Login
Analyse

Weizen: Weiter abwärts für die Weizenpreise

von , am
19.05.2014

Eine massive Preiskorrektur beim Weizen brachte in der letzten Woche die veränderten Einschätzungen des Marktes zum Ausdruck.

© landpixel
 
Eine massive Preiskorrektur beim Weizen brachte in der letzten Woche die veränderten Einschätzungen des Marktes zu den globalen Versorgungsbilanzen und den Wettbewerbsverhältnissen an den Exportmärkten zum Ausdruck. Offensichtlich wird die Risikoprämie die den Weizen wegen der knapper erwarteten Versorgung am Weltmarkt und in den USA nach oben getrieben hatte wieder abgezogen. Ob dies am Ende auch die wirklichen Marktverhältnisse abbildet muss sich erst noch zeigen. In Europa fielen die Preise jedenfalls letzte Woche um rund 4 % und zudem unter die auch technisch und psychologisch wichtige Marke von 200 Euro. Am Montag Vormittag liegen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in Chicago erneut im Minus und lassen für den weiteren Tagesverlauf sowie für die Weizenpreise in Europa und Deutschland nicht viel Gutes erwarten.
 
USDA-Report, Exportdaten und Regen
Der Auslöser für den Preisrutsch, der vor allem von den USA ausging, war die relativ optimistische Einschätzung zur globalen Versorgung durch den letzten USDA-Report (09. Mai), aber vor allem auch die deutlich verschlechterte (preisliche) Wettbewerbsposition der USA an den Exportmärkten. Hinzu kommen jetzt auch Regenfälle in den wichtigsten südlichen Weizenanbaugebieten (südliche Plains) der USA. Außerdem korrigierten am Freitag die Analysten von Informa Economics die Anbau- und Produktionsschätzung beim Weizen für die USA nach oben und nicht zuletzt  bekamen die USA trotz des kräftigen Preisrückgangs bei einer Exportausschreibung Ägyptens am Freitag erneut keinen Zuschlag (sondern die Ukraine).
 
Längster Preisrutsch (in den USA) seit 15 Jahren
In der Folge gaben die Weizenpreise in Chicago in neun hintereinander folgenden Handelstagen nach und  lösten damit den längsten Preisrutsch seit September 1998 (also seit 15 Jahren) aus. Seit der letzten Preisspitze vom 6ten Mai haben die Preise in Chicago damit knapp 10 % verloren (und damit deutlich stärker als in Europa). Allein in der letzten Woche haben die Kurse um 6 % nachgegeben. In den USA drücken jetzt auch die für  etwa 75 % der Weizenanbaugebiete angekündigten Regenfälle auf die Preise. (Auch in Europa hatte der Mai in Ländern wie Deutschland und Frankreich zum Teil ergiebige Regenfälle gebracht.) Ob der Regen in den USA dem Weizen überhaupt noch hilft, muss sich jedoch erst noch zeigen. Heute Abend (19. Mai) wird das aktuelle Crop-Monitoring des USDA deutlich machen, wie der US-Weizen die letzte Woche überstanden hat. Dann könnte es zumindest zu einer technischen Gegenreaktion bei den Preisen kommen.
 
Ukraine gewinnt Exportauktion, US-Weizen noch zu teuer
Einen zusätzlichen Dämpfer erhielten am letzten Freitag die Weizenpreise in den USA und in Europa durch eine Exportausschreibung Ägyptens. Trotz der massiven Preiskorrektur der letzten Tage war der Weizen aus den USA und Europa (einschließlich Frachtkosten) noch immer zu teuer und die Ukraine erhielt als einziger Anbieter einen Zuschlag über die Lieferung von 55.000 t Weizen. Der Preis des ukrainischen Weizens lag bei 289 USD/t (fob) und die Frachtkosten betrugen 13,49 USD/t. Damit ergibt sich ein Gesamtpreise von 302,49 USD/t. (Bei der letzten Auktion am 2 Mai hatte der ukrainische Weizen (fob) allerdings nur 285,87 gekostet). Der ebenfalls angebotene Weizen aus Frankreich war mit 290,98 USD/t nur noch geringfügig teuer als der Weizen aus der Ukraine und zudem 13 Euro billiger (304,24 USD/t) als das französische Angebot bei der Auktion am 2. Mai. Der US-Weizen wurde sogar nur zu einem fob-Preis 282,87 USD/t angeboten und damit fast 19 USD billiger als beim letzten Mal (301,74 USD). Allerdings war der US-Weizen wegen der hohen Frachtkosten (27,5 USD/t) immer noch etwas teurer als die Ware aus der Ukraine.
 
US-Weizen fällt auch am Montag weiter
Am Montag (19. Mai) Vormittag liegen die US-Weizenpreise (SRW) im vorbörslichen elektronischen Handel in Chicago erneut 0,6 % im Minus. Am Freitag (14.05) hatten die Weizenpreise in Chicago ebenfalls um 0,6 % und in der gesamten Woche um etwa 6,0 % nachgegeben. Der Julikontrakt beendete den Handel am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag bei umgerechnet 180,50 Euro/t (674,2 Ct/Bu). Die neue Ernte (Dezember) kostete 186,99 Euro/t (698,66 Ct/bu). Damit kostete der Weizen (SRW) in Chicago für die neue 13 Euro weniger und für die alte Ernte 12 Euro weniger als vor einer Woche. Gegenüber dem letzten Tiefstand von Ende Januar waren die Weizenpreise in Chicago am Donnerstag (trotz des Preisrückgangs) immer noch 20 % höher. Die letzte Preisspitze vom 06. Mai wurde indessen um knapp 10 % verfehlt.
 
EU-Weizen entfernt sich von der 200-Euro-Marke
In der Europäischen Union sind die Weizenpreise im Verlauf der letzten Woche deutlich gefallen und rutschten erstmals seit Februar wieder unter die 200-Euro-Marke. Am Freitag (16.05) kostete der Weizen für den Novembertermin (neue Ernte) an der MATIF nur noch 199 Euro/t und damit 8,0 Euro bzw. 4 % weniger als vor einer Woche. Am heutigen Montag (19.05) könnten die europäischen Weizenpreise im Sog des weiter unter Druck stehenden US-Weizen erneut leicht nachgeben und sich weiter von der die 200-Euro-Marke entfernen. Am Kassamarkt haben die Weizenpreise im Wochenverlauf ebenfalls nachgegeben. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Freitag (16. Mai) mit 202 Euro/t und damit 5 Euro billiger als am Montag der letzten Woche. Die neue Ernte (September) wurde in Hamburg mit 203 Euro/t notiert und damit 4 Euro billiger als zum Beginn der Woche.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant