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Analyse

Weizen: Bodenbildung bei den Weizenpreisen

von , am
29.09.2014

In Europa haben sich die Weizenpreise am Terminmarkt über der Marke von 150 Euro behauptet.Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der letzten Woche noch einmal zurückgegangen.

© krick/agrar-press
In Europa haben sich die Weizenpreise am Terminmarkt über der Marke von 150 Euro behauptet. Auch in den USA hat sich der Chicago-Weizen über der Marke von 470 Ct/Bu (137 Euro) gehalten. Trotz der weiterhin ausgesprochen bärischen Erntedaten vom europäischen und vom internationalen Markt (Rekordernten), scheint nun doch eine Bodenbildung bei den Weizenpreisen stattzufinden. Eine Ursache hierfür ist der überraschend starke Export der Europäer, der unter anderem auch durch den weiter nachgebenden Euro angekurbelt wird. Damit wird der europäische Weizen am Weltmarkt in Dollar immer billiger. Hinzu kommt, dass trotzt der Riesenernte offenbar sehr knappe globale Angebot an Qualitätsweizen. Die Folge ist, dass die Preise für Futterweizen und Weizen mit geringeren Proteingehalten stärker unter Druck stehen als die Preise für Qualitätsweizen, für den die Prämien bei allen großen Exporteuren zuletzt kräftig steigen. Am heutigen Montag (29.09) liegen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in Chicago zunächst im Plus und dürften auch die Weizenpreise in Europa stützen.
 
Europäischer Export läuft sehr gut
Bisher haben die Europäer in diesem Wirtschaftsjahr mehr Weizen ins Ausland verkauft als im letzten Jahr. Dabei befanden sich die europäischen Weizenexporte (Lizenzen) bereits im vorigen Wirtschaftsjahr auf Rekordniveau. In der letzten Abrechnungswoche bis 24. September verkauften die Europäer rund 613.000 t Weizen. In den ersten dreizehn Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres 2014/15 wurden nach den Daten der EU-Kommission etwa 6,4 Mio. t Weichweizen (Lizenzen) ins Ausland verkauft. Das ist (bisher) eine 4 % größere Exportmenge als im Rekordjahr 2013/14. Damals wurden bis zu diesem Termin 6,17 Mio. t Weizen exportiert. Größter Einzelexporteur in den ersten dreizehn Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres ist Frankreich mit einer Ausfuhrmenge von insgesamt 1,8 Mio. t. Die zweitgrößte Liefermenge kommt bislang mit 1,6 Mio. t Weizen aus Deutschland.
 
US-Export mit Problemen, Brotweizen teuer
Der Export der Amerikaner läuft bislang schlechter als erwartet und auch als im letzten Jahr. Ein Grund ist das vergleichsweise knappe Angebot an proteinreichen Hartweizen der Sorte Hard Red Winter, der aktuell an den Exporthäfen am Golf mit 286 USD/t ( 226 Euro) rund 53 USD/t mehr kostet als der Soft Red Winter mit 233 USD/t (184 Euro). In der letzten Woche lagen die US-Weizenverkäufe (Exporte) bei 396.000 t und damit wieder etwas höher als in der Vorwoche mit auf 315.000 t. Bislang ist die in diesem Wirtschaftsjahr von den USA ins Ausland verkaufte Weizenmenge mit 12,83 Mio. t rund 27 % kleiner als im letzten Jahr zu diesem Termin mit 17,69 Mio. t. Der Export von (knappem) proteinreichem Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (12,5 % bis 13 % Protein) ist mit knapp 4,0 Mio. t sogar 38 % kleiner als im letzten Wirtschaftsjahr zu diesem Termin (6,48 Mio. t). Größer als im letzten Jahr ist jedoch die Exportmenge von Soft Red Winter (10 bis 11 % Protein), aber auch von proteinreichem Sommerweizen der Sorte Hard Red Spring (13,5 bis 14,0 % Protein).
 
Europäische Weizenpreise halten sich über 150 Euro
In der Europäischen Union haben sich die Weizenpreise im Verlauf der letzten Woche oberhalb der Marke von 150 Euro behauptet. Am Freitag (26.09) kostete der Weizen (Novemberkontrakt) am Terminmarkt in Paris noch 152,0 Euro/t und damit 1,5 Euro weniger als am Freitag (22.09) vor einer Woche (153,5 Euro) und gut 10,0 Euro weniger als am Freitag vor zwei Wochen (162,75 Euro). Im Vergleich zu den Preisen vor einem Jahr (30. Sept. 2013) kostet der Weizen am europäischen Terminmarkt 37,5 Euro weniger (189,50 Euro). Der Januarkontrakt notiert am Freitag bei 154,50 Euro und damit 3,25 Euro billiger als in der Vorwoche (Vw.: 157,75) und der März ging mit 156,25 Euro aus dem Handel (Vw.: 159,75). Futterweizen wurde am Freitag (26.09) am Terminmarkt in London für den November mit 137,8 Euro/t (107,65 GPB) gehandelt und damit rund 5,0 Euro billiger als letzte Woche (111,55 GPB) und für den Januar mit 140,9 Euro (110,15 GPB).
 
Preise am Kassamarkt nach unten angepasst
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der letzten Woche gefallen und haben damit die vorausgegangene Entwicklung am Terminmarkt nachvollzogen. Am Großmarkt in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Septembertermin am Freitag (26.09) mit 161 Euro/t und damit etwa 6 Euro billiger als am Freitag zuvor (167 Euro). Die Preisvorstellungen für Brotweizen mit 12 % Protein zur Anlieferung im November lagen am Exporthafen in Hamburg am Freitag (26.09)  bei 163 Euro/t (Vw: 172 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg für den September 166 Euro/t (Vw: 175) geboten und E-Weizen mit 14 % Protein notierte man mit 176 Euro. Futterweizen wurde mit 154 Euro gehandelt (Vw. 154 Euro). Am Oberrhein lagen die Preisangebote für Brotweizen mit 11,5 % Protein am Ende vorigen Woche bei etwa 155 Euro (Vw: 157 Euro). Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am Freitag am wichtigsten Handelsplatz in Rouen 158 Euro/t und damit 3 Euro weniger als in der Vorwoche (161 Euro/t).
 
US-Weizen behauptet sich ebenfalls
In den USA haben sich die Weizenpreise in der letzten Woche am Terminmarkt in Chicago einigermaßen behauptet. Dennoch kostete der in Chicago gehandelte Weizen (SRW) rund 32 % bzw. umgerechnet etwa 64 Euro weniger als Ende September 2013 (201 Euro/t). Der Dezembertermin des Chicago-Weizen (SRW) beendete den Handel am Freitag (26.09) bei 137,4 Euro/t (474 Ct/bu) und damit in US-Währung (ct/bu) auf dem Niveau der Vorwoche (474 Ct) in Euro jedoch 1,8 Euro teurer (135,6 Euro). Der Märzkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag umgerechnet 142 Euro/t (487,0 Ct/bu ) und damit 1,7 Euro mehr als eine Woche zuvor (140,3 Euro). Der US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (Dezemberkontrakt) gingen am Freitag (26.09) am Terminmarkt mit 164 Euro/t (563,6 Ct/bu) aus dem Handel (+ 4 Euro z. Vw.). Demgegenüber kostete der Sommerweizen (HRS) am US-Terminmarkt 155,5 Euro/t (533,2 Ct/bu) und damit 2 Euro mehr als letzte Woche. Am heutigen Montag (29.09) liegen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in Chicago im Plus und dürften auch die Weizenpreise in Europa stützen.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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