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Analyse

USDA/Weizen: Markt sortiert sich neu, Weizenpreise fallen

von , am
12.06.2014

Der Weizenmarkt hat auf die neuen Daten des USDA am Mittwoch mit einem kräftigen Preisrutsch in den USA und in Europa reagiert.

© landpixel

Der Weizenmarkt hat auf die neuen Daten des USDA am Mittwoch mit einem kräftigen Preisrutsch in den USA und in Europa reagiert. Am US-Terminmarkt fielen die Preise am Mittwoch Abend um 2 % unter die wichtige technische Unterstützungslinie von 600 Ct/bu (162 Euro/t) bis auf 590 Ct/bu (159 Euro) und damit auf den tiefsten Stand seit Februar 2014. Am europäischen Terminmarkt durchbrach der EU-Weizen erstmals seit August 2013 wieder die technische Unterstützungslinie von 190 Euro nach unten. Am Donnerstag Mittag (MEZ) lagen die US-Preise im elektronischen vorbörslichen Handel leicht im Plus, jedoch weiterhin deutlich unter 600 Ct/bu. Die europäischen Weizenpreise rutschten am Donnerstag Mittag weiter ins Minus und notierten nur noch bei 188 Euro/t. Die Gründe für die ausgeprägte Korrektur der Preise liegen unter anderem der Aufwärtskorrektur der globalen Produktion, und einem gleichzeitigen Anstieg der globalen Endbestände. Außerdem kommt es zu Verschiebungen bei der Wettbewerbsfähigkeit der großen Exporteure, was (trotz kleinerer Ernte) zu einem Anwachsen der Endbestände in den USA führt.
 
Ernte geht über 700-Mio.t-Marke, Bestände wachsen
Die Juni-Report des USDA geht von einer globalen Weizenernte 2014/15 von 702 Mio. t Im Vergleich zur letzten Schätzung von Mai (697 Mio. t) ist dies ein Anstieg von 5 Mio. t. Nach oben korrigiert hat das USDA die Ernten in der EU, in Russland, in China und in Indien. Im Vergleich zur Rekordernte au dem letzten Jahr von 714 Mio. t ist die neue Ernte 12 Mio. t j kleiner und die zweitgrößte jemals überhaupt eingebracht Weizenernte. Der globale Verbrauch wurden gegenüber der Maiprognose um 3 Mio. t auf 699 Mio. t nach oben gesetzt (Vj. 703 Mio. t) und kann durch die neue Ernte gedeckt werden. Der  Verbrauch von Futterweizen ist mit 129 Mio. t  rund 1 Mio. t größer als im Mai erwartet wurde, jedoch 4 Mio. t kleiner als im Vorjahr (133 Mio. t). Die Bestände wurden im Vergleich zum Mai-Report von 187,4 auf 188,6 Mio. t nach oben gesetzt und sind damit 2,6 Mio. t größer als im aktuellen Wirtschaftsjahr (186 Mio. t), wie Analysten zuvor erwartet hatten. Die globale Handelsmenge wurde von 151,5 Mio. t im Mai auf 152 Mio. t leicht nach oben korrigiert, liegt damit aber 7 Mio. t niedriger als im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr mit 159 Mio. t.
 
US-Ernte wird noch kleiner, weniger Exporte
Die neue Weizenernte für die USA wurde vom USDA nochmals um 0,6 Mio. t auf nur noch nur noch bei 52,85 Mio. t nach unten korrigiert. Grund sind trockenheitsbedingten Ertragseinbußen beim Winterweizen. Im letzten Jahr (2013) ernteten die US-Farmer 57,9 Mio. t und vor zwei Jahren (2012) sogar 61,7 Mio. t. Die neue US-Ernte wäre damit 9 % kleiner al 2013 und 14 % kleiner als 2012. Trotzdem wurden die US-Endstände von 14,7 Mio. t im Mais auf 15,6 Mio. t im Junireport nach oben gesetzt, denn die Exporte und der Verbrauch am Binnenmarkt schrumpfen. Die Exporterwartung für die USA hat das USDA um 1 Mio. t auf 25 Mio. t reduziert. Im laufenden Wirtschaftsjahr liegt die US-Exportmenge noch bei 31,2 Mio. t.
 
Europäer werden Exportweltmeister
Nach Einschätzung des USDA könnten die Europäer im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 erstmals größter globaler Weizenexporteur werden und damit auch die USA überholen. Die neue europäische Weizenernte (Weichweizen und Durum) hat das USDA im Juni-Report nochmals um 1,4 Mio. t auf 146,25 Mio. t nach oben gesetzt. Damit wäre die neue Weizenernte außerdem rund 2,9 Mio. t größer als im letzten Jahr (143,3 Mio. t). Der europäische Export soll im nächsten Wirtschaftsjahr von der aktuellen Rekordausfuhr von 30 Mio. t (!!) um 2 Mio. t auf 28,0 Mio. t zurückgehen. Im Mai-Report hatte das USDA noch einen Rückgang auf 27,5 Mio. t erwartet. Mit dieser Ausfuhrmenge wären die Europäer im neuen Wirtschaftsjahr erstmals vor den USA (25,5), vor Kanada (21), Russland (19,5) und Australien (19) der größte globale Weizenexporteur.
 
Kanada und Australien mit relativ stabilen Exporten
Die Schätzungen zur kanadischen Ernte blieben im Juni unverändert. Die Kanadier sollen nach der Riesenernte im letzten Jahr von 37,5 Mio. t infolge einer deutlichen Anbaueinschränkung (von 10,4 Mio. ha auf 9,8 Mio. ha) nur noch 28,5 Mio. t ernten. Das wäre jedoch immer noch die bislang zweitgrößte Ernte. Die Exporte der Kanadier bleiben im kommenden Wirtschaftsjahr 2014/15 (wegen der riesigen Lagerbestände von 10 Mio. t) mit rund 21 Mio. t nach 21,5 Mio. t im laufenden Wirtschaftsjahr fast unverändert hoch. Für Australien belässt das USDA die Ernteschätzung auf Basis der bisherigen Witterungsverhältnisse (Aussaat Mai/Juni) unverändert bei 25,5 Mio. t. Die sehr gute Ernte aus dem zu letzten Jahr von 27 Mio. t wird jedoch nicht erreicht. Die Exportprognosen wurden wie im Mai bei 19 Mio. t belassen und liegen damit sogar über den Ausfuhren aus dem aktuellen Wirtschaftsjahr von 18,5 Mio. t.
 
Russische Produktion und Exporte größer
Um rund 1 Mio. t nach oben korrigiert hat das USDA die Ernteprognose für Russland. In ihrem Julireport regen die USDA-Experten (trotz der Trockenheit im Wolgagebiet) von einer Produktion von 53 Mio. t aus nach 52 Mio. t im Mai-Report und ebenfalls 52 Mio. t im letzten Jahr. Die witterungsbedingt etwas kleinere Aussaatfläche bei Winterweizen (zwei Drittel der Produktion) wird mit einer Zunahme des Sommerweizenanbaus ausgeglichen. Am Ende liegt die Weizenfläche bei insgesamt 23,75 Mio. ha nach 23,4 Mio. ha im letzten Jahr. Das Exportpotential der Russen schätzt das USDA für die nächste Saison 2014/15 auf 19,5 Mio. t nach 19,0 Mio. t im Mai-Report und 18,5 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr und lediglich 11,3 Mio. t vor zwei Jahren. Die russischen Endbestände wachsen von 5,7 Mio. t auf 6,97 Mio. t (Mai-Report_6,7 Mio. t).
 
Keine Änderungen in der Ukraine und in Kasachstan
Für die Ukraine erwartet das USDA wie im Mai-Report auch im Juni eine Weizenernte von 20 Mio. t nach 22 Mio. t im letzten Jahr. Das wäre ein Rückgang der Produktion von 2 Mio. t oder etwa 10 %. Gründe für den Produktionsrückgang ist die witterungsbedingt  kleinere Aussaatfläche von 6,3 Mio. ha nach 6,57 Mio. ha im letzten Jahr sowie der geringere Einsatz von Dünger und Pflanzenschutz, wegen der kräftig gestiegenen Produktionskosten. Das ukrainische Exportpotential sieht das USDA im Juni-Report unverändert bei 8,5 Mio. t nach 9,5 Mio. im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr (2013/14) und 7,2 Mio. t vor zwei Jahren. Für Kasachstan rechnet das USDA wie schon im Mai mit einer Erntemenge von 14,5 Mio. t nach 13,95 Mio. t im letzten Jahr (2013). Die kasachischen Exporte werden bei 7,0 Mio. t nach 8,0 Mio. t in der noch laufenden Saison erwartet.
 
Ägypten mit stabilen Importen, China erntet mehr
Argentinien wird nach Einschätzung des USDA im kommenden Wirtschaftsjahr wieder deutlich mehr Weizen exporrtieren (vor allem nach Brasilien). Nach einer Ernte von 10,5 Mio. t und Exporten von nur 1,8 Mio. t in der laufenden Saison, rechnet das USDA für das neue Wirtschaftsjahr mit einer Produktionsmenge von 12,5 Mio. t (Ernte Dez./Jan) und mit Exporten von 6,5 Mio. t. Indiens Ausfuhren gehen hingegen trotz einer im Juni-Report nochmals nach oben korrigierten Rekord-Ernte von 95,85 Mio. t (Vj. 93,5 Mio. t) von 5,0 auf 2,5 Mio. t zurück. Etwas mehr Weizen als im letzten Jahr soll mit 6,0 Mio. t (Vj. 5,3 Mio. t) zudem Brasilien ernten. In der Folge schrumpfen die brasilianischen Weizenimporte von 7,3 Mio. t auf 6,5 Mio. t. Die Importmenge des weltweit größten Importeurs Ägypten erwartet das USDA relativ stabil bei 10,8 Mio. t nach 10,5 Mio. t im noch aktuellen Wirtschaftsjahr. Für China liegt die Ernteprognose im Juli-Report bei 124 Mio. t nach 123 Mio. t im Mai-Report und 121,7 Mio. t im letzten Jahr. Damit geht auch der chinesische Import von 7,0 auf 3,0 Mio. t zurück, während die chinesischen Lagerbestände um 4 Mio. t auf den Rekordwert von 62 Mio. t (!!) bzw. ein Drittel der globalen Weizenbestände anwachsen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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