Login
Analyse

Weizen: Beginnt die Rallye von vorn?

von , am
12.03.2014

So schnell und massiv haben die Märkte selten die Richtung gewechselt.

© landpixel
 
So schnell und massiv haben die Märkte selten die Richtung gewechselt. Nachdem es am Montag nach dem USDA-Report für Weizen, Mais und Ölsaaten steil bergab ging, machte insbesondere der Weizen und in seinem Sog auch Mais und die hinteren Termine für Soja und Raps die Verluste vom Vortag wieder gut und kletterten steil nach oben. Hauptgrund für die aktuelle Rallye waren die Berichte über den sich dramatisch verschlechternden Wachstums-Zustand beim Weizen in den wichtigsten südlichen Anbaugebieten (südliche Plains) der USA. Dort hat es seit 30 Tagen kaum Niederschlag gegeben. Insgesamt sind  in den Hauptanbaugebieten für den US-Brotweizen in den Wintermonaten gerade einmal 10 % der üblichen Niederschlagsmenge gefallen.
 
Trockenheit und Kälte drücken Ertragsaussichten
Hinzu kommt der in einigen Regionen extrem starke und trockene Wind, der den Boden zusätzlich austrocknet. Dieser Wind hat in einigen südlichen Bundesstaaten auch den dort gefallenen Schnee fast vollständig ausgetrocknet. Betroffen von der Trockenheit sind ganz besonders die Bundesstaaten Kansas, Oklahoma und Texas, die zu den wichtigsten Anbaustaaten für Winterweizen gehören. Der private Wetterdienst Commodity Weather Group (CWG) erwartet auch für die nächsten 2 Woche keine wesentlichen Niederschläge in diesen Regionen.
 
Märkte reagieren auf erwartete Einbußen
Problematisch für den US-Weizen war zudem die extreme Kälte der letzten Wochen. Unter anderm hat es in Kansas bei starken Frösten im Dezember und im Januar kaum Schneebedeckung gegeben. Trotz der dramatischen Abstufung des Weizens im Rahmen des Crop-Monitorings durch das USDA sind die Weizenpflanzen in den betroffenen Bundestaaten jedoch bislang noch immer in besserem in Zustand als im extrem schlechten Jahr 2013, denn bis zum Dezember waren die Wachstumsbedingungen ganz hervorragend. Die Märkte reagierten auf die deutliche Verschlechterung des Crop-Monitorings durch das USDA und mögliche Auswinterungsschäden mit einem steilen Anstieg der Weizenpreise.
 
Steiler Preisanstieg für US-Weizen
Beim Weizen sind die Kurse in den USA am Ende des gestrigen Handelstages für den Maitermin in Chicago um 2,9 % gestiegen und haben damit die Verluste vom Vortag mehr als ausgeglichen. Seit Ende Januar sind die US-Weizenpreise um 18 % geklettert. Damit kostete der Maikontrakt in Chicago wieder  knapp 175 Euro/t (659 Ct/bu) und der Julikontrakt 176 (664,2 Ct/bu). Der in Kansas gehandelte Brotweizen legte für den Mai um 2,5 % auf 193 Euro/t (728,4 Ct/bu) zu und für den Septembertermin (neue Ernte) auf 194 Euro/t (731,2 Ct/Bu). Im vorbörslichen elektronischen Handel lagen die Weizenpreise in Chicago am Mittwoch Vormittag nach einem schwachem Start erneut im deutlich Plus. An den US-Exporthäfen kostete der in Chicago gehandelte Weizen der Sorte Soft Red Winter am Dienstag etwa 290 USD/t (209 Euro/t) und der in Kansas gehandelte Brotweizen der Sorte Hard Red Winter rund 330 USD/t  (238 Euro/t).
 
Europäischer Weizen verteuert sich ebenfalls
Auch der europäische Weizen erholte sich am Dienstag von seinen Vortagsverlusten. Neben den steigenden US-Preisen stützte der anhaltend starke Export die europäischen Weizenpreise. Der Maikontrakt am europäischen Terminmarkt machte seine Vortagsverluste vollständig wett und stieg um gut 3 Euro auf 210,25 Euro/t und überwand erneut die 210-Euro-Marke. Die neue Ernte (November) kostete mit 201 Euro gut 3 Euro mehr als am Vortag und nur 9 Euro weniger als der Maikontrakt. Am europäischen Kassamarkt hatten die Weizenpreise zunächst nachgegeben, dürften aber den gestiegenen Terminmarktpreisen rasch wieder folgen. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen am Dienstag (11. März) mit 209 Euro/t und damit 2 Euro preiswerter als am Vortag. A-Weizen wurde mit 211 Euro/t (-2) notiert. Gleichzeitig lagen die Exportpreise für Brotweizen an den deutschen Ostseehäfen (fob) zwischen 214 und 219 Euro/t. Die Exportpreise für deutschen A-Weizen (fob Ostseehafen) bewegten sich zwischen 216 und 221 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant