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Analyse

Weizen 2014: Europäische Rekordernte und Preisdruck?

von , am
30.05.2014

Kurz vor dem Monatswechsel haben jetzt die Analysten des Getreidehändlers Töpfer International ihre Prognose für die europäische Weichweizenernte kräftig nach oben korrigiert.

© landpixel
 
Das regenreiche und kühle Wetter der letzten vier Wochen bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Erwartungen und Prognosen zur neuen europäischen Weizenernte. In etlichen Regionen Zentral- und Osteuropas war die Witterung für das Wachstum nahezu optimal und das Ertragspotential hat sich deutlich verbessert. Kurz vor dem Monatswechsel haben jetzt die Analysten des Getreidehändlers Töpfer International ihre Prognose für die europäische Weichweizenernte kräftig nach oben korrigiert. Dabei wurden die Ernteerwartungen bei einigen wichtigen westeuropäischen Weizenerzeugern (Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich) kräftig nach oben gesetzt. Ganz besonders kräftig setzten die Analysten jedoch die Ernteprognosen für eine Reihe osteuropäischer Länder (Rumänien, Polen, Bulgarien, Ungarn) nach oben. In der Summe erreicht die neue Produktionsprognose in etwa den bisherigen Rekordwert aus den Jahr 2008.
 
Riesenernte und weiterer Preisdruck?
Sollte sich die Schätzung von Töpfer in den nächsten Prognosen der Kommission und von Strategie Grains bestätigen, würde das die bereits deutlich nach unten gerutschten Weizenpreise wohl noch einmal unter Druck setzen und für eine weitere Abwärtskorrektur sowohl am Binnenmarkt als auch im Export sorgen. Kurz vor dem Monatswechsel halten sich die Weizenpreise an der an der MATIF in Paris nur noch knapp über 190 Euro-Marke und sind damit so niedrig wie zuletzt im Januar. Im letzten Jahr waren die Weizenpreise im Lauf der Ernte (bis Anfang August) bis auf 182 Euro/t gefallen. Diese Marke erscheint angesichts der derzeitigen Ernteprogosen und der jüngsten Entwicklung am globalen Weizenmarkt durchaus im Bereich des Möglichen.
 
Sehr nahe am Rekord von 2008
Die kommende europäische Ernte von Weichweizen schätzten die Analysten von Töpfer International Ende Mai auf 139,16 Mio. t und damit 2,67 Mio. t größer als vor vier Wochen mit 136,48 Mio. t. Im Vergleich zur Ernte 2013 von 136,0 Mio. t bedeutet die erwartete Erntemenge einen Zuwachs von 3.15 Mio. t bzw. 3,3%. Würde diese Ernte-Prognose erreicht, wäre dies für die EU in etwa die Größe der bisherigen Rekordernte aus dem Jahr 2008/09. Damals erreichte die EU eine Weichweizenernte von 139,4 Mio. t. Hinzu kommen nach Einschätzung von Töpfer noch knapp 8 Mio. t Hartweizen (Vj. 8,0). Dabei haben die Experten von Töpfer die erwartete Erntemenge in einer ganzen Reihe von west- und osteuropäischen Ländern nach oben korrigiert.
 
Ernte in Deutschland und Frankreich nach oben
Die Produktionsschätzung für die neue deutsche Weichweizenernte 2014 liegt Ende Mai bei 24,78 Mio. t und damit 0,83 Mio. t höher als noch im April erwartet wurde. Andere Analysten sehen die deutsche Ernte bei gut 25,0 Mio. t. Im Vergleich zur Weizenernte von 2013 (24,87 Mio. t) wäre die jetzt für 2014 erwartete Erntemenge ähnlich groß bzw. geringfügig kleiner. Die französische Weichweizenproduktion 2014 erwartet Töpfer Ende Mai bei 36,66 Mio. t und damit 0,2 Mio. t größer als im April und eben so groß wie die die Ernte 2013 (36,65 Mio. t). Nach dem aktuellen Crop-Monitoring des französischen Landwirtschaftsministeriums befinden sich derzeit 75 % der Weizenpflanzen in gutem oder sehr gutem Zustand. Im letzten Jahr waren zu diesem Termin 67 % des Weizens in guter oder sehr guter Verfassung.
 
UK-Ernte weit über Vorjahr, Polen mit Rekord
Eine deutlich größere Weizenernte als im Jahr 2013 erwartet Töpfer für das Vereinigte Königreich. Die Weizenproduktion soll nach der aktuellen Prognose 15,1 Mio. t erreichen und damit ähnlich groß sein wie im April erwartet. Im Vergleich zu 2013 (11,92 Mio. t) wäre die Produktion 3,18 Mio. t oder 27 % größer. Größer als im April und auch als im letzten Jahr erwartet Töpfer die Weizenernte in Dänemark. Hier liegt die Produktionsprognose mit 5,2 Mio. t rund 0,2 Mio. t höher als im Vormonat und sogar 1,1 Mio. t höher als 2013 (4,1 Mio. t). Das einzige westeuropäische Land mit einer kräftigen Korrektur der Ernteerwartung nach unten ist Spanien. Hier geht Töpfer jetzt von 5,1 Mio. t aus nach 6,2 Mio. t im April und 6,7 Mio. t im letzten Jahr. Das spanische Landwirtschaftsministerium erwartete Ende Mai allerdings 6,0 Mio.t.
 
Deutlich mehr Weizen in Osteuropa
Die Nummer vier unter den europäischen Weizenproduzenten ist Polen. Bei unseren östlichen Nachbarn könnte die Erntemenge 2014 nach Einschätzung von Töpfer rund 9,89 Mio. t erreichen und damit etwa 0,5 Mio. t größer sein als im April (9,4 Mio. t) erwartet wurde und 0,23 Mio. t größer als 2013 (9,655 Mio. t). In Tschechien könnte die Weizenernte nach Meinung von Töpfer 2014 etwa 4,59 Mio. t erreichen und damit 0,24 Mio. t größer ausfallen als im April erwartet, jedoch noch 0,14 Mio. t kleiner als 2013 (4,73 Mio. t). Kräftig nach oben korrigiert hat Töpfer die Prognose für Rumänien. Die rumänische Produktion soll mit 8,27 Mio. t nun 0,82 Mio. t größer sein als im April erwartet wurde und zudem die Rekordernte aus dem letzten Jahr (7,995 Mio. t) übertreffen. Für Ungarn wird die Produktion 2014 auf etwa 4,87 Mio. t geschätzt und damit 0,52 Mio. t größer als im April geschätzt und ähnlich groß wie 2013 (4,73 Mio. t). Auch für Bulgarien korrigierten die Analysten die Erntemenge auf 5,17 Mio. t nach oben. Das wären 0,38 Mio. t mehr als im April (4,8 Mio. t) erwartet und auch 0,11 Mio. t mehr als 2013 (5,06 Mio. t)
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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