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Analyse

USDA/Weizen: Globale Rekordernte hält Weizenpreise auf 4Jahrestief

von , am
13.08.2014

In Europa und den USA bewegen sich die Weizenpreise auf dem Niveau der Ernte 2010.

© Rainer Sturm
Der Weizenmarkt hat auf die neuen Marktdaten des USDA am Dienstag Abend mit einem weiteren Preisrückgang reagiert. Am US-Terminmarkt in Chicago gaben die Weizenpreise je nach Termin zwischen 1,8 % und 2 % nach. Am Ende des Handelstages notierte der Weizen in Chicago für den September bei 148 Euro/t (538 Ct/bu) und für den Dezember bei knapp 152 Euro/t (551 Ct/bu). Seit Mai 2014 sind die Weizenpreise in den USA um 27 % oder etwa 57 Euro zurückgegangen. Das sind die niedrigsten Preise seit der Ernte 2010. Am europäischen Terminmarkt rutschten die Weizenpreise im Vorfeld des USDA-Reports ebenfalls bis auf 172 Euro nach unten und konnten sich damit nur noch knapp über dem letzten Preistief von Ende Juli behaupten. Auch in Europa bewegen sich die Preise auf dem Niveau der Ernte 2010. Seit Mai 2014 haben die Weizenpreise in Europa 18 % oder knapp 40 Euro nachgegeben. Am Mittwoch Vormittag (MEZ) lagen die Weizenpreise in den USA im elektronischen vorbörslichen Handel leicht im Plus. Die europäischen Weizenpreise dürften den Vorgaben aus den USA folgen sich ebenfalls stabilisieren. Die Gründe für die gestrige Korrektur der Preise liegen zum einen in der kräftigen Aufwärtskorrektur der globalen Produktion auf einen neuen Rekordstand, und in dem gleichzeitigen Anstieg der globalen Endbestände. Ursache für  den weiteren Produktionsanstieg sind die Aufwärtskorrekturen der Ernten in Russland, der Ukraine, China und den USA.
 
Produktion erreicht neuen Rekordwert, Bestände wachsen
Im August-Report geht das USDA für 2014/15 von einer globalen Rekordernte bei Weizen von 716 Mio. t aus. Im Vergleich zur letzten Schätzung vom Juli (705 Mio. t) ist dies ein Anstieg von 11 Mio. t. Deutlich nach oben korrigiert hat das USDA die Ernte in Russland und auch in der Ukraine und in den USA setzte man die Erntemengen nach oben. Im Vergleich zur bisherigen Rekordernte aus dem letzten Jahr von 714 Mio. t ist die neue Ernte 2 Mio. t größer und damit die größte jemals eingebracht Weizenernte. Der globale Verbrauch wurden gegenüber der Juliprognose um 7 Mio. t auf 707 Mio. t nach oben gesetzt (Vj. 706 Mio. t). Der globale Verbrauch von Futterweizen ist mit knapp 135 Mio. t rund 6 Mio. t größer als im Juli erwartet wurde und 3 Mio. t größer als im Vorjahr (132 Mio. t). Die Bestände wurden im Vergleich zum Juli-Report von 189,5 auf 193 Mio. t nach oben gesetzt und sind damit rund 9 Mio. t größer als im letzten Wirtschaftsjahr (184 Mio. t). Die globale Handelsmenge bleibt mit knapp 152 Mio. t unverändert, liegt damit aber 10 Mio. t unter dem bisherigen Rekordwert aus dem letzten Wirtschaftsjahr von 161 Mio. t.
 
Russische Produktion und Exporte deutlich größer
Um 6 Mio. t auf 59 Mio. t korrigier das USDA die Ernteprognose für Russland nach oben. In ihrem Julireport gingen die USDA-Analysten noch von einer Produktion von 53 Mio. t aus nach 52 Mio. t im letzten Jahr. Die Erträge der abgeschlossenen russischen Winterweizenernte waren nach Angaben des russischen Landwirtschaftsministeriums fast 20 % höher als im letzten Jahr. Das Exportpotential der Russen schätzt das USDA für die Saison 2014/15 jetzt auf 22,5 Mio. t nach 19,5 Mio. t im Juli-Report und 18,5 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr sowie lediglich 11,3 Mio. t vor zwei Jahren. Die russischen Endbestände wachsen deutlich von 5,5 Mio. t auf 8,2 Mio. t.
 
Mehr Weizen in der Ukraine, unverändert in Kasachstan
Für die Ukraine erwartet das USDA im August-Report eine Weizenernte von 22 Mio. t nach 21 Mio. t im Juli-Report und 22,3 Mio. t im letzten Jahr. Das wäre eine zum Vorjahr unveränderte Produktion . Gründe für die Aufwärtskorrektur der Produktion sind wie in Russland die hohen Erträge. Das ukrainische Exportpotential sieht das USDA im August-Report unverändert bei 9,0 Mio. t nach 9,65 Mio. im letzten Wirtschaftsjahr (2013/14) und 7,2 Mio. t vor zwei Jahren. Für Kasachstan rechnet das USDA wie schon im Juli mit einer Erntemenge von 13,5 Mio. t nach 13,94 Mio. t im letzten Jahr (2013). Die kasachischen Exporte werden ebenfalls unverändert bei 6,0 Mio. t erwartet nach 8,3 Mio. t in der letzten Saison.
 
US-Ernte und Exporte größer als erwartet
Die Weizenernte für die USA wurde vom USDA um 1,0 Mio. t auf 55,2 Mio. t nach oben korrigiert. Grund ist die über den bisherigen Erwartungen liegende Erntemenge beim Sommerweizen. Im letzten Jahr (2013) ernteten die US-Farmer 57,96 Mio. t Weizen und vor zwei Jahren (2012) sogar 61,7 Mio. t. Die aktuelle US-Ernte wäre damit knapp 5 % kleiner al 2013 und 10 % kleiner als 2012. Trotzdem der kleineren Ernte (als 2013) wachsen die US-Endbestände von 16,1 Mio. t (2013) auf 18,1 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr. Grund sind die kleineren Exporte und der unter dem Vorjahr bleibende Verbrauch am Binnenmarkt. Die Exporterwartung für die USA hat das USDA Im August um 0,5 Mio. t auf 25,5 Mio. t angehoben. Beliebt damit aber deutlich unter dem Vorjahr mit 31,5 Mio. t.
 
Europäer mit Rekordernte bei Weichweizen
Die neue europäische Weizenernte (Weichweizen und Durum) hat das USDA im August-Report mit 147,9 Mio. t unverändert gelassen. Damit wäre die neue Weizenernte rund 4,8 Mio. t größer als im letzten Jahr (143,1 Mio. t). Gleichzeitig wär dies die bislang größte europäische Weichweizenernte (gut 140 Mio. t) überhaupt und die zweitgrößte europäische Gesamternte (Weichweizen und Durum) nach 2008 (151,9 Mio. t). Der europäische Export soll im neuen Wirtschaftsjahr von der aktuellen Rekordausfuhr von 31,5 Mio. t (!!) um 6,5 Mio. t auf 25,0 Mio. t zurückgehen. Im Juli-Report hatte das USDA noch einen europäischen Export von 28,0 Mio. t erwartet. Mit der derzeit erwarteten Ausfuhrmenge wären die Europäer im neuen Wirtschaftsjahr ganz knapp nach den USA (25,5), jedoch vor Russland (22,5), Kanada (21) und Australien (19,5) der zweitgrößte globale Weizenexporteur.
 
Kanada und Australien mit relativ stabilen Exporten
Die Schätzungen zur kanadischen Ernte blieben im August unverändert. Die Kanadier sollen nach der Riesenernte im letzten Jahr von 37,5 Mio. t infolge einer deutlichen Anbaueinschränkung  nur noch 28,0 Mio. t ernten. Das wäre jedoch immer noch die bislang zweitgrößte Ernte. Die Exporte der Kanadier bleiben im kommenden Wirtschaftsjahr 2014/15 (wegen der riesigen Lagerbestände von 9 Mio. t) mit rund 21 Mio. t nach 22,1 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr relativ hoch. Für Australien belässt das USDA die Ernteschätzung auf Basis der bisherigen Witterungsverhältnisse (Aussaat Mai/Juni) unverändert bei 26,0 Mio. t. Die sehr gute Erntemenge aus dem letzten Jahr von 27 Mio. t wird nicht ganz erreicht. Die Exportprognosen wurden wie im Juli bei 19,5 Mio. t belassen und liegen damit sogar über den Ausfuhren aus dem letzten Wirtschaftsjahr von 18,3 Mio. t.
 
Ägypten mit stabilen Importen, China mit Rekordernte
Argentinien wird nach Einschätzung des USDA im aktuellen Wirtschaftsjahr wieder deutlich mehr Weizen exportieren (vor allem nach Brasilien). Nach einer Ernte von 10,5 Mio. t und Exporten von nur 1,8 Mio. t in der letzten Saison, rechnet das USDA für das neue Wirtschaftsjahr mit einer argentinischen Produktionsmenge von 12,5 Mio. t (Ernte Dez./Jan) und mit Exporten von 6,5 Mio. t. Indiens Ausfuhren gehen hingegen trotz einer im August-Report bestätigten Rekord-Ernte von 95,85 Mio. t (Vj. 93,5 Mio. t) von 5,4 auf 2,0 Mio. t zurück. Mehr Weizen als im letzten Jahr soll mit 6,3 Mio. t (Vj. 5,3 Mio. t) zudem Brasilien ernten. In der Folge schrumpfen die brasilianischen Weizenimporte etwas von 7,1 Mio. t auf 6,5 Mio. t. Die Importmenge des weltweit größten Importeurs Ägypten erwartet das USDA relativ stabil bei 10,1 Mio. t nach 10,1 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr. Für China liegt die Ernteprognose im August-Report bei 126 Mio. t (Rekord) nach 124 Mio. t im Juli-Report und 121,7 Mio. t im letzten Jahr. Damit geht auch der chinesische Import von 6,7 auf 2,0 Mio. t zurück, während die chinesischen Lagerbestände um 5 Mio. t auf den Rekordwert von 63 Mio. t (!!) bzw. ein Drittel der globalen Weizenbestände anwachsen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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