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Analyse

USA/Weizen: Regen verzögert Ernte, Qualitätseinbußen erwartet

von , am
17.06.2014

© Stefan Rampfel/landpixel

 
Nachdem es in den Hauptanbaugebieten für Winterweizen in den USA während der gesamten Wachstumsperiode deutlich zu trocken war und es in den wichtigsten Anbaustaaten zu erheblichen Ertrags- und Produktionseinbußen kam, verzögern nun massive Regenfälle die Erntearbeiten und verschlechtern zudem die Qualität des geernteten Weizens. In Teilen von Kansas und Nebraska fielen letzte Woche nach Berichten von US-Wetterdiensten in wenigen Tagen zwischen 2 und 7 Inches Regen (das sind 5 bis 17 cm !!!) . Das entspricht einem vielfachen der normalen Niederschlagsmenge Menge. Auch in Texas und in Oklahoma unterbrechen oder verschieben Regenfälle die laufenden Erntearbeiten auch wenn es in beiden Bundestaaten mit der Ernte schon relativ weit voran gegangen ist. Die Märkte reagierten auf die die Regenfälle und die möglichen weiteren Qualitäts- und Ertragseinbußen am Montag zunächst mit einem Anstieg der Preise. Am Ende des Tages setzte jedoch das aus der laufenden Ernte auf den Markt fließende Getreide die Preise unter Druck und der Handel endete am Montag mit einem Preisabschlag von 0,9 %. Am Dienstag starten die Terminmärkte beim Weizen indessen erneut mit einem leichten Plus.
 
Ernte in Texas und Oklahoma zur Hälfte eingebracht
Bis zum 16 Juni hatten die US-Farmer etwa 16 % des gesamten Winterweizens geerntet. In der Woche zuvor waren es 9 % und im letzten Jahr zu diesem Termin nur 10 %. Bei einer vom USDA unterstellten Erntefläche bei Winterweizen von 13,18 Mio. ha (32,57 Mio. Acres) liegt die abgeerntete Fläche derzeit etwa bei 2,1 Mio. ha. Das USDA hat zuletzt eine Gesamternte von Winterweizen von 37,586 Mio. t (138,1 Mio. bu) unterstellt. Damit könnten bereits rund 6 Mio. t Weizen aus der neuen Ernte auf den Markt fließen. Damit erklärt sich auch der zuletzt immer wieder aufkommenden Preisdruck in den USA. Den größten Erntefortschritt von den vier wichtigsten Anbaustaaten von Winterweizen meldet man derzeit aus Oklahoma mit 47 %, im Vergleich zu 26 % in der Vorwoche. In Texas sind ebenfalls schon 40 % der Fläche abgeerntet, im Vergleich zu 30 % in der Vorwoche, während man aus dem TOP-Anbaustaat Kansas bislang nur 2 % Erntefortschritt meldet. Noch gar nicht begonnen hat man in Colorado.
 
Kleinere Erntefläche und sehr schwache Erträge
Allerdings liegen die Ernteprognosen in drei der vier wichtigsten Anbaustaaten für Winterweizen der Sorte Hard Red Winter (HRW) (Kansas, Texas, Oklahoma) noch deutlich unter dem bereits schwachen Vorjahr als die Ernte ebenfalls durch Trockenheit deutlich reduziert wurde und viele Flächen gar nicht erst abgeerntet wurden. Das ist offenbar auch in diesem Jahr der Fall. In diesem Jahr schätzt das USDA die Erntefläche von Winterweizen auf 13,81 Mio. ha (32,57 Mio. Acres), während die ursprüngliche Aussaatfläche noch bei 17,0 Mio. ha (42 Mio. acres) lag. Das wäre immerhin ein Flächenverlust von  rund 24 % bzw. gut 3 Mio. ha und entspricht in etwa der Entwicklung aus dem Vorjahr (2013). Die gesamte Winterweizen-Produktion wird vom USDA für 2014 auf 37,58 Mio. t (138,1 Mio. Bu) geschätzt nach 38,18 Mio. t (140,3 Mio. bu) im Mai und 41,75 Mio. t (153,4 Mio. bu) im letzten Jahr. Die durchschnittlichen Erträge liegen dieses Jahr bei 2,85 t/ha (42,4 bu/acres) nachdem man im Mai noch von 2,90 t/ha (43,1 bu/acres) ausging und im letzten Jahr 3,18 t/ ha (47,4 bu/acres) erntete .
 
Sehr schwache Ernten in Kansas und Oklahoma, besser in Colorado
Im wichtigsten Weizenanbaustaat Kansas geht das USDA von einer Weizenernte von etwa 6.63 Mio. t aus nach 8,68 Mio. t im letzten Jahr. Das ist ein Rückgang von 24 % bzw. gut 2 Mio. t. Die Ertragsprognose liegt nur noch bei 1,94 t/ha nach 2,55 t/ha im Vorjahr. Für Texas erwartet das USDA eine Weizenernte von 1,29 Mio. t nach 1,78 Mio. t Im Vorjahr. Auch hier liegen die Erträge mit 1,3 t/ha noch einmal deutlich niedriger als im Vorjahr mit 1,95 t/ha. Für Oklahoma hat sich Ernteprognose im Vergleich zum Vorjahr sogar halbiert. Hier geht das USDA jetzt von 1,6 Mio. t t aus nach 2,86 Mio. t im letzten Jahr. Die erwarteten Erträge sind mit 1,2 t/ha besonders niedrig. Verbessert sich indessen die Produktionserwartung für Colorado. Hier rechnet das USDA mit einer Ernte von 3,67 Mio. t nach nur 1,2 Mio. t im Vorjahr und die Erträge sind mit 2,35 t/ha deutlich höher als im Vorjahr mit 1,8 t/ha.
 
Deutlich kleinere Ernte beim Chicago-Weizen (SRW)
Differenziert nach den unterschiedlichen Winterweizen-Kategorien hat das USDA die Erntemenge des wichtigsten Winterweizens der Sorte Hard Red Winter (HRW) auf 19,61 Mio. t (720,477 Mio. bu) geschätzt. Im Mai lag die USDA-Prognose für den HRW noch bei 20,31 Mio. (746,16 Mio. bu) und im letzten Jahr (2013) ernteten die US-Farmer 20,25 Mio. t (744,02 Mio. bu) HRW. Die Erntemenge des in Chicago gehandelten Weizens der Soft Red Winter (SRW) erwartet das USDA in diesem Jahr bei 12,36 Mio. t (445,2 Mio. Bu), nachdem  auch im Mai von  etwa 447 Mio. Bu ausgegangen war. Im letzten letzten Jahr hatten die Farmers allerdings 15,4 Mio. t (565,9 Mio. bu) SRW geerntet und damit etwa 25 % bzw. 3 Mio. t mehr asl 2014. Die Ernte der Winterweizensorte Soft White wurde vom USDA auf 5,32 Mio. t (195,5 Mio. bu) geschätzt, nach 5,8 Mio. t (214,1 Mio. bu) im letzten Jahr und die Sorte Hard White kommt auf 0,3 Mio. t (10,86 Mio. bu) nach 11,15 Mio. bu im Vorjahr.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkomapss
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