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Analyse

Weizen 2014: Neue globale Rekordernte möglich?

von , am
06.03.2014

Die nächste globale Weizenernte könnte deutlich größer werden als bislang gedacht und sogar die Rekordernte aus dem letzten Jahr übertreffen.

An der Matif notierte der Weizen gestern wieder bei über 170 Euro je Tonne. © hapo/landpixel
 
Die nächste globale Weizenernte könnte deutlich größer werden als bislang gedacht und sogar die Rekordernte aus dem letzten Jahr übertreffen. Davon geht jedenfalls das US-Analystenhaus Informa Economics in seiner Anfang März aktualisierten Ernteschätzung aus. Ursache für den Produktionssprung ist dabei nicht so sehr die Ausweitung der Erntefläche als vielmehr eine Rekordernte in Indien, die auch deutlich über den letzten Erwartungen von Informa liegt. Gleichzeitig blieben die Ernteprognosen für Russland und die Ukraine relativ deutlich unter der letzten Ernte. Ende der letzten Woche hatte der Internationale Getreiderat (IGC) eine ganz andere Einschätzung getroffen und die Weizenernte deutlich unter das letzte Ergebnis abgesenkt.
 
Indiens Riesenernte beginnt im März
Die Analysten von Informa schätzten die indische Weizenernte wegen der sehr guten Wachstumsbedingungen (Monsun) und der Flächenausweitung von 29,4 Mio. ha auf 31,5 Mio. ha auf 108 Mio. t. Das wäre ein neuer Rekord und zugleich rund 9 Mio. t mehr als zur letzten Informa-Prognose im Februar. Gegenüber der keineswegs kleinen Ernte vom letzten Jahr (92,5 Mio. t) beträgt der Zuwachs fast 16 Mio. t oder 17 Prozent. Sollte sich diese Prognose bestätigen, könnte dass auch die Exportmärkte erheblich durcheinanderwirbeln. Im laufenden Wirtschaftsjahr rechnet man allenfalls mit indischen Exporten von 5,5 Mio. t nach 8,0 Mio. t vor zwei Jahren. Der indische Bedarf liegt bei rund 90 Mio. t und die Endbestände werden auf 20 Mio. t geschätzt. Die indische Haupternte erfolgt von März bis April.
 
Globale Produktion mit neuem Rekord?
Eine Folge des indischen Produktionssprungs wäre ein Anwachsen der globalen Produktion auf 715,8 Mio. t. Bei der letzten Schätzung im Februar war Informa noch vorn einer Erntemenge von 707,8 Mio. t ausgegangen. Die Rekordernte von letzten Jahr (2013/14) erreichte einen Umfang von 712,6 Mio. t und war damit gut 3 Mio. t als die Informa-Prognose für 2014. Die Anbaufläche veranschlagt Informa auf 221 Mio. ha nach 218,9 Mio. ha im letzten Jahr. Der IGC hatte die globale Weizenernte letzte Woche nur auf 696 Mio. t geschätzt und damit nicht nur deutlich kleiner als im letzten Jahr sondern auch deutlich niedriger als Informa.
 
Russische Ernte wird kleiner als 2013
Dabei haben auch die Analysten von Informa die Produktion für eine ganze Reihe von Ländern auch kleiner eingeschätzt als 2013/14. So geht man für Russland von einer Weizenernte von 49,5 Mio. t aus nach 52,1 Mio. t im Jahr 2013. Die letzte Prognose von Februar war mit 48,5 Mio. t allerdings noch niedriger. Ursache für die jüngste Korrektur ist dass die Erntefläche mit 23 Mio. ha etwas größer ist als noch im Februar mit 22,5 Mio. ha erwartet wurde, jedoch nach wie vor kleiner als im letzten Jahr mit 23,3 Mio. ha. Der IGC hatte die russische Ernte letzte Woche sogar auf 51,0 Mio. t geschätzt.
 
Ukraine und Kanada mit Produktionsrückgang
Für die Ukraine schätzt Informa die Ernte mit 20,5 Mio. t zwar unverändert zum Vormonat jedoch weiterhin kleiner als 2013 (22,3 Mio. t). In der Ukraine liegt die Anbaufläche mit 6,1 Mio. ha witterungsbedingt ebenfalls niedriger als im Vorjahr mit 6,5 Mio. ha. Der IGC hatte die ukrainische Ernte letzte Woche nur noch auf 20,0 Mio. t geschätzt. Deutlich kleiner als im letzten Jahr schätzte Informa auch die neue Ernte in Kanada. Diese liegt mit erwarteten 26,0 Mio.t mehr als 10 Mio. t niedriger als die Rekordernte 2013 mit 37,5 Mio. t. Hintergrund ist hier eine deutliche Einschränkung der Anbaufläche auf 8,9 Mio. ha von zuvor 10,4 Mio. ha. Der IGC hatte die kanadische Ernte letzte Woche auf 29,0 Mio. t geschätzt und damit etwas größer. Eine größere Ernte als im letzten Jahr erwartet Informa auch für für Kasachstan. Hier liegt die Prognose mit 16,3 Mio. t gut 2 Mio. t über dem letzten Ergebnis von 13,9 Mio. t. Auch für China liegt die aktuelle Ernteschätzung mit 122 Mio. t in etwa auf der Linie des Vorjahres obwohl die Anbaufläche ganz leicht von 24,0 auf 24,3 Mio. ha gewachsen ist.
 
EU-Ernte wie 2013, US-Ernte größer
Für die EU rechnet Informa unverändert wie bisher mit einer Weizenproduktion von 143,1 Mio. t und damit mit einem leichten Produktionszuwachs zum Vorjahr (142,9 Mio. t) Grund ist die etwas größere Anbaufläche von 26,5 Mio. ha nach 25,7 Mio. ha im letzten Jahr. Der IGC hatte die europäische Ernte letzte Woche auf ebenfalls auf 143 Mio. t geschätzt. Die US-Ernte erwartet Informa wie schon im Februar bei 60,9 Mio. t nach 58,0 Mio. t im Jahr 2013. Hier unterstellen die Analysten eine Erntefläche von 19,6 Mio. ah nach 18,3 Mio. ha im Jahr 2013. Der IGC hatte die US-letzte Woche ebenfalls auf 60,0 Mio. t geschätzt.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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