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Analyse

Weizen: Dreht der Markt und fallen die Preise?

von , am
26.02.2014

Die Weizenpreise haben im Februar vor allem in den USA, aber auch in Europa und an den den Exportmärkten kräftig zugelegt. Nach den aktuellen Prognosen des USDA sowie von privaten Analysten kann das gegenwärtige Preisniveau jedoch nicht gehalten werden.

© landpixel
 
Die Weizenpreise haben im Februar vor allem in den USA, aber auch in Europa und an den den Exportmärkten kräftig zugelegt. In den USA stiegen die Preise in den letzten 4 Wochen um 12%. In Europa legten die Weizenpreise um rund 5 % zu und am Weltmarkt verteuerte sich Weizen um 5 %. Gleichzeitig liegen die Weizenpreise in den USA jedoch noch 10 % unter der letzten Preisspitze von Mitte Oktober 2013 und in Europa wird das letzte Preishoch von Anfang Dezember (213 Euro) um etwa 6 % verfehlt. Nach den aktuellen Prognosen des USDA sowie von privaten Analysten kann das gegenwärtige Preisniveau jedoch nicht gehalten werden. Bis zur neuen Ernte 2014 rechnet man vielmehr mit einer deutlichen Preiskorrektur nach unten. An den Terminmärkten ist man indessen (bisher) anderer Meinung. Den Ausschlag wird die weitere Entwicklung der Exporte und der neuen Ernte 2014 geben.
 
Rabobank sieht fallende Weizenpreise
Nicht nur das USDA hat aktuell einen pessimistischen Ausblick auf die Einwicklung der Weizenpreise gegeben. Ende letzter Woche setzten die Analysten der Rabobank ihre Preiserwartung für den Weizen ebenfalls sehr deutlich zurück. So unterstellte man für das erste Quartal 2014 Weitenpreise von 590 Ct/buschel (158 Euro/t). Das entspricht einem Abschlag von 55 Ct/bu gegenüber der letzten Prognose. Die nachfolgenden Termine setze man sogar noch stärker um 60 Ct bis 80 Ct/bu zurück. So erwartet man für das zweite Quartal nur noch einen Preis von 580 Ct/buschel (155 Euro), für das dritte Quartal von 570 Ct/Bu (152 Euro) und für das vierte Quartal von 560 Ct/Buschel (150 Euro/t). Den Preisrückgang begründet die Rabobank unter anderem mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Endbestände im nächsten Wirtschaftsjahr.
 
USDA erwartet noch stärkeren Preisrutsch
In seiner aktuellen Prognose vom 20. Februar zum Weizenmarkt rechnet das USDA für das neue Wirtschaftsjahr 2014/15 nur noch mit Preisen von 530 Ct/bu (142 Euro) und damit im Vergleich zum aktuellen Wirtschaftsjahr 2013/14 mit einem weiteren Preisrückgang von 22 Prozent. Für das noch laufenden Wirtschaftsjahr 2013/14 unterstellte das USDA eine durchschnittlichen Weizenpreis von 680 Ct/bu (182 Euro). Im Jahr zuvor (2012/13) lagen die US-Weizenpreise durchschnittlich bei 777 Ct/bu (209 Euro/t).
 
US-Terminmärkte erwarten steigende Preise!!
Die deutlich nach unten gerichteten Preiserwartungen des USDA und der Rabobank spiegeln sich bislang jedoch nicht an den Terminmärkten wider. In Chicago (SRW) lagen die Kontraktpreise für den März zuletzt bei 615 Ct/Buschel (164 Euro), für den Mai bei 618 Ct/buschel (165 Euro) und für die neue Ernte sogar bei 632 Ct/Buschel (169 Euro). Bis Dezember rechnet man am Terminmarkt dann sogar mit einem Preisanstieg bis auf 645 Ct/Buschel (173 Euro/t). Ähnlich ist Erwartung in Kansas (Brotweizen/HRW.  Hier lagen die Kontraktpreise für März und Mai bei etwa 690 Ct/bu (184 Euro), und für den Dezember (neue Ernte) bei etwa 692 C/bu (185 Euro). Damit widersprechen sich die Erwartungen am Terminmarkt und die Preiseprognosen von USDA und Rabobank grundsätzlich.
 
Europäische Preise nur wenig schwächer
Auch in Europa geht man am Terminmarkt derzeit offenbar nicht von deutlich fallenden Preisen aus. Am der MATIF in Paris kostete der Weizenkontrakt für den den März knapp 200 Euro, für den Mai 196 Euro und für die neue Ernte (November) knapp 190 Euro. Das wäre bis zur neuen Ernte ein Rückgang von lediglich 10 Euro oder 5 %. Vor allem der sehr starke Export hat zuletzt zu sehr festen Preisen in Europa geführt. Für die EU erreichten die Verkäufe von Weizen in Drittländer bisher einen Umfang von 19,23 Mio. t. Das sind 7,12 Mio. t oder 52 % mehr als im letzten Jahr (12,68 Mio. t). In den USA wurden in diesem Wirtschaftsjahr 27,7 Mio. t Weizen ins Ausland verkauft und damit 5,3 Mio. t bzw. 24 % mehr wie im letzten Jahr (22,4 Mio. t).
 
Neue Ernte gibt den Ausschlag
Entscheidend für die Entwicklung der Preise wird jedoch die Größe der neuen Weizenernte (und der Maisernte) 2014 sein. Die aktuelle Februar-Prognose von Informa Economics geht davon aus, dass die globale Produktion im neuen Wirtschaftsjahr mit 708 Mio. t etwa ähnlich groß  sein wird wie im laufenden Jahr mit 712  Mio. t. Die europäische Ernte soll danach mit 143,1 Mio. t in etwa so groß ausfallen wie im letzten Jahr (142,9). Für die die USA geht Informa (wie das USDA) von einem moderaten Anstieg der Produktion auf 60,9 Mio. t aus,  nach 58 Mio. t im letzten Jahr. Dagegen soll die russische Ernte mit 48,5 Mio. (kleinere Anbaufläche) kleiner ausfallen als 2013 mit 51,5 Mio. t. Die Ukraine könnte mit 20,5 Mio. t ebenfalls etwas weniger Weizen ernten als 2012 (22,0 Mio. t).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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