guter oder sehr guter Verfassung und nur 7 % in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand.
 
Situation in Kansas ähnlich schlecht wie 2013
Kansas, der mit Abstand wichtigsten Weizenanbaustaat, verfügt über etwa 22 % (3,77 Mio. ha / 9,3 Mio. Acres) der gesamten Aussaatfläche von Winterweizen. Am 06. April 2014 befanden sich nur 29 %der  Weizenpflanzen in gutem oder sehr guten Zustand und  27 % in schlechter oder sehr schlechter Verfassung. Eine dramatische Verschlechterung gegenüber der Situation im Herbst 2013. Im November 2013 befanden sich immerhin noch 63 % des Weizens in guter oder sehr guter Verfassung und nur 4 % in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Vor einem Jahr im April 2013 war die Situation allerdings nicht viel besser. Damals wurden 31 % des Weizen in Kansas als gut oder sehr gut eingestuft und 29 % als schlecht oder sehr schlecht. Gleichzeitig wurden 2013 nur 88 % oder 3,4 Mio. ha der ursprünglichen Aussaatfläche (3,85 Mio. ha) auch abgeerntet.
 
Texas offenbar mit den größten Problemen
Die Nummer zwei unter den wichtigsten US-Anbaustaaten für Winterweizen ist Texas, mit einem Anteil von knapp 14 % (2,39 Mio. ha / 5,9 Mio. Acres) an der gesamten Winterweizenfläche. Hier hat die extreme Trockenheit dafür gesorgt, dass sich bis zum 06. April nur noch 13 % des Weizens in guter und sehr guter Verfassung befand und dafür 61 % (!!!) in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Das ist auch gegenüber dem schon schlechten Vorjahr (April 2013) eine weitere Verschlechterung. Damals wurden 17 % des Weizen als gut oder sehr gut eingestuft und 51 % als schlecht oder sehr schlecht. Gleichzeitig wurden im letzten Jahr (2013) in Texas wegen der extremen Trockenheit nur 36 % oder 0,91 Mio. ha der ursprünglichen Aussaatfläche (2,5 Mio. ha) auch abgeerntet. Im Herbst 2013 befanden sich dagegen noch 32 % des Weizens in guter oder sehr guter Verfassung und nur 28 % in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand.
 
Oklahoma mit drastischer Verschlechterung seit Herbst
Auf Position drei unter den Anbaustaaten von Winterweizen liegt Oklahoma, mit knapp 13 % der Aussaatfläche (2,15 Mio. ha / 5,3 Mio. Acres). Anfang April 2014 befanden sich in Oklahoma noch 15 % des Winterweizens in guter oder sehr Verfassung und 48 % waren in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Im Vergleich zum April 2013 ist dies eine Verschlechterung der Situation. Damals wurden nur 28 % des Weizen als gut oder sehr gut eingestuft und 33 % als schlecht oder sehr schlecht. Andererseits wurden im letzten Jahr in Oklahoma wegen der Trockenheit nur 60 % oder 1,37 Mio. ha der ursprünglichen Aussaatfläche (2,26 Mio. ha) auch abgeerntet. Seit dem Herbst 2013 hat sich der Zustand des Wintereizens auch in Oklahoma dramatisch verschlechtert. Im November 2013 befanden sich nämlich noch 77 % des ausgesäten Weizens in guter oder sehr guter Verfassung und nur 5 % in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand.
 
Colorado sogar besser als im Vorjahr
Auf auf Position vier der wichtigsten Anbaustaaten von Winterweizen liegt Colorado mit etwa 7 % der Aussaatfläche (1,15 Mio. ha / 2,85 Mio. Acres). Anfang April 2014 befanden sich in Colorado noch 36 % des Winterweizens in guter oder sehr Verfassung und 33 % waren in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Im Vergleich zum April 2013 ist dies sogar eine bessere Situation. Damals wurden nur 14 % des Weizen als gut oder sehr gut eingestuft und 46 % als schlecht oder sehr schlecht. Außerdem wurden im letzten Jahr wegen der extremen Trockenheit nur 71 % oder 0,66 Mio. ha der ursprünglichen Aussaatfläche (0,93 Mio. ha) in Colorado auch abgeerntet. Seit dem Herbst 2013 hat sich der Zustand des Winterweizens jedoch auch in Colorado drastisch verschlechtert. Im November 2013 befanden sich nämlich noch 55 % des ausgesäten Weizens in guter oder sehr guter Verfassung und nur 6 % in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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